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Roland Methling im Interview : So entwickelt sich Rostock bis 2018

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Oberbürgermeister gibt im Interview seine Prognose für die Stadt ab – zu Theater, Bauprojekten, Bürgerbeteiligung und Wachstum. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 08.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Was erwartet Rostock 2017, aus welchen Fehlern von 2016 kann die Stadtverwaltung lernen, wird Bürgerbeteiligung wichtiger und gelingt es Rostock, mehr Wohnungen zu schaffen? NNN-Redakteurin Nicole Pätzold sprach mit dem Stadtoberhaupt Roland Methling (parteilos) im Interview über sein Rostock und was ihm bevorsteht.

Ein kleiner Rückblick zum Einstieg: Was hat Sie dienstlich 2016 geärgert, was hat Sie gefreut.
Methling: Mich hat gefreut, dass wir in der Hansestadt und in der Kommunalpolitik weiter zusammengerückt sind und mehr Verständnis füreinander entwickelt haben.

Das heißt?
Wir haben eine Reihe von Themen zum Wohle der Hansestadt entwickelt. Dazu gehört, dass wir 2018/2019 zu einem ausgeglichenen Haushalt und damit zur vollen Handlungsfähigkeit zurückkehren werden und dass wir eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten auf den Weg bringen konnten.

Was waren die schlechten?
Im vorigen Jahr gab es für mich eigentlich keine wirklich ärgerlichen Momente.

Gar keine?
Das waren alles welche, die ich zum Glück schon vergessen habe. Und: Nein, das Theater gehörte auch nicht dazu.

Nein?
Ich habe mich um das Theater im letzten Jahr nicht allzu sehr gekümmert. Ich habe allerdings zur Bedingung gemacht, dass dann Herr Kümmritz das Haus übernimmt. Und da haben wir uns ja auch nicht vergriffen. Schon vor 20 Jahren hat er gesagt, dass eigentlich Rostock das größere Potenzial als Schwerin hat, gutes Theater zu machen.

Glauben Sie an einen Theaterneubau in den nächsten Jahren? 2023 ist, glaube ich, der letzte Stand…
Ich habe mich immer sehr für einen Neubau eingesetzt. Doch leider liegen noch immer nicht alle Flächen am Bussebart in der Planungshoheit der Stadt. Derzeit arbeiten wir sehr intensiv an der Umsetzung der räumlichen Struktur.

Bleiben Sie denn optimistisch, dass Rostock einen Theaterbau bekommt?
Ja, und ich bleibe dabei: Wenn wir weiter Theater in Rostock haben wollen, dann halte ich einen Neubau für das Allerwichtigste. Leider haben wir während der Intendanz von Herrn Latchinian dafür zwei wertvolle Jahre verloren.

Anderes Thema: Rostock hat jetzt 208 000 Einwohner. Was glauben Sie, wie stark Rostock dieses Jahr wachsen kann?
Ich glaube schon, dass 1000 Einwohner dazukommen werden. Wir erwarten weiterhin eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Unternehmen stocken auf und bauen aus. Ich denke da zum Beispiel an die Neptun-Werft und an Genting. Das ist ein neuer und sehr starker Partner, den wir – sicher auch mit ein bisschen Glück – gefunden haben und der die Werften Mecklenburg-Vorpommerns in einem Segment an die Weltspitze führen kann. Ich denke aber auch daran, dass wir zum Beispiel im Osthafen für fast alle Grundstücke gewerbliche Nutzer gefunden haben.

Das Wachstum hat ja auch ein bisschen die Kehrseite des geringen Leerstandes. Schafft Rostock das, genug Wohnungen zu schaffen?
Das ist die ganz große Aufgabe. Durch den geringen Wohnungsleerstand haben die Wohnungsgesellschaften auch wieder Investitionskraft. Durch unsere kommunale Wiro haben wir Maßstäbe bei der Sanierung gesetzt. Auch wenn die Wiro sich bis 2006 extrem hoch verschuldet hatte, hat sie doch als Trendsetter Maßstäbe gesetzt und alle Wohnungsanbieter in die Pflicht gebracht, ebenfalls zu sanieren. Es gibt in Deutschland nur ganz wenige Städte, die so weit im Wohnungsbestand durchsaniert sind wie wir in Rostock. Da werden wir zu Recht beneidet.

Dennoch gibt es Probleme.
In den letzten zehn Jahren ist der Wohnungsleerstand von zehn auf gerade mal ein Prozent zurückgegangen. Die Trendwende im Wohnungsbau ist zu spät gekommen und das deutsche Baurecht ist sehr kompliziert. Ständig gilt es, neue Hürden zu überwinden. Ich bin da sehr ungeduldig. Aber dennoch ist es nur sehr schwer zu erklären, warum wir für die Aufstellung eines B-Plans in der Thierfelderstraße über acht Jahre brauchen, um zu einem Satzungsbeschluss zu kommen. Da gibt es sehr viele objektive und sicherlich auch subjektive Gründe, aber es dauert einfach viel zu lange! Dass wir uns die Erweiterung von Biestow vorgenommen haben, ist sehr gut. Aber beim Bauen müssen wir schneller werden. Sonst verpassen wir Entwicklungschancen und letztlich Zukunft für Rostock!

In Biestow soll es ja auch Bürgerbeteiligung geben. Wie viel kann man denn mit Bürgern besprechen?
Wichtig ist, dass die Bürgerinnen und Bürger informiert werden, was geschieht und worüber entschieden wird. Neben Informations- und Diskussionsveranstaltungen und einem besonderen Beirat für Biestow sind es insbesondere die Ortsbeiräte, die hier sehr, sehr wertvolle Arbeit leisten. Menschen, die sich auch in ganz besonderer Verantwortung für Rostock fühlen, sollten sich dort auch einbringen. Und alle Fraktionen suchen engagierte Einwohnerinnen und Einwohner zur Mitarbeit in den Ortsbeiräten. Dazu muss man nicht Mitglied einer Partei oder Wählervereinigung sein. Die Entscheidungen werden aber letztlich in der Bürgerschaft getroffen. Dafür haben wir alle die Mitglieder gewählt und sie wägen die Argumente dann im gesamtstädtischen Interesse ab.

Halten Sie es für richtig, dass die Standortfrage zum Traditionsschiff per Bürgerbeteiligung geklärt werden soll?
So, wie wir uns über viele Jahre hier streiten, ist das offensichtlich der einzige Weg, um endlich zu einem Ergebnis zu kommen. Man darf ja nicht vergessen: Wir haben 25 Jahre nach der Wende noch nicht einen einzigen Bürgerentscheid zur Abstimmung gebracht. Und die Frage zur Lage des Traditionsschiffes steht schon seit mindestens 2010 auf der Tagesordnung.

In welchen Vierteln der Stadt wird es 2017 besonders spannend?
Mir ist klar, dass Bauvorhaben nicht immer auf Gegenliebe stoßen, weil damit auch Veränderungen und Belastungen verbunden sind. Aber wir haben die historische Chance, weiter zu wachsen. Wenn wir nicht die Möglichkeiten für Wachstum schaffen, werden wir kaum jungen Familien die notwendigen Chancen geben, in Rostock dauerhaft vor Anker zu gehen. Nicht nur im Petriviertel, auf der Holzhalbinsel, am Warnemünder Werftbahnhof und an der Jugendherberge drehen sich momentan Kräne. Wir wollen an der Nobelstraße und hinter der Satower Straße mit zwei neuen Wohngebieten beginnen. Für das Areal an der Thierfelderstraße wird endlich Baurecht geschaffen. Am Groten Pohl und entlang der August-Bebel-Straße gibt es interessante Entwicklungsmöglichkeiten für die Rostocker Wohnungsgesellschaften. Und wir sind an vielen Stellen in Rostock dabei zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen dort Entwicklungen möglich sind. Ganz besonders freue ich mich auf den Lückenschluss beim Uferweg rund um die Warnow in Höhe des Petridamms.

Bis 2018 sollen einige Projekte abgeschlossen sein: Polarium, Stadthalle, Petritor – wird wirklich alles fertig?
Beim Polarium und der Stadthalle bin ich mir sicher, dass es klappt. Bei anderen Projekten wie dem Petritor, dem Theaterneubau und der Neubebauung der Nordkante des Neuen Marktes werden wir zumindest deutliche Spuren setzen, die die Konturen bereits ausmachen lassen. Wir wollen und werden zeigen, dass die Zeit um den Stadtgeburtstag erneut eine Blütezeit in der acht Jahrhunderte währenden Geschichte unserer Stadt ist.

2019 läuft ihre Amtszeit aus, wollen Sie, können Sie in irgendeiner Form noch mal antreten?
Da müssen wir gucken, welches Wahlrecht 2019 gilt. Aber 14,5 Jahre sind ja auch schon eine ganz schön lange Zeit…

Haben Sie einen Nachfolger im Blick?
Das sollen die Rostockerinnen und Rostocker entscheiden.

 

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