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Rostock : Steuerberater erweitern ihr IT-Wissen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kammer-Präsident Holger Stein: Unternehmer und Behörden müssen bei der Digitalisierung zulegen #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Wer ein Hundefoto bei Facebook postet, sollte wissen, dass über die Bildinformationen sämtliche Daten der Kamera oder des i-Phones mitgeteilt werden und in kurzer Zeit der genaue Wohnort des Hundes ermittelt werden kann. IT-Spezialist Tobias Schrödel, der durch TV-Sendungen bekannt wurde, verblüffte die rund 200 Teilnehmer der 25. Fachtagung „Steuern – Recht – Wirtschaft“ in Rostock-Warnemünde.

In wenigen Sekunden hatte er eine neue Rostocker Telefonnummer aus beliebigen Daten erstellt und rief so getarnt an. Und so wenig sicher wie Telefonnummern sind es auch Passwörter. Aber während ein Passwort aus vier Buchstaben in nicht einmal drei Sekunden geknackt werden kann, benötigt ein Hacker für ein sicheres Passwort mit vielen Sonderzeichen schon mehrere Jahre. Von den 68 Millionen Dropbox-Datensätzen, die derzeit im Darknet angeboten werden, sind zirka 35 Millionen schwach verschlüsselt, schätzte Schrödel.

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft schreitet voran. Vermutlich schneller als die Menschen es sich vorstellen können, erklärte der Präsident der Steuerberaterkammer Mecklenburg-Vorpommern, Holger Stein, zur Eröffnung der 25. Fachtagung. Der Rostocker Steuerberater Stein machte deutlich, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem Spiel steht, wenn IT-Wissen und IT-Technik nicht wie erforderlich angewendet werden. „Die IT-Nutzung zur Steuerung einer Produktion in immer kleineren und individualisierten Margen sowie die Verarbeitung von frei verfügbaren Daten zur Analyse von Kundenverhalten und Marktentwicklung bestimmen heute den unternehmerischen Alltag“, betonte Holger Stein.

Mittelständler müssten sich dringend schnelle Datenkommunikation und Datenanalyse, günstige Internet-Werbung und moderne Verkaufs- und Bezahlmöglichkeiten zu eigen machen. Und auch Steuerberater müssten sich noch stärker der neuen Welt öffnen, damit Bürger und Finanzverwaltung auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren können. In der Realität, so Stein, sei es noch immer schwierig, digitale Kanäle für die Interaktion mit den Finanzbehörden zu nutzen. Das gesicherte Übermitteln von digitalen Belegen ist derzeit nicht gelöst. Eine kleine Verbesserung in der Kommunikation erfolge mit Beginn des Jahres 2018. Dann werde es erstmals möglich, auch freigewählte Texte im Elster-Format zu übertragen.

Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland, kritisierte die Bundesregierung, die Worten nicht Taten habe folgen lassen. „E-Government in Deutschland gibt es de facto nicht“, betonte er. Trotz Milliarden-Ausgaben im IT-Bereich. Etwa 80 Prozent der rund 3000 Verwaltungsprozesse seien nicht digitalisierbar. Zu häufig gebe es beispielsweise Rechtsvorschriften, die ein persönliches Erscheinen beim Amt erforderlich machen. Als eines der bittersten Projekte bezeichnete Holznagel die elektronische Gesundheitskarte. 1,7 Milliarden Euro seien investiert worden und nur Name, Adresse und Bild sind derzeit auslesbar. Aber auch der E-Personalausweis oder die E-Akte hielten bislang nicht, was sie versprachen. Deutschland liege in Europa bei der Digitalisierung insgesamt weit hinten, auf Platz 20. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der Datev eG und Vizepräsident der Steuerberaterkammer Nürnberg, schaute auf der Fachtagung in die Zukunft.

Er stellte die Generation „Online“ mit ihren Wünschen und Bedürfnissen vor. Der Roboter-Anwalt Ross, der bereits juristische Texte lesen und verstehen kann und sich mit jeder Anfrage weiter qualifiziert, verdeutliche die Richtung. Mayr forderte den Berufsstand auf, die Komfortzonen zu verlassen. Die Generation „Online“ sei technikaffin. Daraus ergäben sich neue Chancen und Märkte. Und die persönliche Beratungs-Dienstleistung werde noch wertvoller.



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