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#wirkoennenrichtig : Reeper prägten das Stadtbild

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geschichte in Zahlen: Erst 1931 wurde die letzte Bahn abgebrochen

625:

Für 625 Taler sollte die Reiferbahn des verstorbenen Reifermeisters J. J. H. Waak nebst Werkstätte vor dem Steintor im Jahr 1865 verkauft werden. Ein altes Handwerk suchte seinen Nachfolger. Vor dem Steintor lagen immer drei Reiferbahnen von verschiedenen Besitzern in einer Reihe, woran die heutigen Straßen Reiferbahn und Reiferweg in der Steintor-Vorstadt noch erinnern. Die Bahnen waren bis zu 360 Meter lang. Die Anzahl der Rostocker Reiferbahnen belief sich gegen 1865 auf vier größere Meisterbetriebe, während es 1824 in Rostock noch 13 Meister gab. Reiferältester der Stadt Rostock war um diese Zeit Meister Helmuth Ernst Heinrich Mentz.

Reifer und Reper (auch Reeper, ganz früher Repwindere, Repslagere) hieß der niederdeutsche Sprachgebrauch für Seiler, da die Handwerker in den Küstenstädten sehr starke und geteerte Schiffstaue für die unmittelbar vor der Haustür liegenden Schiffe anfertigten. Zu den Produkten gehörten ebenso Waren, die nicht aus dem Alltag wegzudenken waren, wie Stricke, Stränge, Schnüre, Bindfäden und so weiter. Doch nur wenige mittelalterliche Zeugnisse über Reifer oder Seiler sind erhalten.

In Rostock wird 1280 ein Reifer namens Hinricus Repwindere in den ältesten Stadtbüchern erwähnt. Einige Jahre früher, um 1261, gab es in Bremen einen Nicolaus Selslaghere, 1261 und 1265 in Hamburg einen Ricardus Repslegere. Erste Amtsrollen in Norddeutschland datieren von 1375 aus Hamburg, 1387 aus Wismar und 1390 aus Lübeck. Die genaue Entstehungszeit einer Rostocker Amtsrolle ist nicht belegbar. Aber Anfang des 15. Jahrhunderts hatte das Rostocker Amt der „Repere“ für den Schutz der Stadt zehn Bewaffnete zu stellen und noch 1782 zählte das Amt zehn Mitglieder. In Warnemünde hingegen fertigten die Fischer zum Ausbessern der Netze die Garne noch selber. Erst nach 1870 ließ sich hier mit Meister Bollwahn aus Kröpelin der erste „Berufsreifer“ nieder.

Das Material, aus dem Seile gefertigt wurden, war hauptsächlich Hanf und nur für sehr dünne Seile kam auch Flachs (Leinen) infrage. Die natürlichen Bedingungen in Mecklenburg hätten einen einheimischen Hanfanbau wohl zugelassen, jedoch fehlte das spezielle Wissen und auch wirtschaftliche Interesse der Bauern. So wurde vom Spätmittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert hinein Hanf in großen Mengen importiert. Riga und Reval entwickelten sich zu bedeutenden Umschlagplätzen für russischen Hanf. Dagegen sehr wertvoll von der Qualität her, aber wesentlich teurer, waren rheinischer und italienischer Hanf aus dem Süden.

1931 wurde in Rostock die letzte gedeckte Bahn der an der Paulstraße gelegenen Reiferbahn zwischen Alexandrinenstraße und Hermannstraße zugunsten von Promenadenanlagen abgebrochen. Damit verschwand eines der letzten Wahrzeichen des alten Rostocker Handwerks aus dem Stadtbild.

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