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Shorttrack Rostock : Startverbot für Betty und Svea

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nicht bestandener Athletiktest – Verband meldet Rostocker Shorttrackerinnen nicht für das Junioren-Europacup-Finale

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Als Sechste und Achte im Gesamt-Ranking der Altersklasse Ladies Junior D qualifizierten sich die Rostocker Shorttrackerinnen Betty Moeske und Svea Rothe beim abschließenden Wettkampf der Starclass-Serie vom 20. bis 22. Januar in der heimischen Eishalle Schillingallee für das Finale des Junioren-Europacups. Doch die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) will die beiden nicht für den Höhepunkt im belgischen Hasselt (24. bis 26. März) melden, weil sie einzelne Parameter eines Athletiktests nicht erfüllten.

In Rostock löste die Botschaft Fassungslosigkeit aus. Von „Das hat nichts mit Menschlichkeit zu tun“ bis hin zu „riesengroße Sauerei“ lauteten erste spontane Kommentare.

Die Sportlerinnen und ihre Eltern waren perplex. „Für uns ist dies völlig unverständlich“, schreibt Sveas Mutti Claudia Rothe in einem an DESG-Sportdirektor Robert Bartko adressierten Brief. „Die Honoration des Bemühens unserer Kinder und ihrer sehr guten Leistungen soll nun ausbleiben? Shorttrack ist keine Sportart, die die Massen anzieht. Sollte sich die DESG nicht genau deshalb um jedes einzelne Talent bemühen und den Sportlern nicht noch zusätzlich Steine in den Weg legen? Und das Ganze wegen Regularien, die erst seit kurzem eingeführt wurden und deren Umsetzung, gerade im Bereich der D-Junioren, sehr zu wünschen übrig ließ? Eine verpasste Athletiknorm führt nun zum Ausschluss unserer Kinder?“

Auch MV-Landestrainer Arian Nachbar zeigte sich überrascht: „Ich habe das erst vor drei Wochen gehört. Es stimmt, dass irgendwann mal nebenbei davon die Rede war, aber uns liegt nichts Schriftliches vor. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Robert Bartko räumt ein, dass „die Kommunikation zwischen den Partnern künftig besser laufen muss. Die getroffenen Entscheidungen müssen künftig auch schriftlich an die Verantwortlichen weitergegeben werden.“ Der Doppel-Olympiasieger von Sydney 2000 im Bahnradsport betont aber auch: „An der aktuellen Situation ändert das nichts. Die betreffenden Trainer wurden mündlich über den Beschluss informiert. Uns geht es nicht darum, Athleten zu demotivieren, indem wir sie nicht zu den Wettkämpfen schicken.“

Robert Bartko verdeutlicht: „Es muss allen Verantwortlichen bewusst werden, dass nur in diesem Altersbereich bestimmte allgemeine Leistungsvoraussetzungen entwickelt werden können, die im weiteren Prozess des langfristigen Leistungsaufbaus nicht mehr oder nur mit sehr hohem Aufwand realisiert werden können. Aus diesem Grund müssen wir konsequent handeln.“

Der ESV Turbine versuchte zu retten, was zu retten war, und schlug vor, dass Betty und Svea den dreiteiligen Athletiktest am 7. Februar nachholen. Die DESG pochte auf die Deadline 31. Januar. Daraufhin habe sich, so Nachbar, die mehrfache Eisschnelllauf-Weltmeisterin Jenny Wolf angemeldet, um für die DESG in Rostock den Test abzunehmen. Sie hätte aber nur noch den 25. Januar, also drei Tage nach dem Starclass-„Gipfel“, als freien Termin gehabt. Das Ergebnis war vorhersehbar: Die nach dem Wettkampf „platten“ Mädchen schafften eine der geforderten Komponenten (1500-Meter-Lauf in 5:55 Minuten) nicht. Und damit war das Junioren-Europacup-Finale nach Lesart der DESG für die beiden gestorben.

Aber nicht nur für sie. Nochmaliges Zitat aus dem Elternbrief von Claudia Rothe: „Alle vier Sportler (im D2-Bereich betrifft es auch die Dresdnerin Anna Baber und Till Schäfer aus Mannheim – d. Red.) gehören zu den besten in Europa. Es sind die Talente, die die Zukunft des Sports ausmachen können. Sie trainieren mit viel Engagement, stecken ihre ganze Energie in diesen Sport und möchten stolz ihr Land vertreten. Sie haben gekämpft und am Ende die Qualifikation geschafft. Nun müssen wir unseren Kindern erklären, dass ihre Leistungen nicht wertgeschätzt werden? Können Sie es sich leisten, auf diese Talente zu verzichten, weil Sie Ihnen diese Chance auf dem Weg an die Spitze des Sportes versagen?“

Das Rostocker Shorttrack-Lager verweist auf Punkt 3.4.5 der Qualifikationskriterien der DESG. In diesem ist von einer Athletik-Normative nicht die Rede. Wortlaut: „Sofern die Übernachtung und Verpflegung vom Veranstalter übernommen wird, werden die Sportler, die sich für das JEC-Finale qualifizieren konnten, nominiert.“

Der ESV Turbine will auf jeden Fall alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Betty und Svea doch noch in Belgien an den Start zu bringen. Arian Nachbar: „Da es auf Schreiben von Vereinen und Eltern keine Reaktion seitens der DESG gab, sind wir davon ausgegangen, dass die Mädchen damit startberechtigt sind. Deshalb hat unser Verein sie wie üblich über ein
Internet-Portal – als das entsprechende Fenster dort noch offen war – selber angemeldet, wofür uns auch die Bestätigung vorliegt.“

Die Eltern der Rostocker Mädchen kündigten an, zur Not auch nicht davor zurückzuschrecken, eine Einstweilige Anordnung auf den Weg zu bringen. „Wir sind entschlossen, wenn nötig den juristischen Weg zu gehen“, bestätigte Volker Jordan, Vater von Betty Moeske, gegenüber NNN.

Kommentar von Peter Richter: Mir tun die Mädels leid
Unsere Eisschnellläufer und damit also auch die Shorttracker – sagt die DESG – sollen nicht nur auf Schlitt-, sondern auch auf Turnschuhen 1500 Meter schnell rennen können. Im ersten Moment dachte ich: Das ist doch ein Scherz. Das ist ja, als müsste ein Hammerwerfer noch eine Zusatznorm im Zangen- oder Schraubenzieher-Schleudern erbringen, um das mal absurd zu „veranschaulichen“. Inzwischen hat sich mir der Sinn eines Athletiktests erschlossen. Dennoch würde ich mir wünschen, dass er unter den gegebenen Umständen nicht das Zünglein an der Waage ist.   Um den Rückstand zur Weltspitze zu verringern, muss  gerade der Nachwuchs auch von denen partizipieren dürfen, die es besser können. Das geht am besten über internationale Wettkämpfe, so sich denn die hiesigen Talente als befähigt dafür erweisen. Das taten Betty und Svea. Jetzt sind sie Opfer auch von offensichtlichen Übermittlungs- und Kommunikationsmängeln, für die sie nichts können. Es tut mir leid für sie.
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