Gleichstellung : Im Kampf gegen Ungerechtigkeit

Das Büro der Gleichstellungsbeauftragten befindet sich im Erdgeschoss des Rathausanbaus am Neuen Markt.
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Das Büro der Gleichstellungsbeauftragten befindet sich im Erdgeschoss des Rathausanbaus am Neuen Markt.

Brigitte Thielk ist seit 1994 Gleichstellungsbeauftragte in Rostock. Im Februar geht sie in den Ruhestand, blickt zurück und in die Zukunft. #wirkoennenrichtig

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21. November 2017, 05:00 Uhr

Gegen die Ungleichbehandlung und Diskriminierung setzt sich Brigitte Thielk mit ihrem ganzen Herzblut ein – und das seit der Wende. 27 Jahre lang hat die gebürtige Rostockerin als Gleichstellungsbeauftragte in der Hansestadt und dem Landkreis gewirkt, zum Jahreswechsel geht sie in den Ruhestand.

„Es ist eine tolle Arbeit, nicht nur jeder Tag anders, sondern jede Stunde“, sagt Brigitte Thielk. Sie bezeichnet sich als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern. Sie ist Mitglied im Präventionsrat und hat in sämtlichen Ausschüssen Rederecht. Als Gleichstellungsbeauftragte habe sie zudem ein Aufgabenfindungsrecht. „Das heißt, dass ich selbst aufzeigen darf, wo ich Probleme sehe und wie ich gedenke, sie zu bekämpfen“, sagt Thielk.

Auch wenn ihre Themen nicht immer angenehm seien – an oberster Stelle stünden noch immer häusliche Gewalt und Sexismus – könne jeder zu ihr kommen, der sich wegen seines Geschlechts diskriminiert fühlt. „Ich kann nicht immer sofort helfen, aber Wege aufzeigen, die man gehen kann“, sagt Thielk. Lösungen schaffe sie vor allem mit Hilfe eines gut funktionierenden Netzwerks in Rostock, das sie über Jahre mitaufgebaut hat. Dazu gehören soziale Träger, Vereine und Organisationen wie Charisma, Frauen in die Wirtschaft oder das 1990 eröffnete Frauenhaus.

Mithilfe ihrer Kontakte habe sie beispielsweise mitgeholfen, die Fledermauslinie der RSAG zu etablieren. „Wir haben Rundgänge durch die Stadt gemacht, aus Sicht der Frauen, und festgestellt, wie wenig und unsicher die Verbindungen nachts in Rostock waren“, erinnert sich Brigitte Thielk. Sie will auch Unternehmen klarmachen wo Probleme liegen: „Sie müssen begreifen, dass wenn sie die guten Frauen halten wollen, sie sie auch entsprechend behandeln müssen“, unterstreicht die Gleichstellungsbeauftragte. Viele hätten reagiert und Maßnahmen zur Kinderbetreuung und Weiterbildung eingerichtet. Besonders stolz ist Thielk darauf, dass Rostock vor vier Wochen die Europäische Charta für die Gleichstellung auf lokaler Ebene unterzeichnet hat. Damit verpflichtet sich die Hansestadt als erste im Land, die 30 Grundsätze in Sachen Gleichstellung zu verfolgen. Denn was ihr noch immer fehlt: „Die Rollenmodelle müssen weiter aufgeweicht werden, am besten schon in der Kita“, sagt Thielk. Auch in der Familie müsse Gleichstellung gelebt werden, denn nur so könnten kommende Generationen Ungleichbehandlung aus der Welt schaffen.

Ihre Nachfolgerin soll im Dezember gefunden sein. Es folge eine zweimonatige Einarbeitungsphase, sodass sie sich zum 1. März verabschieden könne, so Thielk. Aber auch im Ruhestand will sie sich nicht völlig aus ihrem Netzwerk zurückziehen, dafür kenne sie die Menschen jetzt viel zu lange. „Ich habe so viel erlebt, ich könnte ein Buch darüber schreiben“, sagt Thielk. „Vielleicht mache ich das sogar“, lacht Rostocks scheidende Gleichstellungsbeauftragte.

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