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Nach Razzia : Rostock verschärft Jugendschutz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Als Folge der Großrazzia im Kosmos appelliert die Verwaltung an Verantwortungsbewusstsein der Eltern und Gewerbetreibenden #wirkoennenrichtig

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erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

100 kontrollierte Diskobesucher, darunter 47 Minderjährige, 23 von ihnen sogar alkoholisiert – so lautete die erschreckende Bilanz einer Großrazzia vor knapp zwei Wochen im Rostocker Kosmos Club. In Konsequenz will die Hansestadt jetzt verstärkt auf Jugendschutzmaßnahmen setzen.

Dazu gehört laut Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) vor allem, das Bewusstsein bei Eltern, Erziehungsbeauftragten und Gewerbetreibenden zu stärken. „Es ist die verdammte Pflicht der Eltern, dafür zu sorgen, dass der Jugendschutz eingehalten wird“, sagt der Senator. Dies gelte auch, wenn Eltern für einen Diskobesuch eine Erziehungsbeauftragung – den so genannten „Muttizettel“ – für ihre Schützlinge ab 16 Jahren ausstellen. „Es muss sichergestellt werden, dass es sich um eine Person handelt, die in der Lage ist, diesen Auftrag zu erfüllen und nicht die 19-jährige Freundin, die zu viel Schnaps trinkt“, so der Senator. Auch der Heimweg müsse abgesichert werden, denn die übertragene Aufsichtspflicht gelte bis zur Haustür.

Den Muttizettel gibt es auf: http://rathaus.rostock.de/sixcms/media.php/1068/Muttizettel.pdf

Bei dem jüngsten Einsatz im Kosmos hatten Polizei und Jugendamt unter den 47 Minderjährigen 27 festgestellt, die nicht einmal einen solchen Muttizettel dabei hatten, informiert Stadtsprecher Ulrich Kunze – also auch keine offiziell erziehungsbeauftragte Person. „Wir haben alle Verstöße analysiert und konkrete Fälle herausgepickt“, sagt Monique Bech, die seit Mitte 2016 als Sachbearbeiterin für Jugendschutz im Rostocker Amt tätig ist. Das seien vor allem Fälle mit besonders erhöhtem Alkoholkonsum oder besonders jungen Diskobesuchern. „Es wird pädagogische Gespräche mit Eltern und Kindern geben“, so Bech. Bei der Razzia habe es Fälle gegeben, bei denen Eltern nicht erreichbar waren, sich wenig einsichtig zeigten oder sich gar weigerten, ihre Kinder abzuholen.

Aufseiten der Diskotheken hofft die Verwaltung augenscheinlich mehr auf Kooperationsbereitschaft, anstatt schärfere Strafen anzusetzen: „Die Veranstalter müssen sich im Klaren darüber sein, dass sie als Gewerbetreibende gewisse Auflagen zu erfüllen haben“, sagt Bockhahn. Darüber hinaus könne die Verwaltung aber nicht viel mehr machen, als an den Verstand und die Moral der Diskobetreiber zu appellieren und weiterhin Kontrollen vorzunehmen. „Wir gehen jedem Hinweis nach, den wir bekommen“, sagt die Rostocker Jugendschutzbeauftragte Bech. Großeinsätze sollen allerdings die Ausnahme bleiben, die nur bei konkreten und zahlreichen Hinweisen gestartet werden, so Senator Bockhahn.

Kommentar "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" von Katrin Zimmer

Dass sich die Stadtverwaltung in Form des Jugendamtes erneut auf die Fahnen geschrieben hat, den Schutz Minderjähriger wieder verstärkt in die Köpfe der Eltern zu bringen, ist löblich. Traurig eigentlich nur, dass es auch nötig zu sein scheint, wenn so viele Heranwachsende offenbar nicht gemäß des Jugendschutzgesetzes erzogen werden oder ohne das Wissen der Eltern in Diskotheken und an Alkohol gelangen.

Fraglich bleibt allerdings, ob die Gewerbetreibenden, die im Endeffekt ja auf ihren Umsatz angewiesen sind, wirklich ach so moralisch agieren und im Gegensatz zum Betreiber des Kosmos den Minderjährigen rigoros den Eintritt verwehren. Natürlich werden die dafür belangt, wenn der ans Licht kommt, aber das muss es eben auch erstmal. Deshalb

 

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