Storche in MV : Keine rosigen Zeiten für Adebare

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„Storchenvater“ Hans-Heinrich Zöllick zieht erschreckende Bilanz für 2017: Experten sprechen von extremem Störungsjahr #wirkoennenrichtig

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30. Januar 2018, 05:00 Uhr

Auf Schnuckel sei eben Verlass – das haben die Experten in einer Rückschau auf die Storchensaison 2013 noch vermelden können. Denn das Lieblingstier von „Storchenvater“ Hans-Heinrich Zöllick kehrte wie in den Folgejahren auch frühzeitig auf seinen angestammten Horst in Langenhanshagen zurück.

Mittlerweile sind solche positiven Ereignisse jedoch rar geworden. Stattdessen überwiegt bei den Storchenbetreuern die Sorge, weil die Bestandszahlen in MV alarmierend zurückgegangen sind. 2017 haben die Mitglieder der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des Naturschutzbundes im einstigen deutschen Storchenland Nummer eins lediglich 699 Brutpaare gezählt – so wenig wie nie zuvor. Daraus resultiert, dass nur 992 Jungtiere aufgezogen wurden, was einer Reproduktionsquote von 1,42 Tieren pro Nest entspricht. Zum Erhalt der Population sind aber mindestens zwei Junge erforderlich. Angesichts dieses überaus schlechten Zustands des Storchenbestands sprechen die Fachleute von einem extremen Störungsjahr.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen haben starke Niederschläge und die damit verbundene tödliche Unterkühlung der Jungvögel eine Rolle gespielt. Andererseits sehen Experten die Hauptursachen jedoch in der intensiven Landwirtschaft. Seit Jahren beklagen sie eine rapide Verschlechterung des Lebensraums – nicht nur für die Rotstrümpfe, sondern auch für viele Feld- und Wiesenvögel.

Durch die Umwandlung von Grün- in artenarmes Saatgrasland oder riesige Flächen mit Monokulturen wie Mais, Raps und Getreide findet der Vogel nicht mehr genügend Futter. Hinzu komme der massenhafte Einsatz des Pflanzengifts Glyphosat, ist Hans-Heinrich Zöllick überzeugt.

Auch im Altkreis Ribnitz-Damgarten, den der 93-Jährige seit mehr als vier Jahrzehnten betreut, ist der Bestand drastisch zurückgegangen. Insgesamt zählte Zöllick dort lediglich noch 35 Brutpaare, 6 weniger als 2016. Zum Vergleich: 1974 waren es noch 60.

Zu den wenigen Lichtblicken zählen die Horste in Kavelstorf, Wöbkendorf und Ehmkenhagen, wo jeweils vier Jungtiere großgezogen wurden. In Löbnitz sowie Schulenberg wurden sogar zwei Neu- beziehungsweise Wiederansiedlungen registriert.

Vielerorts mussten der „Storchenvater“ und seine Mitstreiter hingegen Abwürfe oder Totfunde zur Kenntnis nehmen, wie in Breesen oder Wiebkenhagen.

Etwas Ungewöhnliches beobachtete Hans-Heinrich Zöllick in Kloster Wulfshagen. Dort sorgte ein Weibchen mit der Kennung T 716 für Furore. Erstmalig war die Störchin 2005 als Brutvogel im Altkreis Ribnitz-Damgarten erschienen. Am 1. April 2017 tauchte sie mit einem unberingten Partner zunächst in Brünkendorf auf, wechselte später nach Alt Gutendorf und schließlich Mitte Juli nach Kloster Wulfshagen. Das dort brütende Paar mit einem Jungtier wurde vom nicht eierlegenden Weibchen und ihrem Partner vertrieben und der Nestling praktisch adoptiert und großgezogen.

Der Negativtrend gilt auch für Rostock. Entgegen den Vorjahren gab es in den beiden Horsten im Zoo keinen Bruterfolg. Lediglich in Biestow verlief die Saison relativ komplikationslos, sodass dort drei gesunde Jungvögel flügge wurden. Nicht ganz so übel sieht die Bilanz für Vorpommern aus. Hier wurden 413 Horstpaare mit 592 Jungtieren gezählt.

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