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Kartoffelzucht Groß Lüsewitz : Neue Knollensorten brauchen Zeit

vom
Aus der Onlineredaktion

In Groß Lüsewitz züchtet und vermehrt die Firma Norika Kartoffeln. Von der Kreuzung bis zur Zulassung der Baltic Rose dauerte es elf Jahre. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Baltic Rose, Linus und Triton – auf diese klangvollen Namen hört nicht etwa der neueste tierische Nachwuchs im Zoo und es sind auch nicht die Namen von imposanten Kreuzfahrtschiffen. Nein, die Bezeichnungen stehen für die neuesten Kartoffelsorten, die die Forscher und Mitarbeiter der Firma Norika gezüchtet haben. „Diese drei Sorten wurden jetzt zugelassen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Walter. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich das Unternehmen aus Groß Lüsewitz mit der Kartoffelzucht und Vermehrung, bringt neue Sorten auf den Markt, die den geänderten Umweltbedingungen und besonderen Anforderungen wie Hitze oder Trockenheit im Ausland angepasst und gegen Schädlinge resistent sind. Doch bis es eine neue Sorte tatsächlich auf die Teller der Verbraucher schafft, ist es ein langer Weg. Allein bei Baltic Rose hat es von der Kreuzung bis zur Zulassung elf Jahre gedauert. „Kartoffelzucht braucht Durchhaltevermögen“, weiß Walter.

Die Geduld zahlt sich aus. Heute werden die in Groß Lüsewitz gezüchteten Knollen wie Adretta, Gala, Soraya oder Goldmarie nicht nur in Deutschland angebaut und verkauft, das Unternehmen exportiert weltweit in 42 Länder. Der Anteil liegt bei 30 Prozent. Geliefert wird beispielsweise nach Polen, Russland, Kroatien oder Tschechien, aber auch nach Ägypten, Israel oder Spanien. Pro Jahr werden etwa 70 000 Tonnen Kartoffeln auf 3000 Hektar Ackerfläche rund um Sanitz, Kröpelin, Lindenhof bei Demmin, Greifswald, Rügen sowie Schwerin angebaut.

„Insgesamt haben wir etwa 60 Sorten. Diese verteilen sich auf die Bereiche Speise-, Chips-, Pommes frites-, Troka-, also Trockenkartoffeln, aus denen Granulat und dergleichen hergestellt wird für Pürees beispielsweise, und Stärkekartoffeln“, erklärt der Geschäftsführer von Norika, das sich deutschlandweit zum zweitgrößten Kartoffelzüchter entwickelt hat. „Wir versuchen, die Sortenanzahl konstant zu halten“, so Walter. Daher werden auch immer wieder Kartoffeln aus dem Sortiment genommen. „Das sind dann Sorten, die an Bedeutung verloren haben, nicht mehr nachgefragt werden“, erklärt der 57-Jährige.

Diese Marktbereinigung schafft Platz für neue Sorten, wie jetzt für Linus und Co. Während die Sorte Linus gezüchtet wurde, um aus ihr Pommes frites herzustellen, zeichnet sich Triton vor allem durch die Resistenz gegen den Erdwurm aus. Denn zu den Bereichen der Züchtung gehört neben der Erzeugung von so genanntem Elternmaterial und der Sortenzüchtung auch die Erhaltszüchtung. „Das bedeutet, dass wir natürlich versuchen, auch immer krankheitsfreies Material zu erzeugen“, erklärt Walter.

Als Speisekartoffel haben die Norika-Forscher die Baltic Rose gezüchtet. „Sie ist vorwiegend festkochend, kräftig im Geschmack und hat eine rote Schale und intensives gelbes Fleisch, das sich wenig verfärbt“, beschreibt Bernd Truberg die Eigenschaften der „Neuen“. Der Kartoffelzüchter hat auch an der Kreation von Baltic Rose mitgearbeitet. Insgesamt hat er bereits etwa 20 neue Sorten gezüchtet. Bis es die neue Kartoffel aber auch im Geschäft zu kaufen geben wird, wird es bestimmt noch ein paar Jahre dauern. „Sie wird jetzt von etwa acht Landwirtschaftsbetrieben erst einmal nur in einem Zentner-Volumen in einem ackerbaulichen Versuch angebaut. In ein, zwei Jahren wissen wir dann schon mehr“, blickt Wolfgang Walter voraus.

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