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Traditionsschiff : Standortfrage keine Ausrede mehr

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kathrin Möller hat mit dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum viel vor – unabhängig davon, ob das Tradi im IGA-Park bleibt oder nicht. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Wenn die Temperaturen derzeit nicht so kalt wären, könnte Kathrin Möller ihre Arbeitspausen auf dem Sonnendeck verbringen. Doch dafür hat die Leiterin des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums im IGA-Park gar keine Zeit. Im September hat sie nach zweieinhalb Jahren an der Spitze des Warnemünder Heimatmuseums das Steuer des Traditionsschiffes übernommen und ist damit zu ihren beruflichen Wurzeln zurückgekehrt. Schließlich hat die Rostockerin einst im Überseehafen gelernt und 17 Jahre lang im Technischen Landesmuseum gearbeitet.


Gastronomie und ein Kinder-Piratenland


Seit ihrem Arbeitsbeginn auf dem Tradi heißt es für die 50-Jährige volle Kraft voraus. „Es geht nicht, dass die Diskussion um den Standort dazu führt, dass hier nichts passiert. Der Investitionsstau ist riesig, deshalb müssen wir unabhängig von der Debatte das Museum weiterentwickeln“, sagt Kathrin Möller, die dafür auch schon zahlreiche Ideen hat. In Kooperation mit dem Rostocker Medienkolleg hat die engagierte Museumsleiterin ein Projekt gestartet und interviewt an Bord Zeitzeugen von Typ-4-Schiffen, so wie auch die „Dresden“ eines ist. „Es gibt traurige und witzige Geschichten, Anekdoten von Reisen, Schmuggelei oder dem Bordhuhn Elfriede.“

Sobald die kleinen Filmsequenzen fertig sind, soll an einer technischen Lösung gearbeitet werden, damit die Besucher beim Rundgang im Museum immer die jeweils passenden Geschichten hören. „Es geht um viel mehr als um Höhe, Länge, Breite – die Menschen wollen das Schiff erleben“, weiß Kathrin Möller. Zumindest sei das der Hauptanreiz für Touristen. Die Hansestädter wollen Kathrin Möller und ihre Crew vor allem mit Sonderschauen begeistern. Und auf lange Sicht auch mit dringend notwendigen Umbauten – „in der Stauung ist seit den 80er-Jahren nichts mehr gemacht worden“. Rund eine Million Euro wäre ihrer Schätzung nach notwendig, um auf den 800 Quadratmetern Fläche eine Ausstellung zur wechselvollen maritimen Geschichte Rostocks von der Hansezeit über das 19. und 20. Jahrhundert zu konzipieren.

Auch für das darüberliegende Deck 3 hat Kathrin Möller große Pläne: „Ich denke da an eine Art Piratenland für Kinder.“ Familien sind eine wichtige Zielgruppe für die Museumsleiterin. „Bisher wurden sie nur mit Sonderausstellungen angesprochen, aber es gehören dauerhaft auch Angebote für Kinder in unser Museum“, sagt die Rostockerin. Auch ein ständiges gastronomisches Angebot sei wünschenswert, weil Besucher laut internen Erhebungen im Schnitt zwei Stunden auf dem Tradi verbringen. „Aber das ist vor allem im Winter für keinen Pächter attraktiv“, sagt Kathrin Möller.

Sie will bis Ende des Jahres eine erste Ideenskizze zur Entwicklung des Museums vorlegen. Die Zeit dafür ist knapp, denn aktuell haben die Chefin und ihre sechs Kollegen viel damit zu tun, die Katalogisierung der Museumssammlung zu vervollständigen – etwa 9000 Objekte und 20 000 Fotos. Außerdem sind Förderanträge für Umbaumaßnahmen zu schreiben, die das Schiff energetisch modernisieren.

Beschlossene Sache ist bereits, dass sich das Tradi nicht mehr an der Museumsnacht beteiligt. „Der Weg ist zu lang. Und nur das Schiff zu besuchen, widerspricht ja dem Prinzip dieser Nacht, sich mehrere Museen anzuschauen“, so Kathrin Möller. Sie plant stattdessen, ihre Einrichtung als Gast in anderen Häusern zu präsentieren.

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