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#wirkoennenrichtig Heimat : Prinzen studierten an der Alma mater

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geschichte in Zahlen: Pommern und Schleswig-Holstein schickten Nachwuchs.

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2017 | 15:00 Uhr

602



Im 602. Jahr des zweiten Jahrtausends studierten Prinzen in Rostock. Anfang des 17. Jahrhunderts planten der pommersche Herzog Bogislaw XIII. aus der Wolgaster Linie und Herzog Johann von Schleswig-Holstein, gemeinsam ihre Söhne Ulrich (geboren am 12. August 1589) und Philipp (geboren am 15. März 1584) auf die Universität Rostock zu geben. Prinz Ulrich reiste im April 1602 nach Rostock und wurde mit Michael Schmalensee, seines Standes ein junger pommerscher Edelmann, in die Matrikel als Scholar (Schüler) eingeschrieben. Im Mai folgte Prinz Philipp von Schleswig-Holstein, der von dem Edelmann Johann Plessen begleitet wurde.

Eine persönliche Begleitung war allgemein üblich und eine äußerst wichtige Angelegenheit, da die Prinzen in einem sehr gut ausgewählten Freundeskreis aufwuchsen.


Persönlicher Präzeptor


Beide junge Prinzen im Alter von 12 und 18 Jahren wurden in Rostock mit besonderer Aufmerksamkeit betreut. Zunächst wurde ihnen mit Dr. Martin Chemnitius (1561-1627), Professor der Jurisprudenz an der Rostocker Universität, ein persönlicher Präzeptor (Hofmeister) beigegeben.

Die weiteren Vorbereitungen für den Einzug der Elite-Studiosi kann man sich folgendermaßen vorstellen: Der Präzeptor hatte geeignete Unterkünfte für die vier jungen Herren einrichten lassen und Instruktionen sowie einen besonderen Unterrichtsplan aufgestellt, welche von den Herzoghäusern in Pommern und Schleswig-Holstein begutachtet wurden.


Grundlagen des Katechismus


An vorderster Stelle stand die religiöse Bildung und Erziehung der jungen Männer. Hauptsächlich handelte es sich um die Grundlagen des Katechismus und die Prinzen wurden angehalten, an jeder öffentlichen Predigt an den „Werkeltagen“ und am Sonntag in Rostocks Kirchen teilzunehmen. In Lehrstücken der christlichen Geschichte wurde jeweils mittwochs und sonnabends unterwiesen und anschließend gemeinsam disputiert, die Teilnahme am gemeinsamen Morgen- und Abendgebet war täglich abzuhalten.

Der Präzeptor hatte den (schädlichen) Einfluss des Kalvinismus von den Prinzen fernzuhalten, da in den Heimatländern nur die Lehre Luthers anerkannt war. In der Rangliste des Lehrplans ganz wichtig, standen das erlernen der Grammatik, was seinerzeit die alte Literatur einschloss und die Sprachen. Hierbei stand Latein in Schreiben und Rhetorik im Vordergrund und genauso die Übersetzung von Latein ins Deutsche und umgekehrt. Selbst in ihrer Freizeit wurden die Prinzen angehalten, Latein zu sprechen: „Denn wie rühmlich und löblich solchs einem Fürsten anstehe, wann dieselbige mittelst göttlicher Verleihung zu mehren Alter gelanget und an andere Örter kommt, (wird er) selbst erfahren“.

Mit der Ausbildung im Deutschen waren bereits Lesen, Rhetorik und Kalligrafie in Hochdeutsch vorgesehen. Einen großen Umfang nahmen im Weiteren die kulturelle Ausbildung und Einhaltung der höfischen Sitten ein, das wiederum lag in der strengen Aufsicht der Hofmeister. Der Umgang mit „gemeinen“ Studenten und Einwohnern der Stadt war im Interesse der Ausbildung untersagt, dagegen wurden entsprechende Achtung und Höflichkeit gegenüber den Professoren gefordert.


Um 21 Uhr war Bettruhe


In den persönlichen Unterkünften sollte Ordnung und Reinlichkeit herrschen, ebenso war es mit der Kleidung zu halten. Damit den Knaben und Herren genug Kraft zum Studieren blieb, ging es abends um 21 Uhr zu Bett und aus den Federn stiegen sie früh um 6 Uhr. Sie sollten auf die übliche Morgensuppe verzichten, da ein voller Magen sich nicht zum fleißigen Studieren eignete.

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