Afrika-Studie : Rostocker Forscherin warnt vor Bienensterben

Mit ihren zwei Feldassistenten bespricht Katharina Stein die Arbeitsaufgaben im Baumwollfeld.
Mit ihren zwei Feldassistenten bespricht Katharina Stein die Arbeitsaufgaben im Baumwollfeld.

Botanikerin studiert vier Jahre lang den Nutzen der Insekten für Sesam- und Baumwollpflanzen in Westafrika und sieht eine globale Bedrohung #wirkoennenrichtig

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06. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Rostocker Forscherin Katharina Stein warnt vor einem weltweiten Bienensterben. „Die globale Bestäuber-Krise betrifft alle Länder dieser Welt“, sagt sie. Bienen seien dabei der wohl wichtigste Faktor: „Die Ernteerträge vieler Nahrungspflanzen hängen von ihnen ab“, erklärt die Botanikerin und Pflanzenökologin.

Vier Jahre lang hat sie in Westafrika die Bedeutung der Insekten für die Ernteerträge von Baumwolle und Sesam geforscht. „Das Land gehört zu den ärmsten der Welt bei gleichzeitig raschem Bevölkerungswachstum“, sagt die 35-Jährige. Deshalb würden natürliche Lebensräume für die Expansion landwirtschaftlicher Flächen geopfert – mit teils katastrophalen Folgen für die Bienen.

„Unsere Studien haben ergeben, dass eine bestimmte Wildbienen-Art zusammen mit Honigbienen die effektivsten Bestäuber von Baumwolle und Sesam sind“, sagt Stein. Mithilfe der Tiere könne die Ernte um bis zu 60 Prozent gesteigert werden. „Ein Verlust der Bienen würde dort Ernteverluste von 37 Prozent bei Baumwolle und 59 Prozent bei Sesam zur Folge haben.“ Weiterhin ergab die Studie, die Stein und Kollegen in der international renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports im Dezember publiziert haben, dass ein Verlust der Bienen ebenfalls die Qualität der Ernte sowie des Saatgutes vermindert. Zusammen mit Professor Eduard Linsenmair von der Universität Würzburg und Kollegen von der Elfenbeinküste wurde eine umfangreiche und einmalige Referenz-Sammlung westafrikanischer Bienen angelegt, die seitdem der Lehre und Forschung dient.

Katharina Stein warnt eindringlich vor dem Aussterben der fleißigen Insekten. Diese liefern nicht nur Honig, sondern bestäuben rund 90 Prozent aller Blütenpflanzen. „Weltweit gibt es etwa 20 000 Bienenarten, in Deutschland rund 600 – also nicht nur die Honigbiene, sondern Wildbienen, an die kaum jemand denkt“, sagt die Forscherin. „Es gibt Studien, die besagen, dass Wildbienen effektivere Bestäuber sind als die Honigbiene.“ Doch die fleißigen Flieger sind in Gefahr. Sie finden bei aufgeräumter Landschaft kaum Nahrung. Stattdessen könnten viele Umweltgifte und neue Krankheiten zu ihrem Aussterben führen. „Ob in der Wüste, in den Tropen oder im Norden, die Bienen sind auf der ganzen Welt bedroht“, mahnt Katharina Stein. Das könnte für die Menschheit dramatische Folgen haben.


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