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Paraolympionikin Vanessa Low in Rostock : Ich bin eigentlich ein Küstenkind

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Warum Vanessa Low, Weitsprung-Königin der Paralympics von Rio de Janeiro 2016, in Rostock zu Besuch weilte. #wirkoennenrichtig

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erstellt am 02.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Leichtathletin Vanessa Low, Goldmedaillengewinnerin der Paralympics 2016 in Rio de Janeiro im Weitsprung, schaute am Mittwoch natürlich nicht einfach nur
so am Werftdreieck in der Firmenzentrale von Orthopädie-Technik Scharpenberg vorbei: Das Rostocker Unternehmen ist auf dem Fachgebiet der besonderen Bedürfnisse von Leistungssportlern mit körperlichen Handikaps bestens bewandert.

Hintergrund: Die Firma Orthopädie-Technik Scharpenberg

Das Rostocker Unternehmen Orthopädie-Technik Scharpenberg gibt es seit 1998. Aus dem von Ralph Scharpenberg und seiner Frau Kathrin gegründeten Kleinbetrieb ist eine Firma mit über 50 Fachkräften geworden, die ihre Kompetenz in allen Bereichen der Orthopädie-Technik einbringen. Neben der Zentrale (Neptunallee) und der Reha-Technik (Tannenweg) in Rostock gibt es Filialen in Hagenow, Perleberg, Pritzwalk und Stralsund. „Der Prothesenbau in allen Techniken und Produktionsverfahren ist einer unserer Schwerpunkte“, sagt Ralph Scharpenberg. „Ziel unserer Arbeit ist es, den Kunden mehr Mobilität und vor allem mehr Lebensqualität zu ermöglichen.“

 

2006 geriet Vanessa Low auf einem Bahnsteig im Gedränge aufs Gleis, wurde von einem Zug erfasst und verlor beide Beine. Mit Prothesen ist sie zur Spitzensportlerin geworden.

Schon seit sechs Jahren wird sie von Hendrik Hörenz betreut, der wie sie selbst aus Schwerin stammt. Allerdings musste Vanessa dafür zunächst jedesmal ins Allgäu reisen – bis der Orthopädie-Techniker-Meister zurück in den Norden zog. Seit einem Jahr ist er nun für Scharpenberg tätig, weilt die Behindertensportlerin 2016 regelmäßig in der Hansestadt. „Das ist natürlich schon ein Unterschied, wenn man nur noch eine Stunde fahren muss“, sagt die 26-Jährige, die in Sachen Wohnort derzeit zwischen Ratzeburg und Canberra pendelt, und findet Worte voll des Dankes für den Fachmann und die -firma ihrer Wahl: „Ich kann mich voll auf sie verlassen. Es ist die Mischung aus Professionalität und Persönlichkeit, die ein Vertrauensverhältnis ausmacht. Ich werde hier rundum versorgt.“

Hintergrund: Die Sportlerin Vanessa Low

Leichtathletin Vanessa Low wurde am 17. Juli 1990 in Schwerin geboren und wuchs in Ratzeburg auf. Im Alter von 15 Jahren verlor sie bei einem Unfall beide Beine. 2009 begann sie beim TSV Bayer 04 Leverkusen ihre leistungssportliche Karriere. Drei Jahre lang lebte die ausgebildete Mediengestalterin in den USA, trainierte in Oklahoma bei Roderick Green. Derzeit pendelt die heute 26-Jährige zwischen Australien – ihr Freund Scott Reardon, Paralympics-Sieger 2016 im 100-Meter-Sprint, ist in Canberra zu Hause – und Ratzeburg. Vanessa Low gewann bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Weitsprung mit Weltrekord von 4,93 Metern und holte darüber hinaus in ihrer Startklasse T42 (ein- oder doppelseitig Oberschenkel-Amputierte) Silber über 100 Meter.

 

Drei Paar Prothesen (Alltag, Sport, dazu wasserfeste für Duschen und Baden) benutzt Vanessa Low. Die Alltags-Variante, dieses Hightech-Wunderwerk aus Karbon, Alu und Titan mit elektronisch gesteuerten Kniegelenken, kostet 100 000 Euro. Sportprothesen (weniger komplex und ohne Elektronik) sind zwar „nur“ 30 000 Euro teuer, müssen dafür aber privat finanziert werden: „Auch in dieser Hinsicht half mir Scharpenberg viel.“

Aber nicht nur der Orthopädie-Technik-Betrieb hat seinen Anteil daran, dass der Blondschopf im Herbst 2016 zur Weitsprung-Königin von Rio wurde: „Manchmal bleibe ich auch schon mal eine Nacht oder zwei hier in Rostock. Ich war zum Beispiel im Leichtathletikstadion, trainierte da auch vor den Paralympics. Im Stadthafen war ich ebenfalls. Ich fühle mich wohl hier, bin ja eigentlich auch ein Küstenkind.“

Es wird im Jahr 2017 – das sie, um eine Rückenverletzung auszukurieren, sportlich auslässt – nicht der letzte Besuch von Vanessa Low in der Hansestadt gewesen sein. Ihr Boston Terrier Milo, der auch schon mit bei Scharpenberg war, kommt allerdings nicht noch mal mit: Der ist bereits nach Australien zu ihrem Freund Scott „umgezogen“.

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