#wirkoennenrichtig hafen : Nun wird mehr Freizeit klariert

46 Jahre Dienst im Hafen: der Schiffsmakler Klaus Zeise
46 Jahre Dienst im Hafen: der Schiffsmakler Klaus Zeise

Der Schiffsmakler Klaus Zeise wurde in der Agentur Baltimar in Bentwisch zünftig verabschiedet.

von
14. Dezember 2016, 15:00 Uhr

Für den Schiffsmakler Klaus-Jürgen Zeise (63) war gestern ein denkwürdiger Tag. Im Kreise von Arbeitskollegen und Geschäftspartnern wurde er im Büro der Agentur Baltimar in Bentwisch zünftig in den Ruhestand verabschiedet. Eine Zäsur nach 46 Jahren Arbeit in der Hafenwirtschaft. Wenn auch am 22. Dezember seine reguläre Dienstzeit endet, wird er aber sein Tätigkeitsfeld noch nicht völlig räumen. In Stoßzeiten und als Urlaubsvertretung will er bei Bedarf seine Kollegen um Gunnar Lüdemann hin und wieder noch weiter als Dienstleister für die Schifffahrt unterstützen, versichert der gebürtige Greifswalder, der seit 1957 in Rostock heimisch ist.


1970 Lehre beim VEB


Der Dienststellenwechsel seines bei der Volksmarine tätigen Vaters führte ihn seinerzeit in die Stadt an der Warnow, wo er zunächst die Herderschule besuchte und 1970 beim VEB Deutsche Schiffsmaklerei die Lehre als Verkehrskaufmann begann.

Ein Großraumbüro im Seehafen, wo sich heute ein Parkplatz der Hero befindet, war damals Sitz einer Dispatcherzentrale und Arbeitsplatz auch für ihn als Schiffsmakler, dessen Aufgabe die Klarierung von Schiffen war. Bis 1990 war der VEB Schiffsmaklerei sein Arbeitgeber. Unter den vielen Frachtern, die in dieser Zeit von ihm zu bedienen waren, zählten auch die DSR-Lehr- und Ausbildungsschiffe „Fichte“ und „Büchner“ und damit auch Begegnungen mit dem legendären DSR-Kapitän Herbert Schickedanz, dessen Hinweise im ostpreußischen Dialekt ihm als „Jungchen“ in besonderer nachhaltiger Erinnerung blieben. Als die Ära des VEB Schiffsmaklerei zu Ende ging, konnte Klaus Zeise bei Transnautic, einem Joint Venture der russischen Sovfracht mit dem Bremer Unternehmen Bernhardt Dettmer, seine Tätigkeit als Dienstleister für die Schifffahrt fortsetzen. Dabei kamen ihm seine russischen Sprachkenntnisse aus der Schulzeit zugute, die er nun im täglichen Gebrauch vervollkommnen konnte. Bis zur Insolvenz des Unternehmens wirkte er hier sieben Jahre lang, wobei die Rückführung der sowjetischen Streitkräfte als auch ranghöhere Militärs, die ihren oft umfangreichen Hausrat verschifften, besondere Höhepunkte bildeten. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei einer Hamburger Firma, fand der Rostocker Schiffsmakler im April 1998 einen festen Ankerplatz bei Baltimar, ein Unternehmen, das im August 1990 als Joint Venture der Hamburger Tankerreederei Essberger und dem damaligen DDR-Außenhandelsunternehmen INTRAC gegründet worden war und heute von der Maklerei United Canal Agency und dem Tanklagerbetreiber Vopak aus Rotterdam getragen wird. Damit wurden der Chemie- und der Ölhafen für den Makler das spezielle Tätigkeitsfeld. Baltimar bedient 75 bis 80 Prozent der im Hafen umgeschlagenen Flüssiggüter


Mit der „Bussewitz“ eine alte Bekannte


Zu den Schiffen gehörten alte Bekannte wie der Gastanker „Bussewitz“ (die spätere BW „Havlys“) mit Kapitän Klaus Fanger , die man bereits aus DSR-Zeiten kannte, was Vertrautheit schaffte. Das Schiff, das eine Pionierrolle im Transport von Ammoniak zum Chemiehafen spielte, ging 2013 in der Türkei den Weg allen alten Eisens, wie auch ein Video bei Youtube veranschaulicht. Die „Temse“ wurde nun zum Stammschiff zur Versorgung der Düngemittelproduktion bei Yara. Inzwischen versorgen auch wieder von der Rostocker Reederei Laeisz gemanagte Gastanker das Werk in Poppendorf, das per Pipeline mit dem Chemiehafen verbunden ist – nach der „Yara Kara“ auch die „Yara Nauma“.

Neben Ammoniak-Importen wird für den Export von Yara Flüssigdünger (AHL) verschifft. Diverse Öl- und Ölprodukte gehören zur Umschlagpalette im Großtanklager Ölhafen Rostock in Peez.
Klaus Zeise hatte in den letzten Jahren speziell auch das Offshore-Geschäft zu betreuen. So wurde der Kabelleger „Aura“ von Rostock aus für die Windparks Baltic I und Baltic II bedient und wird gegenwärtig auch der Kabelleger „CS Sovereign“ für den zwischen Rügen und Bornholm entstehenden Windpark „Wikinger“ mit Proviant und Ausrüstungen zur Unterstützung des Charterers in Mukran versorgt. Zudem stehen Dienstleistungen für die Baltic-Taucher zu Buche. Seit 2003 ist Baltimar für die Hamburger Agentur HC Roever und die Agentur Peter W. Lampke (PWL) auch Subunternehmer für Betreuungsaufgaben der Kreuzfahrtschiffe – 2017 dürften es wieder mehr als 20 Anläufe in Rostock sein, darunter auch ein 324 Meter langer Kreuzfahrtriese.


Bleibt noch aktiv, aber Prioritäten daheim


Die Aufgaben für den Dienstleister Baltimar werden also nicht kleiner und dem Team, zu dem neben den „Alten“ Gunnar Lüdemann und Peter Groebke die Youngster Vivienne Anderson und Felix Pralow gehören, dürfte die Hilfe ihres bisherigen Mitstreiters auch künftig willkommen sein. Klaus Zeise wird die Prioritäten nun aber verstärkt daheim setzen. Da ist der Enkel Willi, dem mehr Zeit gewidmet werden kann, da ist der Garten, in dem es zu tun gibt und da ist die Acryl-Malerei, die sich der Makler als Hobby erschlossen hat. Mit seiner Frau Karin, die im nächsten Jahr den Ruhestand ansteuert, kann er nun auch mehr auf Reisen gehen – ein passendes Rentner-Auto hat er sich gerade erst jüngst dafür aus Wolfsburg geholt. Skandinavien und Südtirol sind zwei der Lieblingsziele. Aber auch Oldtimer-Radeln steht hoch im Kurs. So war Klaus Zeise, zünftig gekleidet, mit seinem aufgemotzten Hercules-Drahtesel auch beim Velo-Classico von Ludwigslust dabei, wie Fotos auf seinem Smartphone veranschaulichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen