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Denkmalstreit in Rostock : Tauziehen um die Heinkel-Mauer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Stadt und Land im Disput um Abriss: Ministerium muss Einvernehmen herstellen. Kulturausschuss setzt sich für Erhalt des Denkmals ein #wirkoennenrichtig

Bleibt sie stehen oder wird sie abgerissen? Noch immer ist das Schicksal der Heinkel-Mauer ungeklärt, denn der Anfang 2015 gestellte Abbruchantrag der unteren Bauaufsichts- und der Denkmalbehörde war beim Landeskulturamt auf Ablehnung gestoßen. Jetzt muss das Ministerium für Infrastruktur in Schwerin Einvernehmen herstellen. „Die Verwaltung hat den Antrag am 30. November 2015 gestellt“, sagt Bauamtsleiterin Ines Gründel auf der jüngsten Kulturausschusssitzung.

Mit der Ablehnung des von der Stadt empfohlenen Abrisses forderte das Landeskulturamt weitere Gutachten bezüglich einer möglichen Erhaltung und Sanierung des Bauwerks. Doch das Ingenieurbüro Inros Lackner zog stets das gleiche Fazit: „Schlechter Bauzustand, insbesondere die Fundamente, Wertverlust der historischen Substanz sowie auch wirtschaftliche Aspekte – eine Sanierung wäre nicht vertretbar“, berichtet Gründel.

Zudem gebe es denkmalpflegerische Hintergründe für einen Abriss: „Die verwendeten Ziegel sind nicht frostbeständig, weshalb ein Großteil der Mauer durch Repliken ersetzt werden müsste“, sagt Michaela Selling, Leiterin der städtischen Denkmalbehörde. Das würde immense Kosten verursachen, ohne dass die Mauer noch die Originale sei.

Die Mitglieder des Kulturausschusses gaben sich im Tauziehen um das 80 Meter lange seit 1993 denkmalgeschützte Relikt des Flugzeugbauunternehmens nicht geschlagen: „Halb Berlin besteht aus Repliken, weil im Krieg alles zerstört wurde“, sagt Fred Mrotzek (CDU). „Klar kostet das Geld, aber die Bevölkerung sieht die Heinkel-Mauer als Wahrzeichen“, so Mrotzek. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, wie Rostock mit seinen Denkmälern umgeht“, meint Kathleen Arndt (Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09).

Ausschuss-Kollege Jobst Mehlan (UFR/FDP) bekräftigt: „Die Identität der Stadt ist mit Geld nicht auszudrücken.“ Kulturamtsleiterin Selling beschwichtigt: „Wir reißen sie ja nicht gerne ab – sonst wären wir ja keine Denkmalpfleger – das ist der letzte Ausweg.“ So habe die Stadt bereits Konsens mit der Wiro als Grundstückseigner geschaffen, im entstehenden Wohngebiet mit Ausstellungen an die Geschichte zu erinnern. „Vielleicht ist es auch möglich, dort Ausschnitte des Originals zu erhalten und zu zeigen“, so Selling. Mit dem Befund aus dem Ministerium rechne sie im Februar, sagt Bauamtsleiterin Gründel. Das sei dann aber noch immer nicht die endgültige Entscheidung zu Abriss oder Erhalt der Heinkel-Mauer.

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