Streitpunkt : Neues Toilettenkonzept vorgestellt

33 öffentliche Toilettenanlagen gibt es derzeit in ganz Rostock, eine davon am Uniplatz.
Foto:
33 öffentliche Toilettenanlagen gibt es derzeit in ganz Rostock, eine davon am Uniplatz.

Ortsbeiräte reagieren auf Überarbeitung des Amtes. Sanitäranlagen für touristische Schwerpunkte sowie Hansaviertel, Dierkow und Gehlsdorf. #wirkoennenrichtig

von
06. September 2017, 05:00 Uhr

Zwei Jahre lang hat das Umweltamt seine Bedarfskonzeption überarbeitet. Die Ortsbeiräte hatten sich beschwert, dass öffentliche Toiletten nur in Warnemünde, Markgrafenheide und Stadtmitte eingerichtet werden sollen. Für einige Stadtbereiche wie Dierkow macht das Amt Zugeständnisse, andere gehen leer aus.

„Die Bedarfskonzeption hat sich nicht großartig verändert“, sagt Sven Schmeil, Leiter der Abteilung Wasser und Boden. „Alle Ortsbeiräte waren beteiligt, aus allen kamen Anregungen und Wünsche.“ Die seien aber schlichtweg nicht alle umsetzbar. Das Budget sei nunmal vorgegeben. „3,5 Millionen Euro sind verhältnismäßig begrenzt“, sagt Schmeil und nur für die touristischen Schwerpunkte gedacht.

„Mit welcher Begründung gehört der Doberaner Platz nicht zum touristischen Schwerpunkt?“, hinterfragt Claudia Gielow (UFR) vom Ortsbeirat KTV. Ein Kompromiss, und den sieht auch Eckhard Brickenkamp (Linke), wäre wenigstens am Stadthafen eine Sanitäranlage einzurichten. Der gehöre zwar formal nicht zum Stadtbereich, durch seine Nähe aber praktisch. Für diesen Bereich hat das Umweltamt keine großen Pläne, so Schmeil, weil der Bereich mit dem Rahmenplan Stadthafen noch besser erschlossen werden soll. Der Ortsbeirat der KTV lehnte die Konzeption ab. Der Bedarf sei groß im Viertel, nicht nur weil sich dort Touristen bewegen, sondern auch Rostocker, die sei es nachts nach der Party oder tags, Bedürfnisse haben.

Auch die Bewohner Reutershagens wurden noch nicht bedacht. Sie bekommen laut der Konzeption keine Einrichtung auf dem Markt, der derzeit saniert wird. Allerdings will der Beirat mittels Änderungsantrag bewirken, dass im Zuge der Bauarbeiten immerhin die notwendigen Leitungen gelegt werden, sodass die Möglichkeit besteht, später eine Bedürfnisanstalt nachzurüsten, ohne den Platz erneut aufzureißen.

Große Freude gibt es im Hansaviertel: „Wir hatten die Befürchtung, dass das wieder versandet, aber unsere Wünsche wurden berücksichtigt“, sagt der Ortsbeiratsvorsitzende Karsten Cornelius (SPD). So soll in der Nähe des Kastanienplatzes am Ost- und Westende des Barnstorfer Waldes je ein WC entstehen. Eine weitere Trockentoilette soll direkt am Platz gebaut werden, informiert Ortsamtsleiter Thomas Wiesner.

Wenn die Rostocker Schwerpunktgebiete bis zu den anfänglichen 2020ern versorgt sind, könnte die Bedarfskonzeption ja aber fortgeschrieben werden, schlägt Schmeil vor. Das könnten Ortsbeiräte beantragen und dann könnten Mittel auch in andere Stadtbereiche fließen. „Bis 2022 kriegt man das noch mit den umliegenden Möglichkeiten aufgefangen“, wendet sich Schmeil speziell an die KTV, die sich die Bedürfnisanstalten am Doberaner Platz oder Brink wünschen würde. Dort kreuzen sich diverse Linien des öffentlichen Personennahverkehrs – wie auch am Dierkower Kreuz. Dort gebe es aber im Unterschied zur KTV nicht so viele Gastronomien und somit wird Dierkow in der Konzeption berücksichtigt.

Umgang mit Anträgen, Zahlen und Fakten

  • Dierkower Kreuz: Erhalt des Standortes Dierkower Kreuz wird beabsichtigt.
  • Gartenstadt wird nicht berücksichtigt. „Errichtung und Betrieb einer Sanitäranlage allein für die Besucher der Heimspiele des FC Hansa Rostock ist unverhältnismäßig“, so das Amt.
  • Reutershagen: „Der Bedarf kann durch eine privat betriebene Sanitäranlage gedeckt werden“, so das Amt.
  • Hansaviertel wird berücksichtigt „aufgrund des Charakters eines Naherholungsgebietes “.
  • Gehlsdorf: Der Antrag wird teilweise berücksichtigt, „aufgrund des Charakters eines Naherholungsgebietes“. Aber es sollen ein bis zwei statt geforderter sechs Anlagen errichtet werden.
  • Auf Änderungsantrag von Sybille Bachmann (Rostocker Bund/ Aufbruch 09/ Graue) werde das Amt prüfen, ob mit Privaten Verträge zur Bereitstellung bestehender Sanitäranlagen für eine öffentliche Nutzung getroffen werden können.
  • Aktuell gibt es 33 öffentliche Toilettenanlagen in Rostock, mit zirka 230 000 Nutzern jährlich.
  • Erträge aus Benutzungsentgelten: 74 000 Euro pro Jahr plus Entgelte für verpachtete Anlagen; schriftliche Beschwerden: 25/Jahr
  • Vorhaben: Neubau/Komplettsanierung 3 bis 5 Anlagen pro Jahr bis 2022
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen