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Laubenpieper : Raus aus dem Beton

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

...und rein in die Natur von Uns Fritied. Gartenfreunde öffnen ihre Anlage und erklären ihr Konzept. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Lichtenhäger lieben ihre Kleingartenanlage Uns Fritied am Groß Kleiner Weg. Selber gärtnern liegt im Trend, möglichst ohne Chemie für die eigene Gesundheit. In Rostocks Kleingartenanlagen kommt frisches Gemüse auf den Tisch. „Wir kaufen nur noch Pilze, die muss ich immer mitbringen“, sagt Dieter Specht. Alles andere wird im eigenen Garten angepflanzt, den er mit seiner Frau Brigitte in der Kleingartenanlage Uns Fritied I zwischen Diedrichs- und Lichtenhagen bewirtschaftet.

„Viele unserer Nachbarn leben in einer kleinen anonymen Neubauwohnung und sind froh, dass sie hier ihre grüne Oase an der frischen Luft genießen können“, sagt Brigitte Specht. Sie liebt die Geselligkeit unter Gleichgesinnten, die mit Nachbarschaftshilfe immer zur Hand gehen. „Wir wünschen uns nur mehr junge Leute mit Kindern“, sagt die 64-Jährige. Deshalb würde regelmäßig im Sommer ein Kinderfest organisiert. Inzwischen gäbe es auch einige Migranten, die allerdings noch mit der typisch deutschen Dreidrittellösung des Kleingartenwesens zu kämpfen hätten, erzählt der Vorsitzende Dieter Seifert. Das heißt im Klartext, je ein Drittel Rasen, Blumen und Gemüse. Hier ist Seifert der Chef und als Vorsitzender des Vereins sorgt der 75-Jährige dafür, das alles auch so umgesetzt wird. Denn alle drei Jahre kontrollieren das Amt für Stadtgrün und das Finanzamt die Gegebenheiten, um die Gemeinnützigkeit des Vereins festzustellen. Insbesondere die Bebauung wird von den Damen und Herren aus der Bürokratie akribisch unter die Lupe genommen, denn im Amtsdeutsch darf sich auf jeder der 122 Parzellen nur ein Baukörper befinden. Selbst Geräteschuppen sind nicht zulässig und die Gartenlaube darf mit Überdachung maximal 24 Quadratmeter haben. „Die Zeiten haben sich allerdings geändert, wo man früher mit Hacke, Spaten und Sense klar kam“, sagt Seifert und bemängelt manchen Paragrafen im Bundeskleingartengesetz. Letztendlich möchte niemand in der Laube zwischen Rasenmäher, Heckenschere und dem restlichen Garten-Equipment des 21. Jahrhunderts Kaffee trinken. Wenn man durch die Parzellen wandert, gibt es so einiges zu sehen, was im Laufe der Jahre gebaut und angepflanzt wurde. Der ehemalige DDR-Schick hat neuen Glanz erhalten und wurde mit der Moderne der Baumärkte aufgepeppt. So entstand eine Kleingartenkultur, wo es reichlich zu entdecken gibt. Außer verwilderte Gärten, denn Leerstand ist dort äußerst selten und die Warteliste lang.


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