Spatenstich im Osthafen : Rostock bereinigt DDR-Altlasten

Die Rostocker Architekten Bastmann und Zavracky wollen auf dem Gelände mit direkten Zugang zur Warnow ein Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen errichten.  Grafik: BASTMANN + ZAVRACKY BDA ARCHITEKTEN GMBH
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Die Rostocker Architekten Bastmann und Zavracky wollen auf dem Gelände mit direkten Zugang zur Warnow ein Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen errichten. Grafik: BASTMANN + ZAVRACKY BDA ARCHITEKTEN GMBH

Anstelle des ehemaligen VEB Bitumenverarbeitung entsteht Zentrum für nachhaltiges Bauen. Land investiert 5,2 Millionen in Bodensanierung #wirkoennenrichtig

svz.de von
11. April 2017, 05:00 Uhr

Wo zu DDR-Zeiten noch auf wenig umweltverträgliche Art Dachpappen aus Pech hergestellt wurden, soll ein Zentrum für nachhaltiges Bauen entstehen. Dafür müssen auf dem mehr als 7000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen VEB Bitumenverarbeitung am Petridamm 30 000 Tonnen belastete Erde ausgehoben und ersetzt werden – für 5,2 Millionen Euro.

Das Geld bekommt Rostock aus dem Sondervermögen des Landes zur Sanierung ökologischer Altlasten. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat gestern den ersten Spatenstich in dem Gewerbepark an der Warnow gesetzt. „Wir sind froh, dass wir diesen städtebaulichen Missstand beseitigen können“, sagt Backhaus. Stattdessen werde das neue Zentrum eine Vorreiterrolle für nachhaltiges Bauen erfüllen, so der Minister. „Wo vor 800 Jahren der Grundstein für Rostock gelegt wurde, wird auch heute wieder ein wichtiger Schritt Richtung Zukunft gemacht“, so Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos).

Dass das Gelände so aufwendig saniert wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Während der 60-jährigen Betriebszeit war es durch Brände und Havarien zu extremen Verschmutzungen des Bodens gekommen. Auch der Umgang mit den Materialien glänzte nicht durch Umweltfreundlichkeit: „Auf dem Gelände wurden 42 Behältnisse vorgefunden, in denen verschiedene Produktionsstoffe hinterlassen wurden“, sagt Jean Weiß, Leiter des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt.

Bis Oktober würden jetzt bis in zwölf Metern Tiefe Teeröle aus dem Boden gebracht und dieser mit Kies aufgeschüttet, so Beate Ibiß, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Altlasten MV. Dabei könne es zu unangenehmen Gerüchen kommen, die jedoch nicht gesundheitsgefährdend seien.

Wenn die Erdarbeiten abgeschlossen sind, wird auf dem Campus Altkarlshof ein Bürokomplex mit 130 Arbeitsplätzen erwachsen, darunter das Rostocker Architekturbüro Bastmann und Zavracky. „Hier entstehen 3000 Quadratmeter Bürofläche mit Tiefgarage und Aufenthaltsflächen, die die zukünftigen Mieter gemeinsam nutzen können“, erklärt Architekt Stephan Bastmann. Die Fertigstellung des Zentrums mit naturbelassenem Ufer ist für 2019 anvisiert. Dann soll auch der Fuß- und Radweg vom Kabutzenhof bis nach Gehlsdorf auf Kosten der Investoren lückenlos über das Gelände führen – „ein Dankeschön an die Stadt dafür, dass wir uns hier ansiedeln dürfen“, sagt Bastmann.

Kommentar "Dem Übel an die Wurzel" von Katrin Zimmer

Löblich, dass auf dem verschmutzten Fabrikgelände keine halben Sachen gemacht werden, sondern der verseuchte Boden komplett abgetragen und unschädlich gemacht wird. Denn wie könnten die künftigen Nutzer ruhigen Gewissens nachhaltige Projekte planen, wenn sie wissen, dass sie auf einer tickenden Chemie-Zeitbombe sitzen? Mal ganz davon abgesehen, dass der Schmutz so extrem nah an unserer Trinkwasserversorgung, der Warnow, wirklich nichts zu suchen haben sollte.
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