DDR-Konditorei : Nachfolger dringend gesucht

Noch bis Ende April 2018 betreibt Ute Baumann mit Ehemann Norbert die Konditorei in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die Kunden lieben die handgemachten Backwaren nach originalen DDR-Rezepten. Fotos: Katrin Zimmer
Noch bis Ende April 2018 betreibt Ute Baumann mit Ehemann Norbert die Konditorei in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die Kunden lieben die handgemachten Backwaren nach originalen DDR-Rezepten. Fotos: Katrin Zimmer

Ehepaar Baumann geht in Rente. Geschäft im Patriotischen Weg soll weiter Backwaren anbieten. Bisher nur wenige Anwärter. #wirkoennenrichtig

svz.de von
05. September 2017, 12:00 Uhr

„Nachfolger für die Konditorei ab 2018 gesucht“, steht auf dem Papier in Tortenform, das im Schaufenster im Patriotischen Weg, Ecke Haedgestraße hängt. Seit 1980 betreiben Ute und Norbert Baumann das Geschäft, haben viele Stammkunden, die die handgemachten Backwaren nach originalen DDR-Rezepten schätzen. Wenn sie ab April in Rente gehen, wollen die Rostocker den Laden einem Nachfolger übergeben. Doch die Suche läuft schleppend.

„Wir hatten im Januar mal Interessenten da, die haben sich seitdem aber nicht mehr gemeldet“, sagt Ute Baumann. Seit letzter Woche habe sie deshalb den Aufruf ins Fenster gehängt – mit ersten Reaktionen: „Eine Frau wollte einen Bekannten fragen, der Konditor ist. Und vor ein paar Tagen war ein junger Mann da und hat sich alles angesehen. Jetzt müssen wir abwarten“, sagt die Rostockerin.

Im Schaufenster inserieren die Konditoren per Aushang und setzen auf Mundpropaganda.
Im Schaufenster inserieren die Konditoren per Aushang und setzen auf Mundpropaganda.
 

Dass das 87 Quadratmeter große Geschäft mit Verkaufsbereich, Backstube, Aufenthaltsraum und Keller eine Konditorei bleiben soll, steht für die Baumanns außer Frage. Auch der Rostocker Vermieter habe sich dafür ausgesprochen. „Es ist ja alles da, wir haben hinten alles ausgebaut und die ganzen Geräte würden wir drinlassen wollen“, sagt Ute Baumann. Natürlich müsse einiges modernisiert werden, prinzipiell sei aber alles vorhanden, was gebraucht werde. „Außerdem würden wir gern unsere Rezepturen weitergeben, damit die Kunden ihre Lieblingsteilchen bekommen“, so die Konditorin. Ihre Stammkunden hätten bereits Bedauern geäußert und viele Anlaufstellen gebe es in Rostock nicht, an denen Mokka-Baiser-Törtchen, Lerchen und Seezungen noch schmecken wie früher. „Wir haben die Rezepte zu großen Teilen auch schon vom vorherigen Betreiber bekommen. Hier wird noch alles per Hand gemacht, fertige Mehlmischungen kommen für uns überhaupt nicht infrage“, unterstreicht Baumann.

Doch nach 48 Jahren im Beruf werde der dann 64-jährige Norbert Baumann die Rente beantragen. Sie selbst müsse sich für fünf Jahre noch etwas anderes suchen, bevor beide den wohlverdienten Ruhestand genießen könnten, so Ute Baumann.

Ob sich ein Nachfolger für die kleinste Konditorei Rostocks findet, wird sich zeigen. „Die Hoffnung ist da, aber es wird schwierig“, sagt Ute Baumann. Fest steht: „Zum 1. Mai hören wir auf, dann wird hier alles ausgeräumt“, so die Konditorin.

Kontakt unter Telefon: 0381/49 23 43 23

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