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Rostock : Künstler erschafft seine Ahnenreihe

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Eine neue Ausstellung in der Kunsthalle mit 80 großformatigen Malereien enthüllt die Geschichten der fiktiven Familie des Nil Auslaender. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 17.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Nael Moriarvy (1740 bis 1798), Sadoku Kunisada (1846 bis 1913) oder auch Maria Katarina Worizalla (1906 bis 1982) porträtiert Nil Auslaender in seiner Ausstellung „Glückliche Tage und andere. Die Ahnen“, die neu in der Rostocker Kunsthalle gezeigt wird. Der Berliner, der heute am Kummerower See lebt und wirkt, hat sie erschaffen, jeden Einzelnen und im wahrsten Sinne. „Ich persönlich habe eine ziemlich langweilige Familie“, sagt Auslaender – „Mutter, Vater, einen Bruder“. Und so malte er sich eine Tante: die provokant, politische Nastassia Konstantinowna Auslaender (1899 bis 1933), stellte sie aus und fand Anklang.

„Alle Menschen haben das Bedürfnis, zu wissen, wo sie herkommen“, sagt der Künstler. Seine Facetten, seine Vorstellungen, vielleicht sogar Wünsche und Ängste ließ er in Gemälden aufgehen – 30 Jahre lang. Seine eigene Ahnengalerie wurde sein größtes Kunstprojekt. Es sei „ungewöhnlich, selten“, dass ein Künstler so an einem Projekt wirkt, sagt Kunsthallenleiter Jörg-Uwe Neumann, der den Künstler selbst schon ein Jahrzehnt lang kennt. „Nil fabuliert mit Farbe, kann damit umgehen, es ist aber auch ganz viel Geschichte dabei.“ Der Kreative hat seine 80 Verwandten nicht nur ins Bild gefasst, er hat sie erschaffen und ihre Geschichten – mit der tatsächlichen Historie und einander verwoben. Die Zuflüsse zum Nil? – Ein Ahne hat sie entdeckt, Hercule N’Alanga (1680 bis 1760), sie sind blau, gelb und rot – wie die Grundfarben. Triolektik taucht bei Auslaender immer wieder auf, ebenso wie das Krokodil. Waren es doch auch Krokodile, bei denen ein Findelkind, seine älteste Ahnin, Atmeth al Bakri-Koeen (1690 bis 1744) gefunden wurde. Alle Figuren sind erfunden, aber wenn er von ihnen erzählt, sie lebendig macht, „glaubt mir manchmal keiner mehr, dass das so ist“, sagt Auslaender lachend. Mit seiner Intensität hat er auch drei Rostocker angesteckt: Die GOH-Gruppe aus René Geschke vom Printzentrum, Michael Höppner vom Schuhaus und Dieter Osterthun von Portola. Sie haben das Buch zur Ausstellung ermöglicht – mit einer Auflage von 500 Stück. Seit 3,5 Jahren arbeiten sie am Projekt, haben Lektorat, Fotografen, Layout organisiert – manches selbst übernommen. Mit den Jahren hat sich eine echte Leidenschaft für Auslaenders Ahnen entwickelt. „Die Geschichte ist so weit weg vom Alltäglichen, dass es einfach Spaß machen muss“, sagt Geschke. Die GOH-Gruppe unterstützt seit 2006 Kulturprojekte.

Hintergrund

Die Ausstellung: Die 80 großformatigen Malereien und 55 kleineren Arbeiten sind bis zum 17. September in der Kunsthalle zu sehen.

Führungen mit Nil Auslaender durch die Ausstellung: heute, 26., 27. August, 2., 3., 9., 16. September um 16 Uhr und 17. September um 14 Uhr

Verkauf: Der Künstler hat in 30 Jahren keines seiner Ahnenbilder verkauft, er will alle zusammen veräußern.

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