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Warnemünde : Seekanal soll vertieft werden

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Auf einer Informationsveranstaltung wurde die Anpassung der seewärtigen Zufahrt vorgestellt. Die Anwohner sorgen sich vor dem Lärm #wirkoennenrichtig

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erstellt am 19.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Um in der Zukunft für größere Schiffe gerüstet zu sein, will das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund (WSA) den Seekanal auf 16,50 Meter vertiefen lassen. Ihr Bemessungsschiff dient als Grundlage. Es ist 275 Meter lang, 48 Meter breit und hat einen Tiefgang von 15 Metern.

Seit 2009 arbeitet das WSA an diesem Projekt, hat dafür unter anderem Schall- und Luftschadstoffgutachten anfertigen lassen. Auf einer Informationsveranstaltung im Hotel Neptun wurden gestern die bisherigen Pläne der Öffentlichkeit präsentiert. Drei Varianten wurden erarbeitet, wobei eine als Optimalvariante gehandelt wird. Holger Brydda, Chef vom WSA, und Projektleiterin Ulrike Scherf präsentierten Pläne und stellten sich auch den kritischen Fragen und Sorgen der Bürger. Die größte Sorge, die die Anwohner aus Hohe Düne umtreibt ist die vor dem Lärm der Baggerarbeiten. Auch vor dem Abrutschen des Deiches und dem Wertverfall ihrer Häuser haben sie Angst. Denn das Projekt ist nicht ohne: Es müssen 5,6 Millionen Kubikmeter Baggergut bewegt werden. Schlick und Mulde kommen teilweise auf das Spülfeld Markgrafenheide, der harte Mergel muss in die Ostsee umgelagert werden. Gerade das Entfernen von Mergel wird geräuschintensiv. Vor dem Lärm fürchten sich die Anwohner.

„Was ich aus der Veranstaltung schon mitnehme: Aus Rücksicht werden wir keine Genehmigung zum nächtlichen Baggern beantragen“, versprach Brydda. Wer sich Sorgen um sein Haus macht, kann vor dem Start der Maßnahme ein so genanntes Beweissicherungsverfahren beantragen. Bei diesem wird der Zustand der Häuser begutachtet und im Nachhinein verglichen.

Brydda will auch alle Hinweise ernst und ins Protokoll mit aufnehmen: Etwa den vom ehemaligen Lotsenältermann Konrad Michaelis zur Nautischen Notwendigkeit des Verschiebens der Reede. Oder den bezüglich der veränderten Strömungsverhältnisse. Auch der Biologe Joachim Schmidt, der sich um die Flora-Fauna- und Habitat-Gebiete im Auftrag des Nabu kümmert, wies auf Einschnitte bei der Natur hin.

Gernot Tesch, einer der Geschäftsführer von Rostock Port, sprach auch Vorteile dieser Maßnahme an. „Wir würden als Seehafen wettbewerbsfähiger werden, weil wir größere Tonnagen in größere Schiffe bekommen anstatt mit mehr kleineren zu fahren, gerade beim Getreide“, sagt er. Auch in anderen Bereichen würde die Wettbewerbsfähigkeit ansteigen.

„Es ist nur eine Informationsveranstaltung, es werden alle Hinweise aufgenommen und es folgen weitere Veranstaltungen“, kündigt Brydda an. Wenn alles läuft wie erhofft, könnten die Arbeiten 2020 oder 2021 beginnen. „Die Bauzeit beträgt zwei bis zweieinhalb Jahre“, sagt Projektleiterin Scherf. Das Projekt kostet nach jetzigem Stand 111 Millionen Euro – ohne die eventuell notwendige Anpassung der Reede.

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