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Salafismus : Rostocker Expertin taucht in die Szene ein

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nina Käsehage studiert die Entwicklung in Deutschland seit Jahren und engagiert sich für die Deradikalisierung junger Muslime #wirkoennenrichtig

Seit 2012 gibt es in Deutschland eine Hooligenisierung der salafistischen Szene, sagt Nina Käsehage, Historikerin und Religionswissenschaftlerin der Universität Rostock: „Sie ist gewaltbereiter geworden, hat weniger religiöses Wissen gegenüber den puristischen Salafisten und sie ist kompromissloser.“ Käsehage hat über die salafistische Szene in Deutschland promoviert. Dafür führte die Koran-Kundige 175 Interviews mit Salafisten in Europa, 105 in Deutschland. Inzwischen gilt die 38-Jährige als Spezialistin für Salafismus in der Bundesrepublik. Für ihre Forschung begab sie sich in die Szene. „Es bringt mich um den Schlaf, wenn ich erlebe, wie junge Leute aus allen Bildungsschichten in einer Art Trichter durch die Szene laufen und von dort aus in den Dschihad geschickt werden“, sagt die Wissenschaftlerin. Sie lehrt an der Uni Rostock und gibt Seminare zum Salafismus. Ihre praktische Erfahrung will sie in die Forschung einfließen lassen.

Für Forschung und Wissenschaftsdiskurs ergeben sich aus Käsehages Arbeitsschwerpunkt Impulse. Das Phänomen Salafismus bedürfe eines multidimensionalen Zugangs. „Ohne religionsgeschichtliche Tiefenanalyse und kritische religionssystematische Einordnung bleibt der akademische Zugriff auf solche Phänomene oft nur an der Oberfläche“, sagt Prof. Klaus Hock, Inhaber des Lehrstuhls für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie. Bereits während einer Studie zum Islam in Deutschland, die Käsehage zwischen 2011 und 2012 geführt habe, lernte sie junge Muslime kennen, die sich als Salafizisten bezeichneten. „Nicht alle Salafisten, also Menschen, die sich nur an dem orientieren, was im Koran und der Prophetenüberlieferung steht und die jede demokratische Staatsform ablehnen, weil es etwas Menschengemachtes ist, sind Dschihadisten“, so die Wissenschaftlerin. „Letztere möchten in Deutschland einen Gottesstaat etablieren.“ Es dürften nicht alle Salafisten über einen Kamm geschert werden, sonst komme es zu Solidarisierungseffekten nicht gewaltbereiter mit gewaltbereiten Akteuren.

38 ihrer Gesprächspartner wollten nach Syrien ausreisen und sich der radikal-islamischen Front anschließen. Käsehage konnte 35 mit deren Eltern davon abhalten, in den Krieg zu ziehen. Tag und Nacht habe sie argumentiert. Erfolgreich. Drei Männer konnte sie nicht aufhalten. Wenige Zeit später bekam sie Fotos zugespielt, auf denen sie die drei mit zerschossenen Köpfen sehen musste. Käsehage löschte die grausamen Bilder sofort, informierte die Eltern und denkt noch heute an diese schweren Momente.


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erstellt am 18.Apr.2017 | 08:00 Uhr

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