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Rostock : Schmarlerin kämpft gegen den Müll

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Regina Redottée geht einmal pro Woche ehrenamtlich mit der Greifzange durch ihren Stadtteil und würde sich über Mitstreiter freuen #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Mit schnellem Schritt läuft Regina Redottée durch das Wohngebiet Stephan-Jantzen-Ring. Ob Glasflaschen, Kaffeebecher, Zigarettenstummel oder Papiertaschentücher – der geübte Blick der Schmarlerin entdeckt sofort den achtlos weggeworfenen Müll auf Bürgersteigen und in den öffentlichen Grünflächen. Seit September 2014 ist sie einmal wöchentlich unterwegs, um zusätzlich zur Stadtreinigung gegen den Dreck im Kleinen anzukämpfen und dadurch den Stadtteil sauber zu halten.

„Viele denken, dass ich dafür bezahlt werde oder dass es eine Strafe ist, aber so ist es nicht“, sagt die 68-Jährige. Vielmehr mache es ihr Freude, an der frischen Luft zu sein und dabei etwas für die Gemeinschaft zu tun. „Als ich in Rente ging, wollte ich etwas zurückgeben. Und der Dreck vor der Haustür und auf den Wegen war offensichtlich“, erinnert sie sich. Als sie den Verantwortlichen im Stadtteilmanagement von ihrer Idee erzählte und die Schmarler zum Mitmachen aufrufen wollte, wären die zuerst skeptisch gewesen. Zumindest was die Suche nach anderen engagierten Bürgern betrifft, sollten die Skeptiker leider recht behalten: Bis heute ist Regina Redottée allein unterwegs.

Mit Handschuhen, Gummistiefeln, Greifzange und Müllsack zieht sie dennoch unermüdlich und wöchentlich los – mit Erlaubnis und Vertrag der Verwaltung, damit sie zumindest versichert ist. Geld fließt keines.

Der Müll, den die ehemalige Buchhalterin aufliest, wird durch das Grünamt immer donnerstags abgeholt. Sammeln darf Regina Redottée nur auf öffentlichen Flächen, aber auch da fällt genug an. „Anfangs hab ich den Müllsack einfach in der Hand getragen, aber das wurde schnell zu schwer.“ Mittlerweile zieht sie den stabilen Beutel an einem Gestell hinter sich her. Gut 70 dieser Beutel füllt sie pro Jahr. „Aber mir ist aufgefallen, dass es weniger wird, was rumliegt“, bilanziert die Schmarlerin. „Auf sauberen Flächen schmeißt man vielleicht nicht so leichtfertig etwas hin.“

Die Reaktionen der Passanten, die sie auf ihren Streifzügen durch den Stadtteil erlebt, seien unterschiedlich. „Die meisten schauen weg. Ich spreche auch niemanden von mir aus an, antworte aber, wenn ich gefragt werde, was ich tue“, sagt die rüstige Rentnerin, die sich auch bei der Pflege des Weidendoms im IGA-Park engagiert. So sei es vorgekommen, dass sich Bürger schon bei ihr bedankt oder auch für das eigene Wegwerfverhalten entschuldigt hätten.

Mit ihrem Engagement möchte Regina Redottée ihre Mitmenschen nicht belehren, eher deren Umweltbewusstsein stärken. Wenn jeder seinen eigenen Müll in den öffentlichen Eimern oder zuhause entsorgen würde, bräuchte es weniger ehrenamtlichen Einsatz. Nichtsdestotrotz würde sie sich Verstärkung wünschen. „Perfekt wäre, wenn es in jedem Wohngebiet jemanden gäbe, denn alles ist kaum zu schaffen.“

Wer Lust und Zeit hat, mit für die Sauberkeit im Stadtteil zu sorgen, der könne sich gerne beim Stadtteilbüro melden, sagt Regina Redottée, bevor sie ihren Rundgang fortsetzt.

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