Universität Rostock : Mathematik zieht widerwillig um

Umbau der alten Physik für acht Millionen Euro. Dekan kritisiert entstehende Nachteile für die Lehre durch Entfernung zum MINT-Campus

svz.de von
30. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Das Finanzministerium schenkt Rostock für 90 Millionen Euro das Ulmicum als neuen Großcampus. Mit einem Um- und Anbau auf dem bestehenden Campus in der Ulmenstraße sollen dort bis 2025 Juristische, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche sowie Philosophische Fakultät vereint werden. Für die Mathematik bedeutet das aber den Auszug aus dem Komplex. Die alte Physik in der Innenstadt soll für sie saniert werden – für acht Millionen Euro.

„Wir haben einen Planungsauftrag vom Finanzministerium erhalten, eine Entwurfsplanung aufzustellen“, sagt Christian Hoffmann vom landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL). Bis Ende 2017 soll die vorliegen. Doch die Mathematiker mit ihren aktuell 346 Studenten sind damit gar nicht so zufrieden.

„Aus Sicht der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ist der Innenstadtstandort nicht glücklich“, sagt deren Dekan Prof. Dr. Klaus Neymeyr. Er sei sicherlich toll für den Wohlfühlfaktor, „aber nicht aus wissenschaftlicher Sicht und Sicht der Lehre“, sagt der Dekan. Für Studenten mit Zweitfächern, die häufig dem Bereich der Chemie, Physik oder Informatik entstammen, ebenso wie für Dozenten bedeute das längere Wege zwischen den Vorlesungen – nämlich zum MINT-Campus in die Südstadt. Der aktuelle Standort in der Ulmenstraße sei dafür günstiger. Doch schon die sei nach einem Auszug aus dem Hauptgebäude 2008/09 eine Interimslösung gewesen. In Aussicht gestellt worden sei den Mathematikern ein Neubau in der Südstadt in Gesellschaft der Physiker, Chemiker, Informatiker, Elektrotechniker. „Aus unserer Sicht gehört zu einem MINT-Campus auch die Mathematik“, sagt Neymeyr. Und es gebe auch noch ein freies Baufeld bei der Elektrotechnik. Den Hintergrund, warum es nicht genutzt wird, kennt der Dekan. „Es ist das Geld“, sagt Universitätsrektor Wolfgang Schareck. Ein Neubau wäre teurer als die Sanierung der alten Physik. Aus Sicht des Finanzsenators soll die Mathematik auch zurück in die Innenstadt, um den Standort zu beleben. „Wir haben dieses unter Denkmalschutz stehende sehr repräsentative Gebäude“, sagt Mathias Brodkorb (SPD). Das zu sanieren, sei ein guter Kompromiss aus Neubau und Bestandserhaltung. Für Physiker und Chemiker käme es nicht infrage, sie brauchen große Apparaturen, Vorrichtungen wie schwingungsarme Böden – die Mathematiker nicht. Das sind Hintergründe, die Neymeyr kennt, er bedauert aber dennoch die räumliche Barriere und deren praktische Auswirkungen. „Wir hoffen, dass der Standort Albert-Einstein-Straße nicht auf lange Sicht für die Mathematik aufgegeben wird und doch noch irgendwann ein Neubau möglich wird.“

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