Crashkurs MV : Schock-Bilder sollen wachrütteln

„Man denkt schon anders nach“, sagt Eric Tramm, nachdem Frank Schmoll (l.) und Olaf Deichmann von der Bundespolizei dem Berufsschüler und Klassenkameradin Felicia Vitinger ein Auto gezeigt haben, das bei einem Bahnunfall komplett zerstört wurde. Die Insassen überlebten zum Glück.  Fotos: clla
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„Man denkt schon anders nach“, sagt Eric Tramm, nachdem Frank Schmoll (l.) und Olaf Deichmann von der Bundespolizei dem Berufsschüler und Klassenkameradin Felicia Vitinger ein Auto gezeigt haben, das bei einem Bahnunfall komplett zerstört wurde. Die Insassen überlebten zum Glück. Fotos: clla

Präventionsprojekt Crashkurs MV der Landespolizei zeigt Rostocker Berufsschülern Fotos von Unfällen. Retter erzählen ihre Geschichten #wirkoennenrichtig

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11. Januar 2018, 08:00 Uhr

Die Klaviermusik klingt wie aus einem Liebesfilm – doch die Bilder, die über die Leinwand flimmern, sind schockierender als jeder Horrorstreifen. Und dazu echt. Es ist kein Kunstblut, das da an einem Lenkrad klebt, sondern es stammt von einer jungen Frau, die gerade noch in der Disco tanzte und deren Leben nur kurz danach auf einer Landstraße endete.

Der Schock ist gewollt. Und die Beklemmung über das Gezeigte war den 150 Rostocker Berufsschülern im Atrium der Krusensternschule gestern Mittag anzusehen. „Wir nehmen zum dritten Mal am Crashkurs MV teil, weil es ein Projekt ist, das wirklich nachhaltig wirkt und sein Ziel erreicht“, sagt Bettina Marquardt. Die Sozialpädagogin der Beruflichen Schule Wirtschaft hatte den Projekttag mit den Lehrlingen des dritten Jahres vorbereitet und stand gestern parat, um diejenigen zu betreuen, denen das Gehörte so zusetzte, dass sie den Saal verlassen mussten.

Und das waren einige junge Männer und Frauen. Denn die Rettungskräfte machten ganz deutlich, was zu ihrem Beruf oder Ehrenamt gehört und ihnen trotzdem so nahegeht, dass sie die Erlebnisse selbst teilweise nie vergessen. Viele der Zuhörer kämpften gegen die Tränen, als Notfallseelsorger Stephan Handy erklärte, wie unvorstellbar schwer es sei, Hinterbliebenen die Nachricht über den Tod eines Angehörigen zu überbringen.

Ottmar Saffan gab dieser Geschichte dann noch ein Gesicht. Als Polizist hat er selbst jahrzehntelang Unfälle aufnehmen und nacharbeiten müssen, auch die Benachrichtigung der Angehörigen gehörte zu seiner Tätigkeit bei der Kripo.

Dass er selbst einmal auf der anderen Seite stehen würde, hätte er nie gedacht. Und wird diesen Freitag im Jahr 2009 auch niemals vergessen, als ihm und seiner Frau mitgeteilt wurde, dass ihr lebensfroher Sohn Manuel mit 27 Jahren unverschuldet bei einem Motorradunfall gestorben war. Auf der Maschine des Vaters, bei einer der Freizeit-Touren, die sie zuvor so oft gemeinsam unternommen hatten.

Wie schnell Träume zerplatzen können, wurde am Schluss der Veranstaltung noch einmal mehr als eindringlich deutlich: An einem großen Ballon klebten Zettel, auf die die Berufsschüler ihre Lebensziele geschrieben hatten. Während Polizistin Yvonne Marten diese vorlas – Familie gründen, reisen, Haus bauen, tollen Job finden – knallte es plötzlich. Der Ballon war geplatzt, von einer Sekunde auf die andere alle Wünsche ausgelöscht, so wie das Leben der Unfallopfer.

Um deren Zahl noch weiter zu senken, soll das Crashkurs Projekt der Landespolizei junge Menschen aufrütteln: fahren nur nüchtern, ohne Handy, voll konzentriert, angeschnallt und im Tempo angemessen.

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