Ex-Stasi-Knast : Neuer Anstrich für alte U-Haft

Blick in den Zellentrakt
1 von 5
Blick in den Zellentrakt

Für rund 3,6 Millionen Euro von Land und Bund soll die Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG) in der Hermannstraße saniert werden. #wirkoennenrichtig

svz.de von
23. September 2017, 16:00 Uhr

Winzige Zellen mit kahlen Wänden, in die nur ein spärliches Licht fällt, stundenlange Vernehmungen und nur bei guter Führung eine Stunde an der frischen Luft. Eindrucksvoll zeigt die Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG) in der Hermannstraße, wie die Staatssicherheit in Rostock von 1960 bis 1989 fast 5000 Menschen zermartert hat. Jetzt ist die ehemalige Stasi-U-Haft geschlossen, denn sie soll für 3,6 Millionen Euro, die zu gleichen Teilen von Land und Bund kommen, saniert werden. Die Pläne erstellt derzeit der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL). Im Frühjahr sollen die Ausschreibungen erfolgen, der Baustart möglichst noch 2018.

„Seit der Wende wurden nur Kleinigkeiten gemacht, Stufen gesichert oder Glasbausteine ausgetauscht“, erklärt BBL-Projektleiter Frank Meyer. Jetzt sollen die 50 historischen Zellen originalgetreu wieder hergerichtet werden. „Wir wollen verschiedene Epochen darstellen: zum Beginn, um die 70er Jahre und zum Ende“, sagt Meyer. Von der Wandfarbe, über den Bodenbelag bis zur Innenausstattung – der gesamte Gefängnistrakt soll sein Aussehen behalten, lediglich aufgefrischt werden. Dazu hat der BBL den Rostocker Restaurator Jörg Schröder hinzugezogen und sogar mit Zeitzeugen gesprochen – „Opfern wie Tätern“, so Meyer.

„Wir werden die alte Heizungs- und die Elektroinstallation nutzen“, sagt Meyer. Es würden natürlich alle Brandschutzvorschriften erfüllt und Barrierefreiheit geschaffen. „Der Zugang soll nicht mehr über den Hinterhof erfolgen, sondern von der August-Bebel-Straße aus über den Grünen Weg“, so der BBL-Projektleiter. Abstriche würden bezüglich energetischer Anforderungen gemacht, um den Denkmalcharakter zu erhalten. „Die Fenster bleiben zum Beispiel, wie sie sind. Wir können hier keine Dämmung reinziehen“, unterstreicht Meyer. Auch der graue DDR-Putz bleibe erhalten, selbst ein Anstrich würde ihn verfälschen. Ein entscheidender Vorteil für die Planer: „Fast alle Unterlagen der Baudokumentation sind noch erhalten – kein Wunder bei der Stasi“, witzelt Meyer.

So soll die Wäscherei im Keller wieder hergerichtet und die derzeit unzugänglichen Erstaufnahmezellen im Erdgeschoss wieder freigelegt werden. Auch der von meterhohen Betonwänden umrahmte, etwa 20 Quadratmeter große Freihof soll saniert, Stacheldrähte und Trennmauern wieder gezogen werden. „Es ist ein wirklich beklemmendes Gefühl, wenn man da unten drin steht“, sagt der BBL-Projektleiter.

Wenn gute Angebote kämen, könnte im Sommer Baubeginn sein. Angesichts der Auslastung der Baufirmen im Land sehe er den aber nicht in 2018, so Meyer. Wann die Nutzer – der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) und die Uni Rostock – wieder einziehen können, steht also noch nicht fest. Ob Letztere die Räume überhaupt wieder nutzen wird, stehe noch zur Disposition, so Meyer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen