Pflegemutter in Bereitschaft in Rostock : Sabrina Jansen gibt Kindern Halt

Bis eine Familie für sie gefunden ist, kümmert sich Sabrina Jansen um Emilia.
Bis eine Familie für sie gefunden ist, kümmert sich Sabrina Jansen um Emilia.

Rostocker Bereitschaftspflegemutter springt ein, wenn Eltern ihre Kleinen nicht versorgen können #wirkoennenrichtig

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28. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Sabrina Jansen steht in ihrer Wohnung, die 16 Wochen alte, lächelnde Emilia auf dem Arm. Beide sind gerade vom Babyschwimmen zurück. „Sie liebt es“, sagt Sabrina Jansen und zupft Emilias Mützchen zurecht. Die Rassel liegt auf einer roten Decke auf der Couch. Nachher geht es wieder raus – die beiden holen den fünfjährigen Logan von der Kita ab. Johannes Jansen arbeitet noch. Die Familienidylle ist echt. Aber die Familie ist keine klassische.

Eine Kollegin gab den letzten Anstoß

„Wir sind Pflegeeltern und ich bin Bereitschaftspflegemutter“, sagt Sabrina Jansen. Die 33-Jährige ist gelernte Altenpflegerin. „Ich habe immer viel gearbeitet.“ Irgendwann wuchs der Wunsch nach einem Kind, das das Paar zur Familie macht. „Eine Kollegin meines Mann hat mal gesagt: ,Ich kann mir gut vorstellen, dass du Pflegevater wirst’“, erinnert sich Sabrina Jansen. Das stieß den Gedanken, den beide schon einmal hatten, wieder an. Es passte irgendwie in ihre Biografie. „Ich war auch schon mal Ziehmutter für das Kind von einem Freund.“ Ihr Mann ist gelernter Sozialassistent. Sie informierten sich bei der Caritas, dem Pflegefamilienzentrum der Stadt, machten einen Kurs, der ihre Eignung prüft und Einblick gibt und vermittelt, was auf sie zukommt. „Und dann haben wir unseren Sonnenschein bekommen.“ Logan war damals eindreiviertel Jahr alt. „Seine Eltern lieben ihn, können ihn aber nicht ausreichend versorgen“, sagt Jansen, ihm nicht das an Zuwendung geben, was er braucht. Heute ist Logan fünf Jahre alt, seine leiblichen Eltern sieht er regelmäßig, lebt aber bei Sabrina und Johannes Jansen. Er ist weit für sein Alter, erzählt und fragt viel. Seine Pflegemama hat seit April 2017 einen neuen Beruf: Bereitschaftspflege. Sie bekommt eine Grundpauschale und einen Tagessatz, wenn ein Kind zu ihr kommt – das passiert sehr spontan und ist nur übergangsweise. „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht.“ Und die kam mit Leo – ihrem „Besuchskind“.

Auf diese Bezeichnung haben sich sie, ihr Mann und Logan geeinigt. Der Zweieinhalbjährige hatte ein ganz schönes Päckchen, seine Mutter war krank. „Leo hatte damals keinen Platz. Oft sind solche Kinder sehr haltlos und müssen viel kompensieren“, sagt Sabrina Jansen. Er konnte kaum sprechen. Stattdessen drückte er sich anders aus – schrie, tobte, hat seine Sachen zerrissen. Bei den Jansens blieb er vier Monate und sieben Tage und fand eine erste Stabilität. „Wir haben es geschafft“, sagt sie stolz – kleine Schritte, aber wichtige. Heute lebt Leo bei seinen Großeltern, was kurzfristig besprochen und möglich wurde. „Und sie machen das gut.“ Sabrina Jansen hat noch Kontakt.

Caritas sucht für Emilia eine Familie

Emilia gluckst. Sie liegt mit einer Rassel auf ihrer Decke, mit den Beinchen in der Luft wackelnd. Ihre Bereitschaftspflegemutter hatte sie mit ihrer Familie aus dem Krankenhaus abgeholt. „Ich dachte, ich kann ihr das erste Fläschchen geben“, sagt Sabrina Jansen. Aber nichts da. Das wollten die „Männer“ zu gern machen, ihr Mann und Logan. Emilias leibliche Eltern haben schon mehrere Kinder, sie war nicht geplant. Die Situation ist schwierig. Und so soll die kleine Emilia in eine Dauerpflegefamilie vermittelt werden. Die Caritas ist schon auf der Suche nach Eltern, die zu ihr passen. Bis es soweit ist, bleibt sie bei Sabrina Jansen, macht Babyschwimmen, wird mit dem Kinderwagen herumkutschiert, macht Ausflüge mit anderen Pflegeeltern und -kindern und ist einfach Baby.

Kommentar von Anja Engel: Ein Herz für Kinder
Kindern Liebe und Geborgenheit zu geben, die nicht die eigenen sind, ist bewundernswert und eine Gabe.  Sabrina Jansen und ihr Mann  haben ein großes Herz, denn sie übernehmen die Verantwortung für ein ihnen fremdes Kind. Sie wissen nicht, was sie erwartet, wie das kleine Wesen auf sie und die neue Umgebung reagiert, aber sie zeigen Mut und nehmen die Herausforderung  an. Beruhigend, so kleine hilflose Geschöpfe in schützenden und liebevollen Händen zu wissen.
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