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Integration in Rostock : Liebherr startet Projekt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bis August lernen 18 Flüchtlinge die Anforderungen in den Bereichen Metall, Elektrotechnik und Elektronik kennen

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erstellt am 31.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Sie haben in ihrer Heimat als Mathe-Lehrer und Schiffsmechaniker gearbeitet oder Wirtschaft studiert – aber jetzt müssen viele der Geflüchteten in Rostock noch einmal ganz von vorne anfangen. So wie Salim Daaoud aus Syrien. Der 37-Jährige kommt aus einer Küstenstadt und bringt 13 Jahre Erfahrung als Schiffsmechaniker mit, ist lange zur See gefahren. Jetzt hofft er auf einen Platz im neu aufgelegten Programm „Ask me!“ an der Liebherr-Akademie. „Ich möchte den B2-Sprachkurs und ein Praktikum als Schweißer machen“, sagt Daaoud.

Genau diese ersten Grundlagen soll das Programm ermöglichen. Es ist der eigentlichen Ausbildung vorgeschaltet und soll zunächst 18 Teilnehmern helfen, ihre Fähigkeiten und Berufswünsche an den deutschen Arbeitsmarkt anzupassen. Abgedeckt werden an zwei Tagen pro Woche praktische Erfahrungen in den Bereichen Metall, Elektrotechnik und Elektronik. An den übrigen drei Tagen lernen die Teilnehmer in einem vertiefenden Deutschkurs technische Fachbegriffe. Ihren Pflicht-integrations- und Sprachkurs haben sie schon hinter sich. Das neue Training startet am Montag und dauert bis Mitte August.

„Kernthemen sind Sprache und Wissen – nur so kann es gelingen, die neuen Mitbürger in Arbeit zu bringen“, sagt Liebherr-Geschäftsführer Steffen Pohl. Als großer Arbeitgeber der Region mit rund 1500 Beschäftigten und 170 Auszubildenden wolle sich das Unternehmen auch in diesem Bereich engagieren. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Projekte für Flüchtlinge aufgelegt. Die Prüfungen hätten alle Teilnehmer geschafft, so Akademie-Leiter Ralf Harder: „80 Prozent sind jetzt im ersten Arbeitsmarkt beziehungsweise in weiterführende Ausbildungen.“

Illusionen geben sich die Beteiligten allerdings nicht hin. „Das wird dauern“, sagt Pohl. Und auch Anke Diettrich, Chefin der Rostocker Arbeitsagentur, erklärt: „Viele Flüchtlinge sind nicht die Fachkräfte von morgen, sondern eher von übermorgen.“ Denn häufig seien die Kenntnisse der Betroffenen nicht mit den deutschen Standards kompatibel. Das fange schon bei der Sprache an. „Sie ist der Schlüssel zu Arbeit, Ausbildung und Integration“, sagt Diettrich. Ihr Leitsatz: „Berufliche Integration bedeutet auch immer soziale Integration.“

Die strebt auch Melake Haile mithilfe des Liebherr-Programms an. Erfahrungen im Bereich Metall hat er noch keine gesammelt, aber dafür bringt er viel Motivation mit. Das zeigt sich schon bei den hervorragenden Deutschkenntnissen, die der Eritreer in seinen eineinhalb Jahren in Güstrow aufgebaut hat. Früher studierte er Wirtschaft, jetzt „möchte ich eine Ausbildung in Mechatronik anfangen“. Das neue Programm könnte die Grundlage dafür legen.

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