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Rostock : Mit Clown ist alles halb so schlimm

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Rostocker Rotznasen sind wöchentlich im Einsatz, besuchen kranke Kinder und Erwachsene und lachen kurz die Sorgen fort #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Draußen stürmt und regnet es fürchterlich – eigentlich ein trister Nachmittag, doch bei Kiki und Pampelmusina ist davon nichts zu spüren. Sie albern umher, lachen und necken sich. Mit ihren bunten Kostümen, ihren roten Clownsnasen und kleinen Reiseköfferchen machen sie sich auf den Weg zu den jungen Patienten der Kinderonkologie im Universitätsklinikum Rostock.

Kiki und Pampelmusina sind zwei Klinikclowns von den Rostocker Rotznasen. Seit 2007 besuchen sie kranke Menschen und schenken ihnen kurze Momente der Sorglosigkeit. Ein Mal in der Woche machen sie Halt bei den kleinen Patienten der Kinderklinik. „Wir Clowns wollen nichts von den Kindern, außer spielen und Spaß haben. Sie müssen nicht stillhalten oder Untersuchungen über sich ergehen lassen, wie sonst, wenn jemand unangemeldet ins Zimmer kommt“, erzählt Kerstin Daum alias Kiki.

Die Stationstür geht auf und die Clowns werden freundlich von den Schwestern begrüßt. Schnurstraks gehen die Rotznasen im Spielzimmer auf den dreijährigen Leon zu. Der Junge in der blauen Jogginghose und dem gelben Shirt ist etwas erschrocken und sucht zunächst Schutz bei seiner Mutter Susi. Kiki und Pampelmusina geben Leon Zeit und spielen Verstecken. Langsam kommt der Junge aus seiner Deckung hervor und schaut den Clowns interessiert zu. Als sich Pampelmusina in die Puppenkiste setzt und sich von Kiki umherschieben lässt, ist das Eis gebrochen.

Der Junge ist nun kaum mehr zu stoppen. Er lacht, albert und möchte die Clowns gar nicht mehr gehen lassen. Aber sie müssen weiterziehen und Leon verabschiedet sich mit einem Küsschen. Leon ist mit Darmbeschwerden auf die Station gekommen und Mutter Susi hofft, bald wieder mit ihrem Sohn nach Hause zu dürfen. Während Leon Kiki und Pampelmusina nachschaut, steuern die beiden das Zimmer von Laura an. Sie ist vier Jahre alt und hat Nierensteine.

Laura kann es kaum erwarten und holt die Clowns in ihr Zimmer. Sie ist gut gelaunt und um keine Antwort verlegen. Auf die Frage von Pampelmusina, was sie da für eine Einkaufstüte hinter sich her ziehe, antwortet sie: „Das ist doch ein Beutel, wo was hineinfließt.“ Sie zeigt auf einen Schlauch, der von ihrem Bauch abgeht und am Beutel endet. Ihr Anhängsel hindert das Mädchen aber keinesfalls daran, gemeinsam mit den Rotznasen zu tanzen und zu springen. Kiki holt eine rote Flasche heraus und spricht ein paar magische Worte und schon fliegen im ganzen Raum die Seifenblasen umher. Laura ist begeistert und versucht, die Blasen mit ihrem Luftballon namens „Dingeldong“ zu erwischen.

Die Reise der beiden Clowns geht weiter und sie führt sie zur siebenjährigen Alicia. Über ihrer Kleidung müssen sie einen grünen Kittel tragen, aber das macht die Clowns nicht weniger lustig. Alicia ist bereits acht Monate auf der Station und hat nun eine große Etappe im Kampf gegen Krebs geschafft. Es geht nach Hause und das ist natürlich ein Grund zum Feiern. Kiki und Pampelmusina ziehen sich ihre Partybrillen auf und spielen auf der grünen Ukulele ein Liedchen. Ein zaghaftes Lächeln können sie dem Mädchen entlocken, die nun bald wieder in ihrem eigenen Zimmer spielen darf.

Das gleiche Schicksal wie Alicia hat auch den eineinhalbjährigen Hugo ereilt. Er ist seit Anfang September da. Oma Susi ist an seiner Seite und sitzt mit ihm auf einer grünen Decke voll mit Lego-Duplo. Hugo schaut gespannt den Seifenblasen hinterher und greift ab und an nach dem Luftballon. „Hugo ist heute eigentlich ganz gut drauf. Wir haben schon getanzt“, erzählt die Oma. Er wird die Clowns noch öfter zu Gesicht bekommen, die ihm mit guter Laune Kraft schenken und die Zeit im Krankenhaus angenehmer machen wollen.

„Als Clowns haben wir viele Freiheiten und können Dinge beim Namen nennen, ohne damit jemandem zu nahe zu treten. Mit roter Nase geht alles und die Sicht auf die Welt ist weniger ernst“, sagt Carola Schure alias Pampelmusina. Seit zehn Jahren sind die Klinikclowns in ganz Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Gerade haben sie ihren Geburtstag gefeiert – natürlich mit den Kindern als Ehrengästen.

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