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wirkoennenrichtig lokal : Kluft zwischen arm und reich nimmt zu

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeiterwohlfahrt präsentiert Forschungen zur Finanzsituation der Rentner in MV.

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Es geht uns doch gut, uns Senioren. Oder? Die Reiseunternehmen freuen sich über die solventen Weißhaarigen, die Kreuzfahrten und Busreisen buchen, wir beleben Einkaufsviertel und Seebäder auch außerhalb der Saison, und in den Schulferien besuchen wir mit den Enkeln Zoo, Kinos und Museen. Und im Sommer winkt schon wieder eine Rentenerhöhung.

Aber trotzdem wird von Altersarmut gesprochen. Während der diesjährige fünfte Armuts- und Reichtumsbericht der Regierung wieder lediglich die Symptome auflistete, also eine Bestandsaufnahme machte, ohne zu Ursachen und Schlussfolgerungen zu kommen, kann sich die Arbeiterwohlfahrt (Awo) MV auf die Ergebnisse einer Forschungsarbeit berufen, die sie in Auftrag gegeben hatte. Wissenschaftler der Rostocker und Greifswalder Universitäten und der Neubrandenburger Hochschule hatten die Ursachen und Aspekte der Armut – auch der Altersarmut – in unserem Bundesland untersucht und Schlussfolgerungen für ein wirksames Bekämpfungsprogramm entwickelt.

Dr. Wolfgang Weiß, Lehrbeauftragter für Bevölkerungsgeografie an der Greifswalder Universität und einer der Teilnehmer dieses Projekts, informierte vor dem Seniorenbeirat der Hansestadt über den aktuellen Armutsbericht der Awo zur Situation in MV. Die Schere zwischen Reichen und Armen hat sich weiter geöffnet und der Anteil der von Altersarmut bedrohten Senioren nimmt zu. Besonders betroffen sind Frauen, Alleinstehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund.

Nach letzter Einschätzung gehören 14,6 Prozent der Senioren zu den Armen, wobei die verdeckte Armut viel höher liegt. Nach Schätzungen machen etwa 40 Prozent berechtigte Sozialansprüche nicht geltend. Menschen, die nicht von ihrer Rente leben können, scheuen sich, Grundsicherung oder andere soziale Leistungen zu beantragen. Armut beschämt, stigmatisiert und grenzt aus. Wer jeden Cent zweimal umdrehen muss, zieht sich zurück aus dem gesellschaftlichen Leben, vereinsamt. Schon Kaffee mit Kuchen in einem Stadtteil- und Begegnungszentrum, die Teilnahme am Seniorensport, erst recht das Abo für eine Tageszeitung – die Rente reicht dafür oft nicht.

Weshalb das so ist, liegt sicher nicht daran, dass die Betroffenen nicht mit Geld umgehen können. Unverschuldete Arbeitslosigkeit, Hartz IV-Bezüge, Minijobs und Frühverrentung, besonders bei den Frauen Arbeit in schlecht bezahlten Berufen oder Halbtagsarbeit wegen der Betreuung von Kindern und Eltern – das sind einige der Ursachen dafür, dass die Rente niedriger ausfällt, als mancher Azubi im ersten Lehrjahr an Entgelt monatlich bekommt.

Das ist eine traurige Wahrheit. So erfahren immer mehr Menschen im Alter, was es heißt, nicht aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln für sich selbst sorgen zu können.


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