Warnemünder Turmleuchten : Sehnsucht passt perfekt

Hat das Warnemünder Turmleuchten im Blick: Sänger Purple Schulz.
Hat das Warnemünder Turmleuchten im Blick: Sänger Purple Schulz.

Stargast beim Warnemünder Turmleuchten ist der Sänger Purple Schulz. Er arbeitet derzeit auch an einem neuen Album. #wirkoennenrichtig

svz.de von
27. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Für das Warnemünder Turmleuchten hat der Sänger Purple Schulz seinen Song „Sehnsucht“ an das Motto der Veranstaltung und das Neujahrsspektakel angepasst. Vor der Veranstaltung sprach NNN-Redakteurin Maria Pistor mit dem Sänger.

Auf der Bühne ist Purple Schulz für viele ein singender Poeten-Rebell. Viele Lieder ermutigen zur Freiheit, das Leben in vollen Zügen zu genießen und keinen Tag zu verschenken. Woher kommt die Haltung?
Purple Schulz: Also, das mit dem Poeten-Rebell höre ich jetzt zum ersten Mal (lacht). Aber da ist was dran. Wir leben ja in einer Zeit unglaublicher Ablenkung und grassierender Oberflächlichkeit. Vor allem im aktuellen Pop spiegelt sich das wider. Und da sehe ich meine Aufgabe als Künstler darin, den Blick wieder auf das Wesentliche zu lenken. Darum ist auf irgendeine Art und Weise jeder neue Song von mir auch ein Protestsong, wobei die Poesie nicht auf der Strecke bleibt. Aber sie darf kein Selbstzweck sein.

Wodurch lassen Sie sich beim Texten inspirieren? Durch das Leben? Gibt es Themen, die Sie besonders gern angreifen? Und andere, die Sie nicht anfassen?
Die Themen liegen ja quasi auf der Straße. Und es gibt nichts, was ich da aussparen würde. Wenn man, wie ich, mit seinen Liedern etwas in Gang setzen möchte, dann muss man sich auch mal Themen widmen, über die andere nicht sprechen. Da kommt eine unglaubliche Bandbreite zusammen, die man auch musikalisch umsetzen muss. Am Ende steht dann ein Programm, das sehr abwechslungsreich ist. Alles andere würde mich auch langweilen.

Sie texten ja einiges mit Ihrer Frau. Klappt das gut und gibt es da Regeln, wer wie viel einbringen darf?
Ich bin mit meiner Frau Eri schon über 30 Jahre zusammen. Wir wissen, wie wir ticken und ergänzen uns ganz hervorragend. Eri ist dank ihrer präzisen Beobachtungsgabe in der Lage, komplizierte Dinge sehr schnell auf den Punkt zu bringen. Und das kommt unseren Texten sehr zugute, weil sie unmissverständlich sein sollen. Sie war schon immer meine erste Kritikerin, aber nun arbeiten wir auf Augenhöhe.

Ihr Song ,Sehnsucht‘, den Sie 1989 im Rockpalast gesungen haben, wurde zur Hymne Ausreisewilliger. Was haben Sie in dem Zusammenhang erlebt ?
Unzählig viel! Aber am meisten berührt hat mich die Atmosphäre, als ich „Sehnsucht“ 1989 im Palast der Republik gesungen habe. Das war ein besonderer Moment. Ich wusste nämlich bis zu unserer Tour gar nicht, welchen Stellenwert der Song in der damaligen DDR hatte.

Wonach verspüren Sie eigentlich selbst Sehnsucht?
Damit habe ich mich – auch vor dem Hintergrund meines 60. Geburtstags, den ich gerade gefeiert habe – in meinem Buch „Sehnsucht bleibt“ auseinandergesetzt. Was war meine Sehnsucht damals, als ich diesen Song schrieb? Und was ist sie heute? Und wie haben sich all die Jahre auf meine Sehnsüchte ausgewirkt? Das Buch wurde dadurch nicht nur eine Art Biografie, sondern auch ein Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte aus der Purple-Perspektive (lacht).

Was haben Sie am Song „Sehnsucht“ verändert, damit er zum Warnemünder Turmleuchten passt? Und freuen Sie sich darauf?
Ich freue mich sogar sehr auf Warnemünde! „Sehnsucht“ ist für mich auch heute immer noch ein Highlight in meinen Konzerten. Dort spiele ich es total reduziert auf einer Gitarre und einer Mundharmonika. Das geht, weil das sehr leise ist, natürlich nicht auf so einer Großveranstaltung wie dem Turmleuchten. Darum habe ich etwas völlig Neues und Großes aus diesem Song gemacht, ohne die Spannung und Intimität zu verlieren. Er fängt klein an und arbeitet sich dann hoch zu einem umwerfenden Finale. Will sagen: er passt ganz hervorragend zum Feuerwerk. Lassen Sie sich überraschen, so haben Sie ihn noch nie gehört.

Und was haben Sie für Hobbys neben der Musik?
Wenn man einen Beruf hat, der einem Spaß macht, braucht man eigentlich keine Hobbys. Vor allen Dingen habe ich keine Zeit dafür. Aber ich habe jede Menge Interessen. Ich lese manchmal drei Bücher gleichzeitig. Mein Hauptinteresse gilt gesellschaftlichen Entwicklungen und der Zoologie.

Was dürfen wir musikalisch in nächster Zeit von Ihnen erwarten?
Wir sind gerade im Studio und produzieren unser neues Album. Es wird im Frühjahr erscheinen und heißt „Der Sing des Lebens“. Und mit der gleichnamigen Tour komme ich dann am 4. März 2017 nach Rostock in den „Ursprung“, einen meiner Lieblingsclubs. Das Publikum dort ist großartig. Ich liebe diese intime Atmosphäre, man ist da so schön nah an den Leuten. Das ist mir bei meinen Konzerten auch sehr wichtig. Und mit Sicherheit brülle ich dort auch „Ich will raus!“ Drinnen darf man ja nicht mehr rauchen (lacht).


 

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