Ratgeber : Tiere brauchen Silvester viel Ruhe

Tierarzt Jens-Christian Rudnick baut mit kleinen Leckerlies Vertrauen zu seinem vierbeinigen Patienten Envo auf. Der vierjährige Australian Shepherd-Rüde ist so gar kein Freund von Silvester. Damit er die Nacht von Sonntag zu Montag gut übersteht, holt sich sein Frauchen Rat in der Tierklinik.
Tierarzt Jens-Christian Rudnick baut mit kleinen Leckerlies Vertrauen zu seinem vierbeinigen Patienten Envo auf. Der vierjährige Australian Shepherd-Rüde ist so gar kein Freund von Silvester. Damit er die Nacht von Sonntag zu Montag gut übersteht, holt sich sein Frauchen Rat in der Tierklinik.

Fachleute geben Haltern wichtige Hinweise, wie Hunde, Katzen und Co. das große Knallen unbeschadet überstehen #wirkoennenrichtig

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29. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Am Silvesterabend wird es auf Rostocks Straßen wieder laut. Feuerwerke wohin man auch sieht. Für Tiere ist ein solcher Trubel ein wahrlicher Stresstest. Nicht jeder Vierbeiner ist diesem gewachsen. „Es gibt zwei Typen von Hunden – schussfeste wie zum Beispiel Jagdhunde und sehr ängstliche, schreckhafte Hunde. Wir empfehlen bei den empfindlichen Tieren, Massen zu vermeiden und vielleicht an Orte zu fahren, wo es weniger laut ist“, sagt Heike Rudnick von der Tierklinik Rostock. Nicht jeder kann allerdings weite Reisen unternehmen. Damit bleibt der sicherste Aufenthaltsort das eigene Zuhause.

Heike Rudnick erläutert einige Strategien, wie Haustierbesitzer ihre Schützlinge unterstützen können. „Mit Geräusch-CD’s können Hunde und Katzen positiv konditioniert werden, indem sie langsam an höhere Geräuschpegel gewöhnt werden“, so Rudnick. Auch der vierjährige Australian Shepherd Envo hat mit dem lauten Jahreswechsel so seine Probleme. „Envo wird dann sehr unruhig und nervös. Er springt auf die Couch und will nichts mehr machen, nicht mal raus auf die Toilette“, erzählt seine Halterin. Tierarzt und Klinikleiter Jens-Christian Rudnick berät Hund und Frauchen. „Bei extremen Fällen gibt es die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Seit letztem Jahr gibt es ein Präparat, das nur bei Geräuschangst eingesetzt wird“, erklärt der Tierarzt. Vorher sollten sich Hundebesitzer aber gut über die Einnahme und Nebenwirkungen aufklären lassen.

Besonders wichtig ist es, Fluchtmöglichkeiten zu verhindern. „Die meisten Verletzungen entstehen dadurch, dass die Tiere ausreißen und umherirren. Dabei ziehen sie sich dann Quetschungen zu oder geraten unter die Räder“, so Rudnick. Tierärztin Anne Tiede berichtet von einem Hund, der mit einem Knalltrauma in die Klinik eingewiesen wurde. „Das Tier litt danach an einer Taubheit. Es dauerte eine Weile bis das Gehör sich wieder vollständig erholte“, erzählt sie. Falls ein Ausreißer doch einen Fluchtweg findet, können sich die Besitzer und Finder an die Tierklinik wenden. „Wir sind für Rostock erster Anlaufpunkt und alle Tiere, die bei uns abgegeben werden, bekommen ein Einzelzimmer, Verpflegung und gegebenenfalls eine medizinische Versorgung“, erklärt Heike Rudnick. Damit die Halter schnell ausfindig gemacht werden können, sei ein Chip von großem Vorteil.

Besitzer von Kleintieren wie Nagern, Spinnen oder Vögeln müssen sich weniger Sorgen machen, da diese meist besser mit Lärm umgehen können. Tierarzt Steffen Fechner erinnert sich jedoch an einen ungewöhnlichen Fall mit einer Vogelspinne. „Die Spinne kam einige Zeit nach Silvester mit kreisrundem Haarausfall zu uns. Wir vermuteten, dass dieser durch einen Schreck aufgrund eines lauten Knalls verursacht wurde.“

Heike Rudnick, selbst Hundebesitzerin, legt allen Haltern ans Herz, zum Wohle ihrer Schützlinge zu handeln: „Wenn ein Tier so furchtbare Angst hat, dann braucht es um so mehr Schutz und Fürsorge.“

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