#wirkoennenrichtig hafen : Pinguine grüßten aus der Ferne

Feldkampagne für das AWI in der Antarktis Fotos: privat
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Feldkampagne für das AWI in der Antarktis Fotos: privat

Auf der Suche nach günstigen Punkten für Eisbohrungen: Rostocker Seemann unterstützt AWI-Klimaforscher in der Antarktis

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05. April 2017, 12:00 Uhr

In den eisigen Weiten der Antarktis hat auch die Rostocker Reederei F. Laeisz Spuren hinterlassen. In langjähriger Partnerschaft mit dem Alfred-Wegner-Institut (AWI) in Bremerhaven bereedert sie den Forschungseisbrecher „Polarstern“ und organisiert die technische Betreuung der deutschen Antarktis-Stationen „Neumayer“ und „Kohnen“. Der Rostocker Seemann Jens Köhler (52) hatte dort in den vergangenen Jahren sein Tätigkeitsfeld und unterstützt noch heute neben seinen vielfältigen Aufgaben als Seebetriebsrat die so genannten Feldkampagnen der AWI-Forscher.

So war er im Januar und Februar erneut im ewigen Eis unterwegs. Die Reise führte ihn und die weiteren Expeditionsteilnehmer um Prof. Olaf Eisen mit einer IL 76 von Kapstadt zur russischen Station „Nowolasarewskaja“ (Novo), von deren Flugpiste es dann mit einem kleineren Flieger weiter zur deutschen Neumayer-Station ging. Sie ist der Ausgangspunkt zu Voruntersuchungen für Eis- und Sedimentbohrungen, von denen sich die Forscher Aussagen vergangener Klimaprozesse erhoffen, die wiederum Aufschlüsse für bessere Zukunftsprognosen geben. Jens Köhler hatte für die technische und logistische Absicherung der Expedition zu sorgen.

Das Ziel der Expedition war, die günstigsten Stellen für die Bohrungen zu suchen. Mit Pisten-Bullys und weiteren Spezialfahrzeugen ging es vier Wochen hinaus, um Abschnitt um Abschnitt zu vermessen. Zum Konvoi gehört ein Versorgungstrakt mit Wohncontainer, Generator und Tankcontainer. Kernstück bildete ein so genannter Einviro-Vibrator mit einem eineinhalb Kilometer abrollbaren Streamer – ein Fahrzeug, dessen spezielle Technik den Geophysikern seismische Messdaten zur Untersuchung des Untergrunds vermittelt.

Dass alles einsatzklar war und funktionierte, dafür hatte der Rostocker zu sorgen. War etwas defekt, war es zu reparieren. Eine wichtige, aber eintönige Arbeit in den unendlich wirkend weißen Flächen, wo in der Ferne nur Pinguine das Treiben der Forscher beobachteten und lediglich ein Kurzbesuch der 40 Kilometer entfernten Neumayer-Station für Abwechslung sorgt. Der Arbeitstag bei sommerlichen Temperaturen um minus fünf bis zehn Grad endete jeweils mit einem gemeinsamen Abendessen und Gesprächen. Über Satelliten-Telefon wurden Brücken in die Heimat geschlagen. Geschlafen wurde im Wohncontainer oder in einem Zelt.

Als der antarktische Sommer dem Ende zuging, war auch die Arbeit des Feldcamps getan. Die Rückreise dauerte länger als geplant. Bei der russischen Station Novo herrschte Schlechtwetter und Forscher verschiedener Nationalitäten mussten dort gemeinsam einige Tage ausharren, ehe der Rückflug erfolgen konnte.

Daheim warteten bereits Aufgaben des Betriebsrates. Sein Stellvertreter, der Ingenieur Jens Grafe, hatte in seiner Abwesenheit dafür gesorgt, dass die Probleme der Seeleute des Unternehmens nicht auf Eis gelegt werden mussten. Das nächste Feldcamp ist bereits vorbereitet. Im Juli ruft eine weitere Expedition des AWI im Dienst der Klimaforschung in die Gletscherwelt Grönlands und Jens Köhler soll wieder für die technische Betreuung sorgen. Seine Frau Birte-Marie hat für seine Arbeit in den eisigen Welten Verständnis. Dort hatten sich beide übrigens auch einst kennengelernt. Sie ist Geophysikerin und hat ihm voraus, dass sie auch schon auf der Neumayer-Station überwintert hat.

Der gebürtige Rostocker, dessen Hobby übrigens das Segeln beim RSC 92 ist, begann seine seemännische Laufbahn 1981 bei der DSR, war auf Schiffen wie „Altenburg“ und „Peking“ im Einsatz, ehe er seit 1998 für die Reederei Laeisz vom Rostocker Haus der Schifffahrt aus die technische Betreuung der deutschen Antarktis-Station „Kohnen“ organisierte und schließlich selbst in Feldcamps im Einsatz war. 2015 trat er in die Fußstapfen von Peter Geitmann und Manfred Seyer als Seebetriebsrat.

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