Soziales : Marktmitarbeiter leben Inklusion

Heute öffnen Enrico Pannwitt (l.), Christine Schöttler und Hannes Schumacher zum ersten Mal den Cap-Markt in der Seidelstraße.
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Heute öffnen Enrico Pannwitt (l.), Christine Schöttler und Hannes Schumacher zum ersten Mal den Cap-Markt in der Seidelstraße.

Rostocks vierter Cap-Lebensmittelladen öffnet heute im Hansaviertel für Kunden. Angestellte sind zur Hälfte Menschen mit Handicap. #wirkoennenrichtig

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20. September 2017, 08:00 Uhr

Wie die Inklusion von Menschen mit einem Handicap in den Rostocker Arbeitsmarkt gelingt, zeigt ab heute der neue Cap-Markt in der Seidelstraße. Kunden können dort wie in einem normalen Lebensmittelmarkt einkaufen. Den Unterschied macht das Personal: 6 der 13 Mitarbeiter haben eine psychische Erkrankung, eine geistige oder eine Lernbehinderung. Betreiber des Marktes ist die Integra Güstrow GmbH. „Sie wurde vor 14 Jahren von der Diakonie Güstrow gegründet, um Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen“, erklärt Geschäftsführer Bernd Tolander.

Das Konzept dazu stammt von der GDW Süd aus Stuttgart. Deren Vertreter Thomas Heckmann sagt: „Mit dem neuen Cap-Markt sind es deutschlandweit 108.“ Vier dieser Läden befinden sich in Rostock, vier weitere im übrigen Mecklenburg-Vorpommern. Integra betreibt allein fünf von ihnen sowie zwei Drogeriemärkte. „Das Wichtigste dabei ist, dass wir Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap schaffen“, erklärt Diakonie-Leiter Christoph Kupke. Rund die Hälfte der 80 Marktmitarbeiter habe so eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen können. „Das Betreiben von Handel ist für uns nur ein Mittel zum Zweck“, so Kupke. Dennoch wirkt sich das Geschäftsfeld auch auf die Wirtschaftskraft der Diakonie aus. „Wir sind auf eine Bilanzsumme von mehr als zwei Millionen Euro und auf mehr als zehn Millionen Euro Umsatz gewachsen“, sagt Kupke.

Cap-Märkte erhalten in den ersten fünf Jahren eine Anschubfinanzierung, anschließend müssen sie sich selbst tragen. Für die aktuelle Einrichtung bekommt Integra von der Aktion Mensch rund 480 000 Euro. Außerdem hat die Gesellschaft einen Kredit über 600 000 Euro bei der Ostseesparkasse aufgenommen und arbeitet eng mit Edeka zusammen. Die Kette kümmert sich um die Logistik und Belieferung. „Das ist in meinen Augen gelebte Inklusion und sollte Vorbild für andere sein“, sagt Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Sie kritisiert: „Oft fehlen Arbeitgeber mit Mut.“

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