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Rostock : Platz für Gedenken am Werftdreieck

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeitsgruppe bespricht Pläne für Außenstelle des Kulturhistorischen Museums. Experten beraten zur Abtragung der Heinkel-Mauer

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Tausende Rostocker fahren täglich an ihr vorbei, doch für das große Wohnungsbauvorhaben der Wiro am Werftdreieck muss die historische Heinkel-Mauer weichen. „Experten machen sich gerade Gedanken darum, wie es technisch gehen kann, sie so abzutragen, dass es den Verkehr nicht beeinflusst und man die Überreste erhalten kann“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn.

Denn dass Teile der etwa 80 Meter langen, baufälligen Backsteinmauer als Zeitzeugen der Geschichte konserviert werden sollen, steht bereits fest. Wie das passieren kann, wird auch im Rostocker Rathaus thematisiert. „In der zweiten Septemberhälfte trifft sich eine stadtinterne Arbeitsgruppe, die berät, wie wir auf dem Werftdreieck eine Zweigstelle des Kulturhistorischen Museums mit Leben füllen können“, sagt Michaela Selling. Laut der Leiterin des städtischen Kulturamtes sind neben ihr selbst auch Historiker, Denkmalpfleger, Museumsleiter Steffen Stuth sowie Vertreter der Wiro an diesen Gesprächen beteiligt. „Wir nehmen auf jeden Fall aber auch noch fachliche Experten dazu, zum Beispiel vom Förderkreis für Luft und Raumfahrt“, so Selling. Außerdem will sie mit dem Eigentümer des Neptun Einkauf Centers sprechen, ob es Möglichkeiten gibt, die Museums-Außenstelle auf das historische Werftgelände auszudehnen.

Dabei ginge es nicht konkret darum, Flugzeugmodelle von Heinkel auf dem Dach der Markthalle zu zeigen, wie es Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) vorschwebt. „Aber wir haben im Center ja noch einen ungenutzten Dachraum samt Galerie und auch noch Heinkel-Einzelteile – wie eine Tragfläche, die derzeit auf dem Traditionsschiff zur Ausstellung gehört oder ein Rad, das in der Societät liegt. Auch einen Schleudersitz gibt es noch“, sagt die Amtsleiterin. All diese Gegenstände könnten dann an einem Ort zusammengeführt und so inszeniert werden, dass viele Menschen Lust darauf bekommen, sich mit der Geschichte des Flugzeugbauers Heinkel in Rostock näher zu beschäftigen.

Einen konkreten Realisierungszeitraum für die Museums-Zweigstelle, die Rostocks Technikgeschichte thematisiert, dabei aber auch die dunklen Kapitel der Nazizeit nicht auslässt, könne sie aber noch nicht nennen. „Der hängt ja auch vom Baufortschritt auf dem Werftdreieck ab.“ Klar sei aber, dass dieser Teil der Historie Rostocks schon vor der Eröffnung einer Museums-Zweigstelle Thema sein wird. „Denn wir haben ja kommendes Jahr zum Jubiläum eine Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kloster, bei der wir auf jeden Fall in Ausschnitten das Thema Heinkel und Nazi-Vergangenheit, Technikgeschichte und Auswirkungen von technischen Innovationen abbilden werden“, so Michaela Selling. Auf dem bis dahin ausgearbeiteten Ausstellungsmaterial könne dann für die Zweigstelle am Werftdreieck aufgebaut werden.

Kommentar von Claudia Labude-Gericke: Konkurrenz? Ergänzung!
Stadtgeschichte, Kunst, maritimes Erbe – in Rostocks sechs Museen können Einwohner und Touristen viel Spannendes erfahren und bestaunen. Was die Anzahl der Angebote betrifft, hat die Hansestadt noch Luft nach oben. Das beweisen auch die Standortentscheidung für das Archäologische Landesmuseum und die Ideen für ein Maritimes Zentrum am Stadthafen oder eine Außenstelle des Kulturhistorischen Museums am Werftdreieck. Konkurrenz bei den Besucherzahlen scheint nicht zu drohen. Eher ist die Angebotserweiterung und Spezialisierung als Ergänzung zu sehen, die Neugierige anzieht, deren Interessengebiet bisher unbeachtet war.

 

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