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Rostock : Informatiker gibt Betrug in 183 Fällen zu

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

27-Jähriger verkaufte online Potenzmittel und Elektroartikel, ohne jemals zu liefern #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Der Wunsch eines Polizeibeamten aus Mecklenburg nach einem neuen Handy war der Auslöser für ein Strafverfahren wegen Betruges in großem Umfang, das gestern vor dem Landgericht Rostock eröffnet wurde. Dieser Beamte recherchierte im Internet und fand dort lukrative Angebote, die ihm bei näherem Betrachten etwas merkwürdig vorkamen. Er machte seine Kollegen im Landeskriminalamt darauf aufmerksam und die fanden den 27-jährgen Informatiker Tim C. aus Delmenhorst.

Eine Stunde und 40 Minuten benötigten zwei Staatsanwälte gestern, um die Anklage gegen den versierten Informatiker zu verlesen. Sie beschuldigten ihn, bundesweit gewerbsmäßig betrogen zu haben. Er soll Onlineshops genutzt haben, um Elektroartikel und Potenzmittel gegen Vorkasse an Kunden zu verkaufen, diese aber nie geliefert haben. Dazu hätte sich der Angeklagte unter 36 verschiedenen Internetdomains und unter Verwendung unterschiedlicher E-Mail-Adressen registrieren lassen. 183 Kunden aus ganz Deutschland sollen Waren im Gesamtwert von 112 411,28 Euro bestellt und den Kaufpreis überwiesen haben. Um keine Rückschlüsse auf seine Person zu ermöglichen, habe der Angeklagte Menschen gewonnen, die ihm gegen eine Provision ihre Konten zur Verfügung stellten.

Der 27-Jährige legte gestern ein umfassendes Geständnis ab. „Alles, was in der Anklage steht, gebe ich komplett zu“, sagte er. Ausführlich beschrieb er seine Vorgehensweise, wobei ihm seine Studienkenntnisse sowie auch Erfahrungen durch den Onlineshop seiner Eltern hilfreich waren. In Kombination mit den heutigen Möglichkeiten des Internets und der Unbedarftheit vieler Banken würde „alles gehen“. Oft seien Konten erst nach Monaten gesperrt worden.

Die Ankläger nannten die Namen der Betrogenen, darunter zwei Frauen aus dem Landkreis, und die der Kontenbereitsteller. Auch der Rostocker Andreas St., auf dessen Konto 17 Überweisungen in Höhe von 200 bis 900 Euro eingingen, hat ein Verfahren wegen Betruges zu erwarten. Tim C. ist wegen Urheberrechtsverletzungen vorbestraft und sitzt seit dem 7. März in U-Haft. Mit dem Geld habe er eine Europatour mit dem Fahrrad gemacht, ein Auto gekauft und seine Spielsucht bedient. Der Prozess wird am 27. Oktober fortgesetzt.

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