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Ende eines Dauerstreits : Rostock will die „Jantzen“ kaufen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rathaus strebt die Übernahme des Eisbrechers bei einer selbst initiierten Zwangsversteigerung an. Schiff soll wieder erlebbar werden.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Hansestadt Rostock will die „Stephan Jantzen“ übernehmen. Das erklärt Finanzsenator Chris Müller (SPD) in einer Stellungnahme zu einer Anfrage der Grünen. „Durch die Verwaltung wird gegenwärtig eine Entscheidungsvorlage für die Bürgerschaft zum Ankauf erarbeitet“, so Müller. Umgesetzt werden könnte das Vorhaben bei einer Zwangsversteigerung, die von der Hansestadt selbst beantragt wurde. Ursprünglich wollte sie so offene Rechnungen eintreiben, beispielsweise für ausstehende Liegeplatzgebühren. Wann der Deal abgewickelt werden kann, ist noch unklar. Derzeit liegt der Fall beim Rostocker Amtsgericht, das von einem Termin im Frühling oder Sommer ausgeht.

Nach einem Ankauf durch die Stadt könnte die „Stephan Jantzen“ wieder für Besucher geöffnet werden. So sehen es die Pläne des Rostocker Rathauses vor.
Nach einem Ankauf durch die Stadt könnte die „Stephan Jantzen“ wieder für Besucher geöffnet werden. So sehen es die Pläne des Rostocker Rathauses vor. Foto: geos

„Mangels anderweitigen Vermögens der beiden Schuldner in Deutschland ist ein Erwerb des Schiffes die einzige Möglichkeit, die bestehenden offenen Forderungen in Vermögenswerte umzuwandeln, statt sie abschreiben zu müssen“, erklärt Müller. Bei den Schuldnern handelt es sich um den amerikanischen Geschäftsmann Paolo Zampolli und den Heidelberger Kapitän Kai Gunther Lehmann. Beide streiten seit 2012 um den Besitz des Traditionsschiffes. Zuletzt hatte das Landgericht Heidelberg im November 2015 Zampolli den Zuschlag erteilt, wogegen Lehmann beim Oberlandesgericht Karlsruhe vorgehen wollte. Der Heidelberger hatte den Eisbrecher zwischenzeitlich als Yacht „König Ludwig II. von Bayern“ beim Amtsgericht Regensburg registrieren lassen. Jetzt will Rostock das Schiff als Teil seiner maritimen Geschichte erwerben. Bereits nach seiner Indienststellung sei es bis 1990 in der Hansestadt stationiert gewesen, so Müller. Nach einer langen Zwischenstation in Stralsund kehrte die „Stephan Jantzen“ zur Hanse Sail 2009 an die Rostocker Kaikante zurück und blieb seitdem in der Stadt.

Die geht im Falle eines Erwerbs von Folgekosten in Höhe von 3450 Euro pro Jahr für Strom, Wasser, Abwasser und Liegeplatzgebühren aus. Wie teuer der Ankauf selbst wird, ist noch unklar. Nach Angaben von Kai Gunther Lehmann im Internet würden „türkische Schrottbrenner“ bis zu 575 000 Euro bieten wollen – und damit 75 000 Euro mehr als Rostocks Rathausspitze Paolo Zampolli zugesichert habe. Auch ein Nutzungskonzept gibt es noch nicht, dafür aber grobe Vorstellungen, wie es aussehen könnte: „Die Schwerpunkte sollten Besichtigungen des Schiffes, Veranstaltungen an Bord, maritimes Vereinsleben und die Geschichte des Schiffes als Eisbrecher beinhalten“, erklärt Senator Müller. Ihren Liegeplatz soll die „Stephan Jantzen“ weiter im Stadthafen behalten.

Bis zum Ausbruch der Eigentumsstreitigkeiten 2012 hatte eine Interessengemeinschaft das Schiff für Besucher geöffnet. Seitdem jedoch wurde die Instandhaltung weitestgehend vernachlässigt, weswegen „mittelfristig Kosten für Werftarbeiten entstehen, deren Höhe derzeit nicht bezifferbar ist“, so Müller.

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