#wirkoennenrichtig heimat : Schmarler aus Leidenschaft

Rundformen schufen Innenhöfe in Schmarl: Östlich der Bahnstrecke nach Warnemünde begannen im Januar 1975 die Erschließungsarbeiten für die Errichtung des siebten Nachkriegsstadtteils Rostocks. Unweit des Warnowufers, wo im Mittelalter die Hundsburg stand, sollten bis zu 5000 Wohnungen für 18 000 Menschen entstehen. Am 1. Mai 1977 freuten sich die ersten 42 Mieter über ihre Neubauwohnungen. Anders als in den Vorgängerbaugebieten setzten die Architekten auf „raumbildende Grundformen“, also langgestreckte, halbrunde Formen bildende Gebäude, die so Innenhöfe schufen. Typisch waren in Schmarl neben den farbigen Klinkerflächen der Betonplatten vor allem die Maisonette-Dachaufbauten.
2 von 2
Rundformen schufen Innenhöfe in Schmarl: Östlich der Bahnstrecke nach Warnemünde begannen im Januar 1975 die Erschließungsarbeiten für die Errichtung des siebten Nachkriegsstadtteils Rostocks. Unweit des Warnowufers, wo im Mittelalter die Hundsburg stand, sollten bis zu 5000 Wohnungen für 18 000 Menschen entstehen. Am 1. Mai 1977 freuten sich die ersten 42 Mieter über ihre Neubauwohnungen. Anders als in den Vorgängerbaugebieten setzten die Architekten auf „raumbildende Grundformen“, also langgestreckte, halbrunde Formen bildende Gebäude, die so Innenhöfe schufen. Typisch waren in Schmarl neben den farbigen Klinkerflächen der Betonplatten vor allem die Maisonette-Dachaufbauten.

Isolde und Wolfgang Schmidt wohnen seit 1977 in dem Stadtteil und bewahren dessen Geschichte

von
29. April 2017, 15:00 Uhr

Als sie den Zuschlag für die Wohnung in Schmarl bekommen haben, war es ein Segen für Isolde und Wolfgang Schmidt. „Mit drei Kindern war es einfach zu klein geworden, sodass wir überglücklich waren, in einen der neuen Blöcke einziehen zu können“, erzählt Isolde Schmidt. 1977 siedelte das Ehepaar deshalb von Evershagen in den Stephan-Jantzen-Ring um.

„Der Umzug hat nahtlos funktioniert. Unsere Tochter hat gleich einen Schulplatz bekommen und die Kleinen kamen in die Kita“, sagt Isolde Schmidt. Die gute Versorgung sei ein großer Pluspunkt des neuen Stadtteils gewesen. „Es gab fünf Schulen, zwei Kaufhallen, niedergelassene Ärzte und Kneipen“, beschreibt Schmidt. „Und es war nicht weit bis zur Warnow“, ergänzt Ehemann Wolfgang.

Anfangs sei das neue Schmarl bis etwa 1984 noch eine einzige Baustelle gewesen. „Viele erzählen, wie sie mit Gummistiefeln losgegangen sind und dann immer die Schuhe gewechselt haben“, sagt die Rostockerin. Daran könne sie sich nicht erinnern – „wahrscheinlich, weil für mich damals alles so perfekt war, dass ich die negativen Dinge nicht so behalten habe“, mutmaßt die 73-Jährige.


Das Ehepaar stand kurz vor dem Auszug


Bis heute wohnen Wolfgang und Isolde Schmidt noch in derselben Wohnung. An einen Wegzug aus ihrem Schmarl sei nicht zu denken. „Nur einmal, da waren wir kurz davor“, erzählt Wolfgang Schmidt. „Als 2001 unser Haus rekonstruiert werden sollte, haben wir überlegt, raus aufs Land zu ziehen. Aber alles, was es gab, war zu weit weg oder zu teuer“, so der 77-Jährige. Das war ihr großes Glück, denn so blieb Familie Schmidt in Schmarl – bis heute.

„Natürlich ist beispielsweise Lütten Klein belebter, aber es hat eben nicht so schöne Häuser“, sagt Kunstliebhaberin Isolde Schmidt. Die vielen architektonischen Besonderheiten der woanders so tristen Neubaublöcke haben es ihr angetan. „Die Gestaltung der Giebel ist sehr individuell und die Schmarler haben ihnen aussehenstypische Namen wie ,Eulenhäuser‘ gegeben“, weiß die Ortschronistin. Ein Alleinstellungsmerkmal seien zudem die bunten Klinker-Mosaike, die Farbe in die Beton-Landschaft bringen. „Leider wurden einige von ihnen bei Renovierungen einfach überputzt“, bedauert die Rentnerin.


Aktiv als Ortschronisten und Stadtteilführer


Um solche Erinnerungen zu bewahren, engagiert sich das Ehepaar im Arbeitskreis Schmarler Ortschronisten. Gemeinsam bringen sie jährlich einen Kalender mit historischen Fotos heraus, schreiben für die Stadtteil-Zeitung und organisieren Rundgänge. Anhand von Schautafeln führt Wolfgang Schmidt durch seinen Stadtteil, lässt Geschichte wieder aufleben und spricht über neuere Errungenschaften. Sein größter Wunsch: „Das Tradi muss hier bleiben!“. Für den Schmarler gehört das Schiff zu seinem Stadtteil wie der IGA-Park, der Warnowtunnel oder das Haus 12, wo Alt und Jung zusammenkommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen