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Design : Rostockerin macht Heime bunter

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

In Handarbeit näht Kathrin Eismann bunte Bekleidung für Pflegemitarbeiter. Die kommt so gut an, dass sie die Selbstständigkeit plant. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Mit geübten Griffen führt Kathrin Eismann den Stoff unter der Nadel entlang. Es braucht nur ein paar Handgriffe, dann ist die Naht fertig. Doch Pause ist keine angesagt: Bei der Rostockerin rattert die Nähmaschine momentan im Dauerbetrieb. Still steht das Gerät nur, wenn die 32-Jährige ein paar Stunden schläft oder wenn sie auf Arbeit ist.


Erste Anfragen schon in der Umkleide


Dort entstand auch die Idee, aus der bald ein Geschäft werden soll: Kathrin Eismann ist Pflegehelferin im DRK-Seniorenheim Evershagen. „Ich bin so ein fröhlicher Typ und kleide mich gerne bunt – nur für die Arbeit habe ich da nichts entsprechendes gefunden“, beschreibt sie die Anfänge. Denn die bekannten Berufsbekleidungs-Oberteile, in der Fachsprache Kasacks genannt, gibt es nur einfarbig. „Also hab ich mir aus Baumwollstoff mit Blumenmuster, den ich noch für Dekozwecke übrig hatte, selber einen Kasack genäht“, sagt die junge Frau, deren Vorliebe für die 50er-Jahre sich sowohl in ihrer Kleidung als auch in der Wohnung widerspiegelt.

Natürlich wurde das in sieben Stunden Handarbeit entstandene Oberteil gleich am nächsten Tag im Seniorenheim angezogen. „Schon in der Umkleide fragten mich die ersten Kolleginnen, wo ich das denn her hätte“, erzählt Kathrin Eismann. Auch die Heimbewohner, viele davon dement, hätten durchweg positiv auf den Farbtupfer reagiert. „Manche, die sonst kaum etwas mitbekommen, haben Reaktionen gezeigt und sogar gesagt, wie hübsch das aussieht“, freut sich die Pflegehelferin.

So kam es, dass sie schon am ersten Tag Anfragen für weitere Kasacks aus dem Kollegenkreis hatte und ihre folgende Urlaubswoche komplett an der Nähmaschine verbrachte. „Vielleicht sind wir damit schon die bunteste Station Deutschlands“, sagt sie und lacht.

Mittlerweile hat Kathrin Eismann ein Gewerbe angemeldet und will noch in diesem Jahr hauptberuflich in die Produktion der Oberbekleidung einsteigen. Potenzielle Kunden gäbe es genug – allein bundesweit sind ihren Recherchen zufolge rund 13 000 Heime zugelassen. Dazu kämen ambulante Pflegedienste und Therapiepraxen. „Nur im Krankenhaus können meine Kasacks nicht getragen werden, da besagen die Hygienevorschriften, dass das Material bei 95 Grad waschbar sein muss und ich habe keine gemusterten Baumwollstoffe gefunden, die das aushalten“, sagt die angehende Unternehmerin.


„Bisschen Fröhlichkeit schadet nicht“


Ein Name war auch schnell gefunden: Happy Kasacks. Schließlich würden ihre Oberteile den Betrachtern ein Lächeln ins Gesicht zaubern „und ein bisschen Fröhlichkeit hat noch niemandem geschadet“. Ob mit Cupcakes, Füchsen, Einhörnern, Schafen oder Cowboys – auf Stoffmärkten, in Läden und im Internet wird die gelernte Kauffrau und Einrichtungsfachberaterin immer wieder fündig. „Klar gibt es sicherlich Kritiker, die die Muster zu kindisch finden, aber bisher waren die Reaktionen immer positiv.“

Aus den Erzählungen der Bewohner weiß die Rostockerin, dass sich die älteren Menschen durch die klassische Berufsbekleidung der Pfleger oftmals ans Krankenhaus erinnert fühlen, obwohl ein Heim das ja eben nicht ist. „Und ich als Mitarbeiter gehe auch lieber zur Arbeit, wenn ich dort etwas tragen kann, was mir gefällt“, sagt Kathrin Eismann.

Sie ist deshalb weiter fleißig dabei, ihre Kollektion zu erweitern und sich Ladenlokale anzuschauen. Alles für ihre Mission, die Pflegeheime als letzte Station vieler älterer Menschen schon optisch zu einem fröhlicheren Ort werden zu lassen.

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