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Rostock : Historischer Gefängnisturm wird saniert

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verwaltung, KOE und Kreishandwerkerschaft machen Lagebuschturm aus dem 16. Jahrhundert wieder öffentlich zugänglich #wirkoennenrichtig

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erstellt am 10.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Der Lagebuschturm nahe dem Steintor wird saniert. Er war von 1574 bis 1577 von der Stadt errichtet worden und diente ihr bis ins 19. Jahrhundert als Wehr- und Gefängnisturm. Bis vor rund 15 Jahren hatte ihn der Verein Grüne Liga genutzt, seitdem steht er leer. Die Stadtverwaltung, der Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) und die Kreishandwerkerschaft gehen das Projekt gemeinsam an.

„Der Turm soll wieder nutzbar und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, sagt Ex-Geschäftsführer Tobias Häfner, der die Absprachen Ende vergangenen Jahres geführt hatte. Es biete sich an, bei so einem Projekt und mit Blick auf die 800-Jahrfeier der Hansestadt, die Kreishandwerkerschaft heranzuziehen – „weil wir ja auch die Gewerke haben“, sagt Nachfolgerin Gabriela Glävke-Münkwitz.

Geplant ist, „dass die Kreishandwerkerschaft die Manpower und der KOE lediglich die Materialien zur Sanierung stellen wird“, sagt der Sprecher des KOE Nico Seefeldt. Die Obermeister der Innungen hätten Bereitschaft signalisiert, so Häfner.

Ein Glücksgriff für den Oberbürgermeister: „Das ist ein wichtiger Beitrag für unsere Stadt mit Beispielcharakter“, sagt Roland Methling (parteilos). Der KOE, zuständig ist Andy Thom, hat zum Ende des letzten Jahres ein Planungsbüro mit der Bestandsaufnahme beauftragt. Auf Grundlage der Unterlagen werden derzeit Varianten zur Herrichtung erstellt. „Der Turm muss auf jeden Fall trocken gelegt, technische Anlagen überprüft und es muss ein Brandschutzkonzept erarbeitet werden“, sagt Thom. Besonderes Sorgenkind ist der in den 90er-Jahren nachgerüstete hölzerne Treppenanbau, der langsam zerfällt. Er ist die einzig nutzbare Verbindung von der unteren Etage – in der war früher das Verlies. Die wahrscheinlich militärisch Gefangenen wurden von der zweiten Etage, in der auch schwere Geschütze standen, nur durch ein Loch hinab gelassen, erklärt Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz. Die anderen Ebenen sind durch schmale Treppen verbunden. Oben hätten leichte Geschütze gestanden. Historische Hintergrundinformationen – etwa zu französischen Schriftzügen und eisernen Ringen an den Wänden – seien rar.

Mit der Sanierung soll der Turm für Büros, eventuell eines Vereins hergerichtet werden. „Es wäre schön, wenn eine Nutzung in den Turm geht, die einen historischen Hintergrund hat“, sagt Thom. 2018 soll der Lagebusch-, auch Fangelturm genannt, fertig saniert sein. „Es ist eine schöne Idee für Rostock und wird der Stadt gut tun“, sagt die Stadtkonservatorin.

Kommentar "Ein ehrenwerter Einsatz" von Nicole Pätzold
Der Lagebuschturm, wenn er auch keine übergeordnete Bedeutung für die Stadtverteidigung hatte, ist ein Stück Stadtgeschichte. Er erzählt schon durch seine Existenz vom Abriss des Vorgängers, lässt grausame Schicksale der Gefangenen hinter den dicken Mauern erahnen und wie Rostock sich verteidigte. Es ist doch fast eine Pflicht der Stadt, so etwas wieder herzurichten. Doch zu haushalten ist auch Pflicht der Stadtverwaltung. Dass so etwas nicht immer überein geht, ist leider nachvollziehbar. Daher ist es besonders schön, dass dieses Projekt trotzdem stattfinden kann, weil die Kreishandwerkerschaft mitzieht, weil es die Obermeister und ihre Gewerke tun – nicht für Geld oder Ruhm, sondern für die Geschichte ihrer Stadt.


 


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