Bürgerprotest : Stadt beauftragt Schleusen-Studie

Machten die Gäste aus Berlin auf die Bedeutung der Schleuse für Wassersportler und Freizeitpaddler aufmerksam: Lutz Richter (v. l.), Ulf-Peter Schlötels, Andrea Schürgut, Karin Költzsch und Ronald Kley.
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Machten die Gäste aus Berlin auf die Bedeutung der Schleuse für Wassersportler und Freizeitpaddler aufmerksam: Lutz Richter (v. l.), Ulf-Peter Schlötels, Andrea Schürgut, Karin Költzsch und Ronald Kley.

Bis November sollen Ergebnisse zur Rentabilität der Anlage am Mühlendamm vorliegen. Bundestagsmitglieder vor Ort. #wirkoennenrichtig

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10. Mai 2017, 12:00 Uhr

Kommt jetzt wieder Bewegung in die Mühlendammschleuse? Die Stadtverwaltung hat gestern eine Machbarkeitsstudie beauftragt, die klären soll, wie es zukünftig am Mühlendamm weitergeht, ob sich eine Öffnung der denkmalgeschützten Schleuse wirtschaftlich rentiert und welche touristische Bedeutung sie hat. Außerdem werden gleichzeitig naturschutz- und wasserrechtliche Rahmenbedingungen für einen ökologischen Schiffsbetrieb auf der Warnow bis nach Schwaan geprüft. Laut Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) wird eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Beteiligten den Prozess begleiten. Im November sollen erste Ergebnisse der 100 000 Euro teuren Studie, deren Kosten neben der Stadt auch Land und Landkreis tragen, vorliegen.

Mehr als 100 Rostocker haben gestern lautstark für die Öffnung der Schleuse demonstriert. Ihre Rufe blieben auch den Mitgliedern vom Petitionsausschuss des Bundestages nicht verborgen, die zu einem Vor-Ort-Termin angereist waren und das „sehr gute Ensemble für erhaltenswert“ erachten, wie Vize-Ausschussvorsitzender Gero Storjohann sagte. Allerdings dürfe der Petitionsausschuss öffentlich keine Empfehlung abgeben.

Aktuell ist der Bund Eigentümer der Schleuse. „Aber es ist kein Geheimnis, dass sich der Bund gern von der kompletten Anlage – Schleuse, Gebäude und großer Garten – trennen würde“, sagt Holger Brydda. Der Leiter der zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Stralsund erläuterte den Gästen aus Berlin gestern noch einmal die Varianten. Bereits vor rund zehn Jahren wurde überlegt, die Schleuse an das Land MV zu übertragen. Sanierungskosten damals: rund 2,4 Millionen Euro. „Ermittelt haben wir die Kosten seitdem nicht mehr, nur geschätzt, aber mittlerweile ist der Zustand der Schleuse viel schlechter und die Baukosten höher“, so Brydda, der nun von rund vier Millionen für Sanierung und Automatisierung der Schleuse ausgeht. Der Bund würde 50 Prozent der Kosten übernehmen. Allerdings ist derzeit offen, wer und zu welchem Teil den Rest finanziert. „Wir als Hansestadt Rostock stehen weiter dazu, eine sanierte und automatisierte Schleuse zu übernehmen und zukünftig zu betreiben. Die Verantwortung zur Sanierung liegt aber wesentlich beim Eigentümer Bund und auch beim Land“, wiederholte gestern Rostocks Senator Chris Müller (SPD).

Komplett bezahlen würde der Bund die Variante, bei der die Schleuse stillgelegt und verfüllt wird. Das soll gleichzeitig dem Hochwasserschutz dienen. Für Wassersportler würde als Ersatz eine Bootsschleppe gebaut. Viele der gestern anwesenden Kanuten und Ruderer nutzten die Gelegenheit und äußerten ihre Kritik an dieser Art der Überführung – von der Dauer des Schleppens bis zum Kraftaufwand reichten die Argumente.

Detlef Krause, Initiator der von rund 11 000 Bürgern unterzeichneten Petition und Vorsitzender des Vereins zum Schleusenerhalt, zeigte sich gestern zufrieden. „Vor allem, weil alle Beteiligten endlich mal an einem Tisch gesessen und sich die Schleuse auch vor Ort angeschaut haben“, sagte er. Und kündigte gleichzeitig an, mit seinen zahlreichen Mitstreitern weiterzukämpfen, sollte die Studie Zweifel an der Rentabilität der Schleuse aufwerfen.

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