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Gute Vorsätze : Profi-Tipps gegen das Scheitern

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verhaltensexperte weiß, wie gute Vorsätze langfristig gehalten werden können #wirkoennenricht6i

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Das neue Jahr ist noch keine Woche alt. Doch einige haben auch in dieser kurzen Zeit schon mit ihren guten Vorsätzen vom Silvesterabend gebrochen. Zehn Kilo abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, Sport machen – warum solche großen Pläne zum Beginn eines jeden neuen Jahres eigentlich zum Scheitern verurteilt sind und welche Methoden beim Durchhalten helfen, erfuhr NNN-Redakteurin Claudia Labude-Gericke von Professor Peter Kropp. Der psychologische Psychotherapeut für Verhaltenstherapie ist Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Rostock.

Warum brauchen Menschen gute Vorsätze?

Prof. Kropp: Dahinter steckt im Wesentlichen der Wunsch nach einer Verhaltensänderung – und der ist eigentlich unabhängig vom Datum.

Wieso ist dann gerade der Jahreswechsel als Anlass dafür so beliebt?

Ein konkreter Termin ist vielen wichtig, das kann aber neben Silvester auch der Geburtstag oder ein anderes Datum im Lauf eines Jahres sein. So wie Studenten sich zu Beginn ihres Studiums vornehmen, dieses gut zu meistern. Großereignisse wie der Jahreswechsel setzen aber ein Signal, sind ein definierter Start und helfen dabei, formal mit den Veränderungen besser anfangen zu können. Genau das stellt sich dann aber als Problem heraus, weil zwei Tage später der alte Trott wieder einsetzt und die Vorsätze aufgegeben werden. Sie sind quasi von Anfang an zum Scheitern verurteilt, wenn nicht ein paar kleine Dinge beachtet werden...

Und die wären?

Das Problem ist, dass wir uns zu viel vornehmen bei den Vorsätzen, dabei ist das eigentlich gleich ein K.-o.-Kriterium. Wenn ich mir etwas vornehme, dann so, dass ich es auch bewältigen kann – inhaltlich wie auch formal. Also nicht sagen, dass ich zum Beispiel 20 Kilo in drei Monaten verlieren will, das klappt dann eher nicht. Und wenn ich scheitere, führt das zu Frustration und negativer Stimmung. Ich habe viele Patienten, die aufgrund von zu hoch gesteckten Zielen erschöpft und ausgebrannt sind. Das eigene Anspruchsniveau ist bei den Vorsätzen zu hoch, ich muss mir realistische Ziele setzen. Also nicht generell sagen: Ich möchte gesünder leben. Sondern konkrete Änderungsmaßnahmen benennen, zum Beispiel auf den Nachmittagskuchen zu verzichten. Das ist auch ein verhaltenstherapeutisches Standardprogramm – die Methode der kleinen Schritte.

Haben Sie ein Beispiel?

Ich hatte einmal eine Patientin, die sich vornahm, an ihrem freien Tag den ganzen Garten umzugraben. Als sie dann versuchte, das zu schaffen und scheiterte, bekam sie gleich Kopfweh – es war schlicht zu viel. Wir haben dann besprochen, den Garten in Planquadrate einzuteilen, in schaffbare Größenordnungen. Als sie mit dem ersten Abschnitt schnell fertig war, wollte sie gleich weitermachen. Ich habe aber geraten, dass sie sich eine Pause gönnt, nach drinnen geht und Tee trinkt und erst danach weitermacht.

Wieso?

Pausen sind extrem wichtig, wir müssen Pausen machen. Insofern verhalten sich Raucher eigentlich richtig und sind im Vorteil – auch wenn der Anlass der Pause nicht gesundheitsfördernd ist, müssen solche Auszeiten sein. Deshalb plädiere ich für Zigarettenpausen – auch für Nichtraucher. Das ist effektiver als durchzuarbeiten und steigert nachweislich auch die Arbeitsqualität. Dass wir nicht mehr richtig zur Ruhe kommen, ist ein großes Problem unserer Zeit.

Welche guten Vorsätze nimmt sich ein Verhaltensexperte wie Sie?

Bei diesem Thema ist es auch mir natürlich schon vorgekommen, dass ich gescheitert bin, obwohl ich es besser wissen sollte. Da lasse ich den Psychotherapeuten auch gern einmal zur Seite. Mittlerweile ist es aber so, dass ich mich auf konkrete Situationen beschränke und ich mir zum Jahresanfang nichts vornehme. Eben weil ich um den Druck weiß, den man sich damit selber macht.

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