Rostock : Hilfe für Plüsch-Patienten

Foto:
1 von 3

Teddyklinik eröffnet. 1500 Kinder bringen ihre kranken Spielfreunde in die Schillingallee #wirkoennenrichtig

svz.de von
15. Mai 2017, 21:00 Uhr

Der Drache mit Schwanzbruch, eine Mehrlingsgeburt bei Delfinen – es gibt kaum eine Krankengeschichte, die Dr. Gernot Rücker noch nicht gehört hat. Der 52-Jährige ist Chef des Teddybärenkrankenhauses der Rostocker Universitätsmedizin und kennt für jedes Wehwehchen die richtige Therapie. Denn eines steht fest: Gestorben ist von den plüschigen Patienten bisher noch keiner.

Seit gestern und noch bis 20. Mai öffnen Rücker und seine 150 Teddy-Docs wieder ihre Untersuchungsräume für die Rostocker Kinder. „Sehen, Hören, Fühlen mit Theo – die Welt der Sinne entdecken“, lautet das diesjährige Motto. „Jedes Mal, wenn wir die Online-Anmeldung freischalten, dauert es keine drei Stunden, bis alle Termine für die Kindergartengruppen vergeben sind“, sagt der Mediziner. Deshalb gibt es am Sonnabend noch die Möglichkeit, von 9 bis 13 Uhr ohne Voranmeldung in der Schillingallee vorbeizuschauen.

Das Angebot, das zu Rückers Kids-Med-Akademie gehört, hat sich zu einem Besuchermagneten entwickelt. Jedes Jahr schauen rund 1500 Knirpse mit ihren kranken Spielgefährten vorbei. „Ich weiß nicht, ob wir damit eine der größten Teddykliniken Deutschlands sind – aber ich würde schon sagen, dass wir ziemlich professionell sind“, sagt Rücker. Neben der voll umfänglichen Geräte-Ausstattung mit CT und MRT deckt das Team die gesamte Bandbreite der Medizin ab – auch ein Zahnarztstuhl und ein Inkubator für Teddy-Frühgeburten gehören dazu.

„Unser Vorteil als Simulationsanlage und Notfallausbildungszentrum ist: Alles kann ausprobiert werden. Das sind die besten Voraussetzungen, den Kindern sämtliche Facetten in Ruhe zeigen zu können“, sagt der Ärztliche Leiter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Auch für die Studenten hätte das Vorteile – sie lernen stressfrei den Umgang mit kleinen Patienten und deren Bedürfnisse. Noch mehr wachsen könne die Teddyklinik aber nicht. „Wir operieren an der oberen machbaren Kapazitätsgrenze und wollen eigentlich nur den Status halten, natürlich bei gleichbleibend guter Qualität“, sagt Rücker. Grund dafür sei nicht nur die komplexe Logistik, „sondern vor allem, weil dafür der Lehrbetrieb insgesamt neun Tage ruht“.

Die komplette und gut sechs Monate dauernde Organisation der Teddy-Klinikwoche übernimmt ein Team von etwa 25 Studenten, die am Ende eine Prüfung ablegen. Die Zusammenarbeit mit den Kindern und ihren kranken Plüschfreunden ist für die zahlreich mitarbeitenden Nachwuchsmediziner dann „eine Sache der Ehre“.

Die Kids-Med-Akademie hat ihren Ursprung in einem internen Gedanken: „Eigentlich ging es zu Beginn darum, den Mitarbeiterkindern zu zeigen, welchen wichtigen Beruf ihre Eltern machen und warum sie dafür so oft weg sind – auch am Wochenende oder nachts und mit hoher Arbeitsbelastung“, erklärt Dr. Rücker.

Aus einem Mitarbeitertag erwuchsen so nach und nach die umfangreichen Angebote, von denen jetzt Kinder aus ganz Rostock und Umgebung profitieren. „Ich habe dann immer wieder überprüft, wie weit wir mit der Altersgrenze nach unten gehen können und landete am Ende bei den Zwei- bis Dreijährigen. Am Anfang wurde das belächelt, dann aber schnell bestaunt“, erinnert sich der Mediziner.

Er freut sich, dass mit der Teddyklinik Kindern die Angst vor Medizin genommen werden kann. „Ich erinnere mich besonders gern an ein kleines chronisch krankes Mädchen, das jedes Mal riesige Angst vor der Blutentnahme hatte, die dann immer mit vehementem Geschrei verbunden war“, erzählt Rücker. Nach dem Besuch in der Teddyklinik erzählte die Mutter, dass das Kind dieses seither mit großer Tapferkeit geschehen ließ. „Kein Vergleich zu vorher!“ Genau damit sei das Ziel der Aktion erreicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert