Landkreis Rostock : Landwirte kalkulieren mit Risiko

Derzeit werden die Zuckerrüben in der Gemeinde Ziesendorf vom Feld geholt. Mit etwa 5000 Tonnen Ertrag rechnet Detlev Elgeti.
Derzeit werden die Zuckerrüben in der Gemeinde Ziesendorf vom Feld geholt. Mit etwa 5000 Tonnen Ertrag rechnet Detlev Elgeti.

Ziesendorfer Landbau setzt auch nach Wegfall der EU-Quote und unsicherer Preisentwicklung auf Zuckerrüben. Wetter erschwert Ernten #wirkoennenrichtig

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17. November 2017, 12:00 Uhr

Die großen Mieten an den Feldrändern sind derzeit kaum zu übersehen. Seit September sind die Landwirte mit der Zuckerrübenernte beschäftigt. Auch die Mitarbeiter der Ziesendorfer Landbau GbR holen die Rüben seit vergangener Woche von den Äckern in der Gemeinde – vermutlich wieder fast 5000 Tonnen wie in den Jahren zuvor.

Ob das Unternehmen aber am Ende auch den gleichen Umsatz mit seinen Rüben erwirtschaften kann, ist in diesem Jahr noch offen. Denn mit 2017 sind die festen EU-Vermarktungsquoten für Zucker entfallen. Für Detlev Elgeti, Geschäftsführer des Ziesendorfer Landbaus, bedeutet das: Das Risiko ist höher, da jetzt der Weltmarkt den Preis bestimmt. „Vorher gab es festgelegte Preise, jetzt nicht mehr“, so Elgeti. Trotzdem setzt das landwirtschaftliche Unternehmen, das seit 1991 auf rund 2000 Hektar Ackerfläche auch Getreide, Raps, Mais sowie Ackerbohnen und Feldgras anbaut, weiterhin auf Zuckerrüben. „Wir wollen die Zuckerrübe als wertvolle Fruchtfolge behalten. Zwar ist das Risiko jetzt höher, aber das ist es uns wert, weil wir breit aufgestellt bleiben wollen“, so der Landwirt. Trotz der finanziellen Unsicherheit ist der Ziesendorfer Landbau bei seinen Zuckerrüben-Anbaumengen geblieben.

„Der Wegfall der Quote wird sicherlich auch finanzielle Auswirkungen haben. Aber wir sind jetzt im ersten Jahr. Das zeigt sich dann nach der Saison“, so Elgeti. Zudem habe die Zuckerfabrik in Anklam, an die die Ziesendorfer Firma ihre Rüben verkauft, ihnen und anderen Bauern ein Flexpreismodell angeboten. Das heißt: 30 Prozent sind Fix- und 70 Prozent Marktpreis. Klar sei nur, dass die Landwirte mit dem Wegfall der Quote nun auch die Transportkosten zu den Zuckerfabriken selbst tragen müssen. „Diese waren vorher darin enthalten.“

Statt der Preise bereite ihm in diesem Jahr vielmehr das Wetter Sorge, so Elgeti: „Wir haben keine stabile Wetterlage. Im Oktober hatten wir die dreifache Niederschlagsmenge. Das hat Auswirkungen auf die Böden.“ So verlief die Mais- und Getreideernte äußerst schwierig. „Wir hatten Probleme, den Mais vom Feld zu holen“, sagt der Geschäftsführer. Die schweren Fahrzeuge würden in den nassen Böden versinken. Außerdem habe der viele Regen und das schlechte Wetter auch Auswirkungen auf die Qualität, zum Beispiel auf den Zuckergehalt der Rüben. „Beim Getreide hatten wir deutlich höhere Trocknungskosten und beim Raps durch die mangelnde Sonneneinstrahlung 20 Prozent weniger Ertrag“, verdeutlicht Elgeti. Selbst die Weizenernte im nächsten Jahr sei beeinträchtigt: „Wir konnten 20 Prozent der Winterweizenflächen nicht aussäen. Da kommen Sommergerste und Ackerbohnen hin“, sagt der Geschäftsführer, „aber darauf muss man sich einstellen, wir produzieren nun mal unter freiem Himmel.“

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