Rostock : Rostock debattiert Klärschlamm

An der Kaikante hinter der Schlachthofstraße soll in einer Verbrennungsanlage (reinmontiert) Klärschlamm zu Phosphor werden. Collage: Klärschlamm-Kooperation MV GmbH
An der Kaikante hinter der Schlachthofstraße soll in einer Verbrennungsanlage (reinmontiert) Klärschlamm zu Phosphor werden. Collage: Klärschlamm-Kooperation MV GmbH

Kooperation aus 15 Kommunen will Verbrennungsanlage an der Kaikante errichten. Gespräche mit der Stadt laufen, Ortsbeiräte sind skeptisch. #wirkoennenrichtig

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07. November 2017, 05:00 Uhr

Die Klärschlamm-Kooperation MV will in Rostock ein Werk errichten. An der Kaikante hinter der Schlachthofstraße soll in einer Verbrennungsanlage aus dem Schlamm aus Kläranlagen Phosphor für Industrie und Landwirtschaft gewonnen werden. Die Hansestadt könne dadurch profitieren, verspricht Ingenieur Ulrich Jacobs von der Kooperation.

Die Wärme, die in der Anlage entstünde, 44 Millionen Kilowattstunden jährlich, „kann ins Rostocker Fernwärmenetz eingespeist werden“. Der grüne Brennstoff ist interessant für die Rostocker Stadtwerke. Gespräche laufen seit Monaten, die Anlage soll auf einem Grundstück der Stadtwerke entstehen. 5000 Tonnen CO2 würden jährlich gespart . „Nur durch dieses Projekt würde Rostock eine der klimafreundlichsten Großstädte Deutschlands“, so Jacobs.

Das Abwasser der Anlage würde in die Rostocker Kläranlage gehen und die stabil hohe Abwassermenge zudem für bessere Preise für die Wasserkunden sorgen. Der Kooperation bleiben 8000 Tonnen Asche – „Phosphor aufkonzentriert“, sagt er. Im Rauchgas würden kritische Schwermetalle abgespalten werden, die müssten detoniert werden. Maximal zwölf Lkw pro Tag würden Klärschlamm antransportieren und zwei Endprodukte wieder ab.

Im Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) hat Jacobs das Projekt bereits vorgestellt. „Ich finde es gut, dass das Thema ,Wohin mit dem Rostocker Klärschlamm?’ endlich besprochen wird“, so Vorsitzende Anette Niemeyer (Rostocker Bund). Ihn nach Hamburg in die Müllverbrennungsanlage zu fahren, sei eine ganz schlechte Lösung. Aber: „Ob die jetzt geplante die beste ist?“ Skeptisch ist auch der Ortsbeirat Gehlsdorf: „Wir haben schlechte Erfahrungen gemacht“, sagte Vertreter Thomas Schommartz und sprach Geruchsbelästigungen durch Müllverbrennungsanlage und Power Oil an. Ebenfalls wachsam: die Beiräte Reutershagen und Schmarl. Auch sie schickten Vertreter in die Sitzung der KTV. Direkte Kritik kommt von der Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung. „Ausgerechnet in Rostock, dem bevölkerungsreichsten Ort in ganz MV, soll die Luftbelastung weiter steigen“, so Vorsitzender Dr. Marcus-Heinrich von Stenglin. Sie schlagen alternative Verfahren vor – wie beispielhaft im Saarland in einer Klärschlamm-Mineralisierungsanlage.

„Weder die Hansestadt noch der Warnow-Wasser- und Abwasserverband (WWAV) haben bisher eine Entscheidung zur Errichtung einer solchen Anlage getroffen“, betont der Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Das Thema Klärschlammbehandlung verpflichte aber aufgrund verschärfter umweltrechtlicher Auflagen zur Suche nach nachhaltigen Lösungen. Kooperation, WWAV und Wasserunternehmen würden zusammen Lösungen suchen. Das Staatliche Landwirtschaftsamt prüft aus umweltfachlicher Sicht. Erst danach würde die Stadt abwägen, so der OB und betont, Rostock habe nicht angestoßen, das Werk hier zu bauen.

Hintergrund

• In MV fallen jährlich 40 000 Tonnen Klärschlamm an.

• Bis spätestens 2029 sind nach Gesetz Klärschlämme thermisch zu behandeln und Phosphor zurückzugewinnen.

• 15 kommunale Körperschaften (auch der WWAV) sind Gesellschafter der Klärschlamm-Kooperation MV.

• Rostock war Ergebnis einer Standortanalyse der Kooperation – unter anderem wegen der Nähe zur Kläranlage und Anbindungsoption ans Fernwärmenetz

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