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#wirkoennenrichtig hafen : Ob Mega-Yacht oder Global-Liner

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

DNV GL vor großen Herausforderungen als Partner der MV Werften. Eine Wurzel der Gesellschaft führt 150 Jahre nach Rostock zurück.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 15:00 Uhr

Die Vorkehrungen für das Neubauprogramm der MV Werften laufen auf Hochtouren. In den Vorbereitungen sind zahlreiche Partner der Unternehmensgruppe involviert – so insbesondere auch als renommierter Beratungsdienstleister und Zertifizierer der maritimen Industrie die Klassifikationsgesellschaft DNV GL. Am Hauptsitz Høvik bei Oslo erfolgt die Zulassungsgenehmigung für zwei Schiffe des Global-Projekts. Das sind 342 Meter lange, 45,40 Meter breite und über 200 000 BRZ großen Mega-Kreuzliner, die an allen drei Standorten Wismar, Warnemünde und Stralsund voraussichtlich ab 2018 gebaut werden.

Die MV Werften haben den DNV GL auch mit der Klassifikation der Schiffe der „Endeavor“-Serie beauftragt. Die drei 20 000 BRZ großen Mega-Yachten, die weltgrößten Expeditionsyachten mit Eisklasse, gehören zu den ersten Passagierschiffen weltweit, die nach den neuen Bauvorschriften von DNV GL klassifiziert werden. Sie sollen ab Ende 2017 in Stralsund gebaut und ab 2019 an die US-amerikanische Luxusreederei Crystal Yacht Expedition Cruises abgeliefert werden.

Da sind auch die gegenwärtig zwölf Ingenieure und drei administrativen Kräfte der Rostocker Station des DNV GL voll gefordert. Eine Verstärkung kommt dieser Tage schon hinzu, weitere Kräfte werden folgen, um die Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre zu meistern, berichtet Lothar Hoppe (61), der Stationsleiter des DNV GL in Rostock. Seit 22 Jahren ist der gebürtige Malchiner als Diplom-Ingenieur in der Klassifikationsgesellschaft tätig, die im vor 150 Jahren gegründeten Germanischen Lloyd (GL) eine der Wurzeln hat.

Mit dem Schiffsausrüster Frank Paetow hatte seinerzeit übrigens ein Rostocker die Gründung am 16. März 1867 in Hamburg maßgeblich initiiert. Für einige Jahre war dann Rostock sogar Hauptsitz der Gesellschaft, wo 1870 auch das erste internationale Schiffsregister herausgegeben wurde.

Noch einige Jahre älter ist Det Norske Veritas (DNV), die 1864 als Stiftung gegründete zweite Wurzel der Unternehmensgruppe. Sie fusionierte 2013 mit dem GL zu einer der größten Klassifikationsgesellschaften weltweit und beschäftigt nun etwa 16 000 Mitarbeiter in über 100 Ländern und verschiedenen Geschäftsbereichen. Die Zusammenführung beider Gesellschaften erforderte die Herausbildung eines neuen Wir-Gefühls, erklärt Hoppe. Beide arbeiteten bis dahin nach ihrem speziellen Regelwerk mit unterschiedlichen Instrumentarien und Verfahren. Die Strukturen galt es zu vereinheitlichen, was inzwischen stufenweise umgesetzt und von den Mitarbeitern verinnerlicht wurde. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Abrechnungssystem, das auf gutem Wege ist. Während im Weltschiffbau die Auftragslage wegen der Überkapazitäten von Frachtschiffen insgesamt gesunken ist, auch in Asien der Boom längst vorbei ist, kann der deutsche Schiffbau mit Aufträgen für Passagier- und Spezialschiffe punkten. Insbesondere die Entscheidung der malaysischen Genting-Gruppe, ihre Vorhaben in MV zu verwirklichen, ist ein Glücksfall für alle im Umfeld der heimischen Werftindustrie Beschäftigten. Auch die Rostocker Station des DNV GL verzeichnet volle Auftragsbücher.

Neben den Aufgaben für MV Werften sind die Besichtiger und Zertifizierer auch bei weiteren Unternehmen der maritimen Wirtschaft gefragt. In der Neptun-Werft wurde der Bau der umfangreichen Flusskreuzer-Serie für Viking Cruises begleitet, der inzwischen abgeschlossen ist. Noch steht hier der Sektionsbau für Kreuzliner der Meyer Werft auf dem Programm. Die neuen großen Aida-Schiffe werden aber von der italienischen Klassifikationsgesellschaft, dem Registro Italiano Navale (RINA), zertifiziert. Nebenan wird die Fertigstellung der Plattform von Nordic Yards bis hin zur Inbetriebnahme in der Nordsee begleitet.

Ein großes Arbeitsfeld für den DNV GL bietet voraussichtlich bis Ende 2020 der Bau der Patrouillenboot-Serie der Peene-Werft Wolgast. Das erste Boot wurde abgeliefert, die nächsten beiden folgen. Die Propeller vom Mecklenburger Metallguss sind zu prüfen und ebenso Schiffs- und Offshore-Kräne für Liebherr, in deren Akademie auch die Abnahmen für die Schweißer-Prüfungen gemacht werden.

Neben dem Neubau fordern Prüfungen von Komponenten und Begutachtungen fahrender Schiffe den Einsatz der Ingenieure. Die Arbeitsfelder bilden jeweils etwa ein Drittel des Umsatzes, wobei in den nächsten Jahren der Neubauanteil wachsen dürfte. Flexibilität ist insbesondere bei der Betreuung der fahrenden Schiffe gefragt. Da Rostock ja kein Containerhafen ist, sind es diverse andere Frachter, die hier zu betreuen sind. So auch Fähren der TT-Line bis zum Einbau von Abgaswäschern.

Noch sei ihretwegen keine auch kurzfristig angemeldete fällige Schiffsbesichtigung ausgefallen, konstatiert Hoppe. Er ist zuversichtlich, auch die neuen großen bevorstehenden Herausforderungen mit seinem Team zu meistern.

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