zur Navigation springen

Gast in Rostock : Schweizer Pfarrer studiert am Meer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Theologische Fakultät pflegt enge Partnerschaft mit Uni in Zürich. Martin Tschirren legt eine schöpferische Pause vom Alltag ein. #wirkoennenrichtig

Für Martin Tschirren ist es „eine schöpferische Pause zur Reflexion der eigenen Amtspraxis, aber auch ein intensiver Forschungsaufenthalt zur Vertiefung eines Spezialthemas“. Der 50-jährige Schweizer aus dem Kanton Bern ist dort seit 20 Jahren in einem kleinen Bergdorf mit 1000 Einwohnern Pfarrer. Derzeit hat er ein halbes Jahr Studienurlaub genommen und absolviert ein Semester an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock.

„Ich wollte möglichst weit weg von der Heimat, um auch eine innere Distanz zum Umfeld zu erhalten“, sagt Tschirren. Da habe sich Norddeutschland angeboten. Er fährt regelmäßig mit seiner Frau an die Ostseeküste, besucht hier abwechselnd die Inseln Rügen und Usedom. Am Ende sei der Studienort eine Bauchentscheidung gewesen. Er habe sich zwischen Kiel, Greifswald und Rostock schließlich auf die größte Stadt von MV festgelegt. Von der hiesigen Theologischen Fakultät habe er eine so freundliche Antwort bekommen. „Da stand für mich fest, dort gehe ich hin“, sagt Tschirren.

Die Theologische Fakultät Rostock unterhält seit gut zehn Jahren eine enge Partnerschaft mit der Theologischen Fakultät in Zürich. „Wir veranstalten gemeinsame Tagungen, referieren gegenseitig in Zürich und Rostock und wir publizieren gemeinsam“, sagt Thomas Klie, Professor für Praktische Theologie. Da sei es nur logisch, dass dieser intensive Kontakt auch für Pastoren interessant ist. „Mit der Theologischen Fakultät Bern ergeben sich derzeit auch gute Forschungskontakte. Dies ist auch vor dem konfessionellen Hintergrund eine reizvolle Begegnung: die reformierten Schweizer und die lutherischen Norddeutschen“, konstatiert Klie.

Vor seinem Studienurlaub musste der Schweizer Pfarrer der Berner Kirche ein Projekt vorstellen, auf welchem Spezialgebiet er seine Theologischen Kenntnisse vertiefen will. Er setzt seinen Schwerpunkt auf Kasualien. Das sind die Ereignisse, bei denen die Menschen mit Kirche in Berührung kommen können – beispielsweise Taufe, Konfirmation, Trauung und Bestattung. Zu diesen Themen sei die Theologische Fakultät in Rostock sehr gut aufgestellt, sagt Martin Tschirren, der in Bern und den USA Theologie studiert hat.

„Das Verständnis von Kasualien ist ein anderes als bei uns in der Schweiz“, erklärt der Student auf Zeit. Im Kanton Bern werden beispielsweise auch Nicht-Mitglieder der Kirche getauft, getraut, konfirmiert und beerdigt. Die Kirchenmitgliedschaft hänge nicht an der Taufe, sondern an der Geburt. „Dadurch ist man auch ohne Taufe reformiert.“ Martin Tschirren weiß, „Kirche ist auf der Welt auch anders und funktioniert unterschiedlich“. Er sei gespannt, was die Rostocker Eindrücke, die er nahezu aufsauge, mit ihm machen werden. Jede Woche geht er in die Uni-Kirche zum Gottesdienst. „Die Üppigkeit der Bilder in der Kirche fasziniert und irritiert mich zugleich“, sagt der Pastor. „Die Kirchen in der Schweiz sind eher schlicht ausgestattet.“ Dazu gehöre auch, dass er in der Schweiz keinen Talar im Gottesdienst trage, sondern einen Anzug. „Unsere Gottesdienste sind liturgisch weniger strukturiert.“

Bei Tschirrens Rostocker Studienurlaub spielt auch das bevorstehende Lutherjahr eine Rolle. „Dazu besuche ich mehrere Veranstaltungen.“ Zudem will er seine Musikkenntnisse vertiefen, spielt Gitarre und liebt den Jazz. Der Gasthörer macht keinen Hehl daraus, dass er noch einmal das Studentenleben genießt. „Es fühlt sich gut an.“ In Rostock nutzt Martin Tschirren, wie er sagt, das „breite Kulturangebot“, geht regelmäßig ins Kino und Theater.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen