Kleingartenwesen : In der Zentrale der Gärtner

Mit Pflanzen kennt sich Jörg Sedl aus und betreut im Naturgartenprojekt auch Hortkinder, die viele Fragen haben. Fotos: Michaela Kleinsorge
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Mit Pflanzen kennt sich Jörg Sedl aus und betreut im Naturgartenprojekt auch Hortkinder, die viele Fragen haben. Fotos: Michaela Kleinsorge

Verband vertritt die Anliegen der einzelnen Anlagen und betreibt selbst die kleinste inmitten Rostocks. #wirkoennenrichtig

svz.de von
21. September 2017, 12:00 Uhr

Im Herzen Rostocks liegt die kleinste Kleingartenanlage (KGA). Mit nur sieben Parzellen verströmt sie einen gewissen Hinterhof-Charme. So dürfen sich die umliegenden Wohnblöcke über einen besonderen Blick ins Grüne freuen.

Dort ist auch die Geschäftsstelle des Verbands der Gartenfreunde der Hansestadt Rostock, die alle Kleingartenanlagen mit insgesamt rund 15 000 Parzellen betreut. „Wir haben insgesamt 153 Vereine mit 40 000 Rostockern, die wir betreuen“, sagt der Vorsitzende des Verbandes, Christian Seifert. Der Warnemünder ist gleichzeitig der Vorsitzende der KGA Am Moor und kennt sich im Kleingartenwesen bestens aus. Mit viel Engagement bringt er sich in alle Bereiche ein. Auch das Prozedere um den Abriss der KGA Deutsche Reichsbahn in Warnemünde mit dem Abriss von 80 Parzellen zugunsten des Bauprojekts Molenfeuer, hat er als damaliger Parzellenbetreiber und Vorsitzender des Vereins hautnah miterlebt und weiß, welche Enttäuschung und Frustration sich bei der Räumung der Anlage bei jedem Kleingärtner abspielte.

„Wir haben es hier nicht nur mit Bewirtschaftung von Ackerflächen zu tun, sondern mit einem großen sozialen Umfeld und jeder Menge Lebensqualität“, beschreibt Seifert das Vereinsleben rund um Stauden, Gemüse und Lauben. Deshalb solle die Hansestadt auch mit Augenmaß vernünftige Wege suchen und möglichst auf den Abriss von Parzellen verzichten. In der Viergewerkerstraße befindet sich nicht nur die Geschäftsstelle der Gartenfreunde. Auch dort wird fleißig gegärtnert. Drei Schaugärten mit Imkerei, Streuobstwiese und heimischen Wildpflanzen sollen Interessenten und Kindern viele Informationen rund um Fauna und Flora vor der eigenen Haustür vermitteln. Dort erfährt der Besucher von bienenfreundlichen und heimischen Pflanzen in Wildform.

Jörg Sedl ist der Projektleiter und kann mit einem enormen Hintergrundwissen punkten. „Wir haben es gerade mit einem Generationswechsel zu tun, bei dem viele Ideen entstehen und auch die Nachhaltigkeit und Selbstversorgung wieder eine große Rolle spielen“, schildert Seifert die neuen Ideale der jüngeren Parzellenbetreiber.

Zum bundesweiten Kleingartengesetz, welches viele Laubenpieper bemängeln, hat Seifert seine eigene Philosophie: „Es wäre fatal, wenn man dieses Gesetz zur Diskussion stellt, denn dadurch wären auch die Annehmlichkeiten, wie beispielsweise die Pacht oder Befreiung von Auflagen, infrage gestellt.“

Die Gartenfreunde haben so manche Aufgabe in ihren Reihen zu bewältigen. Die besondere Herausforderung und das Ziel des Verbandes ist der Erhalt des Kleingartenwesens in der Hansestadt Rostock. Dieses gebe auch Menschen mit wenig finanziellen Mitteln mehr Lebensqualität, meint Seifert. Die momentanen Baupläne der Hansestadt hält der Vorsitzende für investoren- und weniger bürgerfreundlich, zumal die Leerstandszahlen in den Anlagen unter einem Prozent liegen und nur Bauprojekte im oberen Preissegment geplant würden.

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