Klinikum Südstadt Rostock : Patienten sollen Wäsche selbst mitbringen

Im stationären Bereich wird die Bettwäsche auch im Klinikum Südstadt weiterhin gestellt, bei ambulanten Operationen werden Patienten gebeten, wenn möglich eigene Bezüge mitzubringen.
Im stationären Bereich wird die Bettwäsche auch im Klinikum Südstadt weiterhin gestellt, bei ambulanten Operationen werden Patienten gebeten, wenn möglich eigene Bezüge mitzubringen.

Ambulante OP in der Südstadt: Kommunales Klinikum bittet um Nutzung privater Bettbezüge. Uniklinik regelt das anders

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16. November 2017, 05:00 Uhr

Miriam S.* muss sich am Klinikum Südstadt Rostock einer ambulanten chirurgischen Operation unterziehen. Doch als sie den Patienten-Informationsbogen bekommt, stutzt sie verwundert. Denn bei der Auflistung, was sie zur OP von zu Hause mitbringen soll, steht auch Bettwäsche. „Da frage ich mich doch, wie weit der Sparzwang der Kliniken noch geht und ob das mit der Hygiene nach einer OP vereinbar ist?“, so die Rostockerin gegenüber unserer Zeitung.

„Die Bitte an Patienten, zu einem Termin einer ambulanten Operation nach Möglichkeit eigene Bettwäsche mitzubringen, ist an unserem Hause bereits seit geraumer Zeit etabliert“, erklärt Steffen Vollrath, seit 2016 Verwaltungsleiter des Klinikums Südstadt. Die private Bettwäsche würde aber nicht im OP-Bereich, sondern im Warte- beziehungsweise Aufwachbereich angewendet. „Aufgrund der Besonderheit, dass ambulante Operationen meist nur einen sehr kurzen Zeitraum benötigen und auch der Aufenthalt des Patienten im Aufwachbereich nur wenige Stunden andauert, finden diese in vielen Kliniken in einem separaten Bereich für ambulante Operationen statt“, erklärt der Diplom-Kaufmann weiter.

So ginge es primär auch nicht um finanzielle Einsparungen, die sich nur im kleinen Rahmen bewegen würden, sondern um die Vereinfachung der Abläufe im ambulanten OP-Bereich. Wenn sich Patienten entscheiden, die Klinikwäsche zu nutzen, würde das für die Kranken auch keine zusätzlichen Kosten verursachen. Natürlich habe sich das Klinikum auch mit der Fragestellung der Relevanz für die Krankenhaushygiene beschäftigt: „Das Verfahren der Nutzung patienteneigener Bettwäsche bei ambulanten Operationen entspricht der Richtlinie der Kommission für Krankenhaushygiene und erfüllt die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes“, so Vollrath.

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Es sei zwar immer wünschenswert, im klinischen Bereich durch eine Wäscherei aufbereitete Bettwäsche einzusetzen. „Aber wenn die Eingriffe in nicht sterilen Bereichen des Körpers erfolgen – Gynäkologie, Gastroenterologie zum Beispiel bei Darm- oder Magenspiegelungen – kann eigene Bettwäsche für den Aufwachbereich genutzt werden. Auch bei steril abgedeckten kleinen Wunden ist die persönliche Bettwäsche einsetzbar“, erklärt Dr. Kerstin Neuber von der Abteilung Hygiene und Infektionsschutz beim Gesundheitsamt der Hansestadt. „Bei Nutzung von privater Bettwäsche wird eine Flächendesinfektion des Bettgestelles nach Nutzung durch Patienten durchgeführt. Die Matratzen sind mit aufbereitbaren Matratzenschonern versehen“, erläutert die Expertin die Vorschriften.

Die Verwendung privater Bettwäsche bei ambulanten Operationen sei Vollrath zufolge nicht nur bundesweit, sondern auch in anderen Kliniken Mecklenburg-Vorpommerns verbreitet. In der Rostocker Uniklinik jedoch werde, so eine Sprecherin, darauf verzichtet und nur klinikeigene Bettwäsche verwendet.

*Name geändert

Kommentar “Mit Nachgeschmack“ von Claudia Labude-Gericke

Patienten die eigene Bettwäsche mitbringen und das Aufwach-Bett im Krankenhaus auch selbst beziehen zu lassen, wirkt ungewöhnlich. Klar, dass Betroffene da ironisch fragen, ob sie auch noch das OP-Besteck oder das Narkosemittel besorgen sollen. Dass Kliniken wirtschaften, also sparen müssen, ist aber auch nachvollziehbar. Es ist eben ein Krankenhaus, kein Hotel.

Gerade in Zeiten von Klinikkeimen muss aber die Frage erlaubt sein, ob dieses Prozedere den notwendigen hohen hygienischen Ansprüchen genügt. Da die entsprechenden Kontroll-Stellen das bejahen, bleibt es dabei, dass die Regelung an der Rostocker Südstadt-Klinik wohl nur ein komisches Gefühl, zum Glück aber keine anderen Nachwirkungen hinterlässt.

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