Nach Schwerin nun Rostock : Rabbi Wolff erneut Ehrenbürger

Großer Moment: Landesrabbiner William Wolff trägt sich in das Ehrenbuch der Stadt Rostock ein. Bundespräsident Joachim Gauck (l.) hielt die Laudatio. Auch Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (r.) und OB Roland Methling (2. v. l.) sprachen.
Großer Moment: Landesrabbiner William Wolff trägt sich in das Ehrenbuch der Stadt Rostock ein. Bundespräsident Joachim Gauck (l.) hielt die Laudatio. Auch Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (r.) und OB Roland Methling (2. v. l.) sprachen.

Rostock spricht vierte Würde nach der Wende aus. Ex-Bundespräsident hält Laudatio. Landesrabbiner bekundet Stolz auf Hansestadt #wirkoennenrichtig

von
12. Juni 2017, 21:00 Uhr

Die Luft im Rathaus scheint elektrisiert. „So ein schöner Anlass“, hauchen Menschen im Festsaal einander zu, während sie sich begrüßen. Es gibt ein großes Hallo der Politik – Ortsbeiräte und Bürgerschaftsvertreter, Mitglieder von Kirche, Universität, Zoo, Hafen, Kliniken. Dann ist es so weit: In Begleitung von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck kommt Landesrabbiner William Wolff herein – völlig unaufgeregt, milde lächelnd schreitet der kleine Mann mit der schwarzen Kippa durch die Reihen.

Gauck attestiert ihm eine „heitere Ernsthaftigkeit“, OB Roland Methling (parteilos) ein großes Herz. „Die Hansestadt Rostock, die Bürger dieser Stadt verneigen sich vor Ihnen“, sagt Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke). Um der Achtung Ausdruck zu geben, hat die Stadt Rostock dem gerade 90 gewordenen Landesrabbiner gestern die Ehrenbürgerschaft verliehen – als viertem nach der Wende. „Ich bin gerührt, sagt Wolff, von der großen Anzahl, in der Sie hier sind, ohne Sie wäre es heute vermutlich ein bisschen einsam gewesen.“

Wolff gehört der Saal, wie so oft. Er bewegt die Menschen mit seiner Leichtigkeit, die er sich bewahrt hat. Was Wolff erlebt habe, erfahren, erlitten, hätte für mehr als ein Leben gereicht, sagt Nitzsche. „Eigentlich war er ja ein Berliner“, erinnerte Gauck. Doch für Willi Wolff ging es ins Exil, mit seiner Mutter nach Amsterdam, sein Vater holte die Familie später nach London, das Zuhause des Rabbiners. „William Wolff wusste spätestens mit 16 Jahren, dass er entweder Journalist oder Rabbiner werden will. Tatsächlich ist er beides geworden.“ Mit 52 Jahren erst begann er das Studium zum Rabbiner. 2002 kam er nach Deutschland zurück – als Landesrabbiner baute er die jüdische Gemeinde mit auf. Seine Glaubwürdigkeit und Menschenliebe hätten ihm den Erfolg gebracht. Wolff sei fest beheimatet im Glauben, das sei wohl der Grund, dass er sich der Welt so öffnen könne, sagte Gauck und lobte auch die Bürgerschaft, die über Partei- und Glaubensfragen hinweg im März die Verleihung der Ehrenbürgerwürde beschlossen hatte. Den Anstoß dazu hatten der Verein Arnold Bernhard zur Förderung der Synagoge und die jüdische Gemeinde gegeben. Schwerin hatte Wolff bereits 2014 das Ehrenbürgerrecht verliehen. Wolff sei ein Brückenbauer – zwischen Religion, Kulturen, Generationen, sagte der OB. „Und ich hatte immer das Gefühl, Sie stehen auf beiden Seiten dieser Brücke – mit offenen Armen und offenem Herzen.“

Und Wolff selbst? Der stellte seinen besonnenen, versöhnlichen Einsatz für eine offene demokratische Gesellschaft ohne Rassismus unter Beweis – genau das, wofür er geehrt wurde. Er erinnerte Rostock daran, was es ist – eine Hafenstadt. Ein Hafen biete Sicherheit, auch all denen, die aus Not, Notwendigkeit oder zur Erholung auf dem Wasser seien. „Das ist der ewige Segen Rostocks, Menschen Lebens- und Überlebenssicherheit zu geben“, sagte Wolff – Lebenskraft und Freude. „Deswegen bin ich auf diese Stadt, seine heutige Geschichte und Gegenwart auch so stolz und auch dankbar für die heutige Ehre.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen