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Barrierefreiheit in Rostock : Lösungssuche für E-Scooter-Verbot

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mit Bus und Bahn dürfen diese Hilfsmittel in Rostock nicht befördert werden. Betroffener appelliert an RSAG. Haltung der Politiker. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 26.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Statt wie viele andere, sich bei Regen für die Straßenbahn zu entscheiden, muss Jens Schmidt den Weg draußen nehmen. E-Scooter-Fahrer dürfen seit dem 15. Februar nicht mehr die Busse und Bahnen der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) benutzen. Der 51-jährige Südstädter empfindet das als Diskriminierung. „Es ist viel gemacht worden in Rostock“, sagt er – für Hör-, Seh- und Mobilitätseingeschränkte. „Deswegen bin ich so enttäuscht, dass die RSAG so einen Rückschritt macht, der die Scooter-Fahrer ausschließt.“

Deren Begründung: „Das Verbot dient der Sicherheit“, sagt Yvette Hartmann, kaufmännischer Vorstand der RSAG – für E-Scooter-Fahrer und alle Fahrgäste. Anders als Elektrorollstühle könnten E-Scooter schon bei normalen Fahrbewegungen kippen, so hätten Tests nach einem Fall in Dresden gezeigt. Dort war ein Lkw in eine Bahn gefahren und ein Scooter gekippt.

Die Theorie kann Schmidt nachvollziehen, nur die Praxis nicht. Der gelernte Nachrichtentechniker und frühere Berufskraftfahrer empfindet seinen 3000-Euro-Scooter, den Krankenkassen als Hilfsmittel mitfördern und empfehlen, nicht als kippgefährdet. Er, bei dem vor zehn Jahren eine Nervenkrankheit diagnostiziert wurde, sei immerhin schon fünf Jahre damit unterwegs – in Bahn und Bus. Dahingehend sieht Schmidt einen Kompromiss, angeregt durch den Seniorenbeirat: ein Verbot nur für die Fahrt im Bus. Die Mitfahrt wäre bei Gefahrenbremsungen wirklich heikler. Aber in der Bahn helfe er eher noch einer älteren Dame, dass sie nicht fällt, als dass er kippt, sagt Schmidt. Enttäuscht von der Entscheidung der RSAG zeigt sich auch die Vorsitzende des Sozialausschusses Margit Glasow (Linke): „Für mich ist fragwürdig, warum man nicht vor einem Verbot versucht hat, eine technische Lösung zu finden.“ In Kassel gebe es zum Beispiel Prallplatten. Andere Städte, betonte Behindertenbeauftragte Petra Kröger, etwa Schwerin hätten nicht mit einem Verbot reagiert. „Die Beförderung sollte nicht pauschal ausgeschlossen werden.“ Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) verteidigt die Haltung der RSAG: „Es geht nicht darum, irgendwen auszuschließen. Es ist einfach ein versicherungsrechtliches Problem.“ Zielführender sei, jetzt zu überlegen, welche Alternativen den Betroffenen angeboten werden können. Dazu sei die RSAG bereit, sagt Yvette Hartmann, „das ist aber nichts, was wir von heute auf morgen realisieren können“. Bundeseinheitliche Lösungen gebe es nicht, aber einen Vorschlag zur Abstimmung der Länder. „Sobald es das gibt, werden wir uns bemühen“, so Betriebsleiter Holger Brüggmann. Schmidt ist das noch zu wenig Entgegenkommen.

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